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KRITIK: Luce, Southwark Playhouse ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
danielcolemancooke
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Luce
Southwark Playhouse
11. März 2015
4 Sterne
Jetzt buchen In einer Zeit, in der Amokläufe an Schulen und amerikanischer Extremismus immer wieder in den Schlagzeilen sind, wirkt Luce im Southwark Playhouse wie eine willkommene Neuankunft.
Die Titelfigur, als Kind aus Afrika adoptiert, ist an seiner High School derjenige, der jeder gern wäre: Er glänzt sowohl auf dem Sportplatz als auch im Unterricht. Umso unglaublicher erscheint es, als Luce mit illegalem Feuerwerk erwischt wird und einen Schulaufsatz abgibt, der nur so strotzt vor Anspielungen auf gewalttätigen Terrorismus. Das führt zu Zusammenstößen zwischen seiner misstrauischen Lehrerin und seinen freundlichen, aber ungläubigen Eltern. Ist Luce wirklich der, der er zu sein vorgibt – oder steuert er auf die Selbstzerstörung zu?
JC Lees Text ist angenehm vieldeutig, umkreist die großen Fragen und liefert oft mehr Fragen als Antworten. Amokläufer werden häufig als Einzelgänger und Außenseiter dargestellt – umso erfrischender ist es, Luce als beliebten, sympathischen Jungen zu erleben, der vielleicht durch seine belastete, vom Krieg geprägte Vergangenheit und das Gewicht der Erwartungen, die auf ihm lasten, ins Böse getrieben wird.
Auch die Sprache bleibt durchgehend schillernd: Figuren sprechen immer wieder von „Missverständnissen“, und Ereignisse, die wir mit eigenen Augen sehen, werden durch die unterschiedlichen Deutungen der Beteiligten verunklart. Hinzu kommt ein rassischer Subtext: Luces schwarze Lehrerin Harriet möchte, dass er ein Vorbild für die Community ist, während bei seinen liberalen Adoptiveltern ein Hauch von „white guilt“ mitschwingt. Das ergibt einen fesselnden, wenn auch bisweilen etwas bedächtigen Theaterabend, der das Publikum bis zuletzt rätseln lässt.
Getragen wird das Ganze von einem hervorragenden Ensemble, angeführt von Martins Imhangbe als Luce. Eine großartige Leistung, die die manipulativen Seiten der Figur zeigt, aber auch ihre Fähigkeit, charmant und intelligent zu sein. Echte Soziopathen sind selten dumm (Regisseur Simon Dormandy verweist in seinen Programme Notes auf den angeblich charismatischen Boston-Bomber). In Natasha Gordons Harriet findet Luce ein brillantes Gegenüber: stählern und zugleich fesselnd in ihren Appellen an Luces bessere Seite.
Für den Großteil der komischen Entlastung sorgen Luces ahnungslose Eltern, die viel zu spät begreifen, was sich direkt vor ihnen abspielt. Nigel Whitmey liefert meine Lieblingsleistung des Abends als genervter Vater, während Mel Giedroyc als hoffnungslos vertrauende Mutter ihre schauspielerischen Qualitäten zeigt.
Es gibt zudem einen Nebenstrang um Luces Ex-Freundin Stephanie, der jedoch nicht wirklich ausgearbeitet wirkt und zur Haupthandlung wenig beiträgt. Dennoch wird die Rolle von Elizabeth Tan gut gespielt – herrlich verpeilt und zugleich verletzlich.
Dick Birds Bühnenbild ist schlicht, aber wirkungsvoll; ein großer Spiegel sorgt für zusätzliche Spannung. Das Ensemble sitzt im Zuschauerraum – an sich völlig in Ordnung, bringt aber auch ein Moment der Frustration mit sich, weil man weiß: Sobald eine Figur hinter die Bühne abgeht, wird sie vermutlich nicht mehr wirklich eingreifen.
Luce ist ein frischer und interessanter Blick auf amerikanischen Extremismus in der Ära nach dem 11. September. Voller Intrigen und Spannung bietet es einen nachdenklich stimmenden Theaterabend.
Luce läuft im Southwark Playhouse bis zum 2. April 2016. Jetzt buchen
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