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REZENSION: Dumbledore ist so schwul, Vault Festival 2020 ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
27. Februar 2020
Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht Robert Holtons Stück Dumbledore Is So Gay, das derzeit beim Vault Festival 2020 in The Vaults, London, zu sehen ist.
Dumbledore ist SO schwul!
Vaults Festival 2020
26. Februar 2020
4 Sterne
Robert Holtons witziges, wunderschönes und herzerwärmendes Stück taucht tief in die Welt von Harry Potter und seine Fan-Community ein. Voller Anspielungen, die der durchschnittliche Potter-Fan sofort erkennt: Jack hasst Französisch, wurde nach Hufflepuff einsortiert und ist in seinen besten Freund Ollie verliebt. Er hat allerdings eine Geheimwaffe: einen Zeitumkehrer, mit dem er in die Vergangenheit reisen und Ereignisse verändern kann. Also begleiten wir Jack, Ollie und ihre beste Freundin Gemma, während wir dieselben Stationen – von den Teenagerjahren bis in die frühen Zwanziger – gleich dreimal erleben. Was wird sich verändern?
Liebevoll gegenüber J.K. Rowlings Werk, verschlang das Publikum jede Potter-Anspielung und jeden Seitenhieb – doch die Stärke dieses Stücks ist, dass es Homophobie und das heftige Mobbing, dem Teenager ausgesetzt sind, nie ausweicht. Die drei Darsteller*innen funktionieren hervorragend als Team, und das Multi-Rolling ist exzellent und punktgenau. Alex Britt ist grandios als Jack; er hat eine Wärme und Offenheit, die das Publikum in seine Welt hineinzieht. Charlotte Dowding ist in einer Vielzahl von Rollen herausragend, aber ganz besonders geliebt habe ich ihre Französischlehrerin Madame Dubois, die sich als beeindruckende Diva entpuppt. Max Perry ist ebenso großartig als Ollie und in weiteren Rollen – von Jacks vor Nervosität stammelndem Vater bis zu einer ganzen Reihe von Aufrissen im Heaven. (Der legendäre schwule Club, nicht der mythische Ort ewiger Glückseligkeit. Oder … vielleicht doch?) Ich mochte die Bandbreite der Figuren sehr, und Old Norman wird zu einer Schlüsselfigur im Kampf für Gleichberechtigung – ein sensibles und wunderschönes dramaturgisches Mittel.
Tom Wrights straffe, spritzige Regie hält die Gags in hohem Tempo am Laufen, lässt dem Stück aber auch Raum, kurz innezuhalten, zu atmen und mit beachtlichem Gespür über Missbrauch und Pride zu reflektieren. Doch all das gründet in Holtons wunderbarem Text, der sich zu einem echten Aufruf zur Gleichberechtigung entwickelt. Der Zeitsprung-Kniff ermöglicht es ihm, mehrere Perspektiven auf Jacks Homosexualität zu zeigen – und so wie Dumbledore vielen isolierten jungen Menschen geholfen hat, sich stärker zu fühlen, verdient auch dieses Stück, vor einem möglichst breiten Publikum gespielt zu werden. Ein absoluter Glücksgriff – nicht verpassen!
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