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KRITIK: Tod eines Handlungsreisenden, Piccadilly Theatre, London ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

pauldavies

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Paul T Davies bespricht Arthur Millers Death of a Salesman mit Wendell Pierce und Sharon D Clarke im Piccadilly Theatre London.

Natey Jones, Wendell Pierce, Sharon D Clarke und Sope Dirisu. Foto: Brinkhoff Mogenburg Death of a Salesman Piccadilly Theatre

4. November 2019

5 Sterne

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Die besten Wiederaufnahmen eines Klassiker-Stücks sind jene, die dem Text neues Licht und neue Einsichten abgewinnen, ohne die Dialoge oder den Kontext radikal zu verändern. Marianne Elliot und Miranda Cromwells aussergewöhnliche Neuinszenierung von Arthur Millers Klassiker lässt das Stück wie neu geprägt wirken: Es sieht aus, als wäre es heute geschrieben – für unsere Zeit – und gehört zu den bewegendsten Theatererlebnissen, die ich in diesem Jahr hatte. Kraftvoll aktuell legt die Besetzung der Lomans als schwarze Familie Schichten von Rassismus frei, ein herausragender Jazz- und Gospel-Soundtrack unterstreicht das, und das Stück wird zu einem universellen Plädoyer dafür, die Codes von Männlichkeit und Träumen neu zu schreiben.

Ian Bonar, Wendell Pierce, Sope Dirisu, Linda Loman und Natey Jones. Foto: Brinkhoff Mogenburg

Zentral für den Erfolg der Produktion ist eine herausragende – und stellenweise demütig machende – Darstellung von Wendell Pierce als Willy Loman. Besonders stark ist er darin, die Zerbrechlichkeit des Mannes zu zeigen: mühelos gleitet er von blinder Verdrängung zu Aggressivität, Liebe, Sturheit und Verwirrung – manchmal meint man fast körperlich zu sehen, wie Willy die Risse seines Lebens mit Tesafilm überklebt.  Man möchte jedes Mitglied der Familie Loman irgendwann schütteln, und Pierce lässt einen an Willy Loman verzweifeln – doch er bricht einem vollkommen das Herz, weil die Liebe als sein zentraler Antrieb durchscheint. Das ist, meiner Ansicht nach, die Leistung des Jahres.

Wendell Pierce, Natey Joneas, Sope Dirisu. Foto: Brinkhoff Mogenberg

Doch Pierce steht nicht allein. Als seine Frau Linda liefert Sharon D Clarke eine weitere beispielhafte Leistung: Sie klammert sich durchgehend an ihre Würde, ist die einzige Figur, die die Wahrheit der Situation erkennt, und kann doch nicht verhindern, dass ihre Familie in Richtung Zerstörung rutscht. Und ihre Stimme – wenn sie eine Gospel-Nummer singt, kämpft man gegen die Tränen. Diese Produktion ist die erste, bei der ich echte Sympathie für die Loman-Söhne empfinde, und Sope Dirisu ist als Biff herausragend: kraftvoll, mit einer Bühnenpräsenz, die in die Körperlichkeit eines kleinen Jungen zusammenschrumpft, als er die Untreue seines Vaters entdeckt – wissend, dass nichts je wieder so sein wird, weil sein Idol vor seinen Augen zerbricht. Und Natey Jones trifft die Ironie des Namens Happy perfekt: Seine Promiskuität kaschiert Verdrängung und die Unzulänglichkeit seiner Träume – er wird seinem Vater niemals genügen. Von dieser Bühne vibrieren lauter starke Leistungen: Trevor Cooper sorgt als Nachbar Charley für dringend benötigte komische Entlastung, und Ian Bonar ist ein hervorragender Bernard. Eine Schlüsselszene ist nun die, in der Willy seinen Boss um eine Stelle näher an Zuhause anfleht – sein Boss Howard (Matthew Seadon-Young in einer enorm wirkungsvollen Darstellung) ist deutlich jünger und weiss und will ganz offensichtlich nicht von einem schwarzen Mann berührt werden. Das höfliche Gesicht des Rassismus wird in dieser einen Szene entlarvt, als Willy gefeuert wird.

Die Musikalität und Körperlichkeit der Inszenierung sind aussergewöhnlich, die Rückblenden sind so klar: Momentaufnahmen von Verdrängung und Liebe, entscheidende Augenblicke, die die Familie auf den Tod ihres Handlungsreisenden zusteuern lassen. Das Sounddesign von Carolyn Downing und Musical Director Femi Temowo geben dem Stück einen Puls, der aufsteigt und abbricht – wunderschöne Arbeit. Das ist die beste Interpretation dieses Stücks, die ich je gesehen habe, und allein wegen Mr Pierces Darstellung muss man es sehen – darüber wird man noch jahrelang sprechen.

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