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KRITIK: Fremde dazwischen, Trafalgar Studios 2 ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht Tommy Murphys großartiges Coming-of-Age-Stück Strangers In Between im Trafalgar Studios 2 und findet: absolut unverzichtbar.
Dan Hunter (Will), Roly Botha (Shane) und Stephen Connery-Brown (Peter) in Strangers In Between. Strangers in Between
Trafalgar Studios 2
12. Januar 2018
4 Sterne
Jetzt buchen Der zweite Transfer vom King’s Head Theatre ins Trafalgar Studios ist Tommy Murphys hinreißendes, witziges und mitreißendes Stück über einen jungen Mann in der Großstadt.
Shane ist jung, verzweifelt unschuldig und naiv und kommt aus dem tiefen Outback nach Sydney. Nervös, ständig auf der Hut vor Überfällen, Drogenkonsum, Prostitution und Gewalt in seiner Gegend, trägt er ein Erbe von Gewalt aus seinem Familienleben mit sich herum, das ihn verfolgt und heimsucht. Liebenswert, komisch und unschuldig, ist er zugleich anfällig für Ausbrüche verbaler Aggression und eine tief sitzende Homophobie. Die zeigt sich oft ausgerechnet in Momenten großer Zärtlichkeit mit anderen Männern: mit Will, seinem potenziellen Freund, der Shane leider eine Genitalwarzen-Infektion weitergibt, und mit Peter, einem älteren schwulen Mann, der sich mit dem jungen Shane anfreundet. Sie versuchen, sein Verhalten zu verstehen, stoßen ihn von sich, um sich selbst zu schützen – und als Shanes Bruder Ben auftaucht, beginnen wir zu begreifen, wovor Shane eigentlich davonläuft.
Roly Botha (Shane) und Dan Hunter (Will) in Strangers In Between
Das Stück ist von diesem Dreier-Ensemble wunderschön gespielt. Roly Botha ist als Shane herausragend und gewinnt uns mit seiner nervösen Energie und seinem unablässigen Geplapper sofort für sich. Seine Fragen an die anderen Männer sind zum Brüllen komisch – in einem Moment geht es um den Ursprung von Kleiderbügeln, im nächsten um Analsex. Seine Gewalt bricht mit entwaffnender Ehrlichkeit hervor, und wenn die Vergangenheit ans Licht kommt, bewältigt er das mit erschütternder, glaubwürdiger Wahrhaftigkeit. Ebenbürtig ist Stephen Connery-Browns hervorragende Darstellung des Peter: eine ältere Queen, weiser Ratgeber, der pointierte One-Liner mit großer Sicherheit serviert – dabei aber alles andere als naiv, sondern warmherzig und fürsorglich. Es ist ungemein wohltuend, eine Beziehung zwischen einem älteren und einem jüngeren schwulen Mann so sensibel zu sehen – als Freundschaft, nicht ausschließlich sexuell – und diese Verbindung ist wunderschön überzeugend. Dan Hunter komplettiert das Trio als Will, Shanes potenzieller Freund, und auch das ist eine starke Leistung – umso mehr, als Hunter zudem Ben spielt, Shanes machohaften Bruder: kantig und gewalttätig, zugleich aber fürsorglich. Der Kontrast zwischen beiden Rollen ist Schauspielkunst allererster Güte.
Roly Botha (Shane) und Dan Hunter (Will) in Strangers In Between
Sehr beeindruckt hat mich, wie ausgewogen die Wendung im zweiten Teil herausgearbeitet wird: Stimmung und Atmosphäre werden in Adam Spreadbury-Mahers punktgenauer Inszenierung brillant geführt, getragen von Becky-Dee Trevenens funktionalem, ausgezeichnetem Bühnenbild. Was in diesem Stück vor allem durchscheint, ist Zärtlichkeit – und diese Coming-of-Age-Geschichte bleibt unbeirrbar ehrlich über die Komplikationen des Lebens und darüber, wie wir darum ringen, der Vergangenheit und unseren Familien zu entkommen. Und sie ist außerdem durchgehend urkomisch! Bravo an das King’s Head Theatre für eine weitere erstklassige Produktion.
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