NACHRICHTEN
REZENSION: Losing Days, New Town Theatre, Edinburgh Fringe ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Sam Underwood in Losing Days beim Edinburgh Fringe. Foto: Russ Rowland Losing Days
New Town Theatre,
Edinburgh Fringe
Vier Sterne
Der britische Schauspieler Sam Underwood hat sich in US-TV-Serien von Dexter bis The Following als ausgesprochen treffsicher darin erwiesen, psychisch angeschlagene Figuren zu spielen. Auch wenn er (hoffentlich) kein Soziopath ist, sind ihm Themen rund um mentale Gesundheit nicht fremd – und in seiner eigenen Show Losing Days erzählt er mutig davon, mit manischer Depression, also einer bipolaren Störung, zu leben, die mitunter an eine Psychose grenzt.
Er nimmt uns mit zurück in seine Kindheit in Woking, Surrey, und zu dem „Problem“ der Underwood-Männer – einschließlich seines Vaters –, über das die Familie eigentlich nie so richtig spricht. Wir sehen, wie sein früh ausgeprägtes Bedürfnis, sich als Performer „auszudrücken“, in seinen Zwanzigern zwangsläufig in etwas Komplexeres und Beängstigenderes hineinwächst. Wir erfahren von seiner Ehe mit Valorie Curry – seiner Kollegin aus The Following – und wie sie ihn unterstützt und in seinen dunkleren Phasen an seiner Seite geblieben ist. Und wir hören, wie er dazu kam, in einer betrunkenen Bühnenfassung des Films Hocus Pocus eine Katze zu spielen.
Sam betont, dies sei keine Leidensgeschichte – und dank seines ansteckenden Enthusiasmus und Charmes wird daraus eine positive Erzählung darüber, wie er seine Erkrankung annimmt und wie sehr sie immer zu ihm gehört hat. Die Show wird getragen von einem großartigen Live- Musikscore mit Songs des britischen Singer-Songwriters Frank Turner, entnommen seinem Album Tape Deck Heart von 2013. Gemeinsam mit dem Gitarristen Maks Kubiś gründet Sam die Band The Boxroom Larrys und haut gequälte, aber erhebende Songs raus, die zu seiner Geschichte perfekt passen – etwa das temporeiche Four Simple Words, das bewegende Recovery und das beschwingte Losing Days.
Das ist eine mutige Leistung – zumal Sam einräumt, dass in seiner Branche Menschen, insbesondere Männer, selten über ihre Probleme sprechen. Dabei wird deutlich, dass seine psychischen Herausforderungen ihn zu dem Mann gemacht haben, der er mit 30 ist, und ihn zugleich in einer Laufbahn vorangetrieben haben, in der er fürs „Ausdrücken“ bezahlt wird – zuletzt als Hauptdarsteller der erfolgreichen TV-Serie Fear the Walking Dead. Am Ende hat er gezeigt, dass er neben dem Schauspiel auch eine schöne Singstimme hat, Stepptanz kann sowie Keyboard und Gitarre spielt – manches davon hat er, getrieben von seinem Perfektionsanspruch, eigens für diese Show einfach selbst gelernt.
Spielzeit bis 27. August 2017
LOSING DAYS BEIM EDINBURGH FRINGE
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