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KRITIK: Everybody's Talking About Jamie, Apollo-Theater London ✭✭✭✭✭
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markludmon
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Mark Ludmon ist begeistert vom überschäumenden neuen Musical Everybody's Talking About Jamie im Apollo Theatre
Die Besetzung von Everybody's Talking About Jamie. Foto: Alastair Muir Everybody’s Talking About Jamie
Apollo Theatre, London
28. November 2018
Fünf Sterne
Tickets buchen Alle reden tatsächlich schon seit Februar über das neue Musical Everybody’s Talking About Jamie, seit es im Crucible Theatre in Sheffield seine Bühne erobert hat. Da die meisten Hauptdarsteller weiterhin dabei sind, ist die Produktion ins Apollo Theatre im Londoner West End transferiert – und zur Erleichterung aller sind Überschwang und positive Energie genauso unterhaltsam und ansteckend geblieben.
Josie Walker (Margaret New), John McCrea (Jamie New) und Mina Anwar (Ray) in Everybody's Talking About Jamie.
Noch immer fest in Sheffield verortet, erzählt die Show die Geschichte des 16-jährigen Jamie New auf dem Weg zu seinem Traum: nicht nur professionelle Drag Queen zu werden, sondern auch als Junge im Kleid zu seinem Schulball zu gehen. Basierend auf der wahren Geschichte des Teenagers Jamie Campbell aus County Durham, wurde daraus ein rundum gelungenes Musical – vollgepackt mit Comedy, akrobatischer Choreografie und mitreißenden, popinspirierten Songs von Dan Gillespie Sells und Tom MacRae.
John McCrea (Jamie New) und Lucie Shorthouse (Pritti Pasha) in Everybody's Talking About Jamie. Foto: Johan Persson
So viel Freude die Show auch ausstrahlt: Für Jamie läuft nicht alles glatt. Er wird von einem Mitschüler homophob gemobbt und trifft in der Schule auf Widerstand gegen seinen Plan fürs Ballkleid – doch man spürt, dass sich mit einer positiven Haltung und einer extra Portion Mascara alles überwinden lässt. Schwerer wiegt die Zurückweisung durch einen Vater, der sein Cross-Dressing „ekelhaft“ findet. Das sorgt zwar für herzzerreißende Momente, wird aber durch die Stärke von Jamies Freundschaften und die Beziehung zu seiner Mutter mehr als aufgefangen.
John McCrea als Jamie New in Everybody's Talking About Jamie. Foto: Alastair Muir
Der Star des Abends ist – wenig überraschend – John McCrea mit einer fesselnden, makellosen Darstellung als Jamie. Mit geschmeidiger Eleganz macht er aus einem Tisch einen Catwalk und aus einem Klassenzimmer ein Cabaret, während er messerscharfe One-Liner abfeuert. Jamie kann zwar überdramatisch sein und nach Aufmerksamkeit lechzen (wie so mancher 16-Jährige), doch das wird durch Verletzlichkeit und Großzügigkeit ausbalanciert – so verliert er nie seinen Charme und seine Sympathie.
Während Jamie das Herz der Show ist, ist seine Mum Margaret ihre Seele – kraftvoll gespielt von Josie Walker. Mit Stärke und Feingefühl liefert sie einige der ganz großen Showstopper des Abends, allen voran die berührende Ballade He’s My Boy. Als emotionaler Ankerpunkt wird sie wunderbar ergänzt von Mina Anwar als schlagfertige beste Freundin Ray, die dank der funkelnd witzigen Dialoge viele der größten Lacher bekommt.
John McCrea (Jamie New) und Josie Walker (Margaret New) in Everybody's Talking About Jamie. Foto: Johan Persson
Unterstützt werden sie von Tamsin Carroll als Jamies stahlharter Lehrerin Miss Hedge, die für all jene steht, die ihm raten, lieber von etwas „Realistischem“ zu träumen – etwa einem Job als Gabelstaplerfahrer –, sowie von Lucie Shorthouse als Jamies bester Freundin Pritti Pasha. Comedian Phil Nichol wirkt zunächst ungewohnt zurückhaltend als der Yorkshireman Hugo Battersby, Besitzer der Drag-Boutique Victor’s Secret, doch er blüht überraschend auf, sobald er sich in sein fabelhaftes Alter Ego Loco Chanel verwandelt – ein starkes Gegenüber für Alex Anstey, James Gillan und Daniel Jacob als drei alte Hasen aus dem Drag-Zirkus.
Der Überschwang der Show verdankt sich auch der talentierten jungen Besetzung, die Jamies Mitschüler spielt und mit Kate Princes Choreografie unbändige Energie auf die Bühne bringt. Mit einer so souveränen Company unter Regisseur und Co-Autor Jonathan Butterell lässt die Inszenierung in Jamies Achterbahnfahrt – angetrieben von seinem unaufhaltsamen Drang, ganz er selbst zu sein – nie nach. Mit ihren Botschaften von Akzeptanz und Toleranz, nicht nur in Bezug auf sexuelle Identität, sondern auch auf Herkunft und Religion, ist sie ein echtes Wohlfühlmärchen für unsere Zeit. Eines ist klar: Über Jamie wird man noch lange sprechen.
Buchbar bis 21. April 2018.
TICKETS FÜR EVERYBODY'S TALKING ABOUT JAMIE BUCHEN
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