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KRITIK: Tell Me On A Sunday, Richmond Theatre (UK-Tour) ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Tell Me On A Sunday
Richmond Theatre (UK-Tour)
13. April 2016
4 Sterne
Tell Me On A Sunday ist die erste Zusammenarbeit von Don Black und Andrew Lloyd Webber. Später arbeiteten sie gemeinsam an Sunset Boulevard, doch dies war ihre erste Kooperation – und Lloyd Webbers erstes Ausprobieren eines anderen Texters nach Tim Rice. Tell Me On A Sunday wurde fürs Fernsehen adaptiert, wurde schliesslich zum ersten Teil von Song and Dance und ist von einer ganzen Reihe von Interpret*innen gespielt worden, die jeweils ihre ganz eigene Note in das Stück eingebracht haben.
Tell Me On A Sunday erzählt die Geschichte von Emma, einer alleinstehenden englischen jungen Frau, die nach New York aufbricht, um die Liebe zu finden. In einem Zyklus von gut zwanzig Songs erleben wir einen sehr englischen Blick auf das amerikanische Abenteuer. Gleichzeitig verfolgen wir Emmas scheinbar hoffnungslose Reihe gescheiterter Beziehungen mit Männern ganz unterschiedlicher Art. Ihr einziger Draht nach Hause ist eine Serie von Briefen an ihre Mum. Diese Briefe bilden das Rückgrat des Musicals: meist leichte, witzige Zeilen, die den unerschütterlichen Optimismus der Jugend zeigen.
Diesmal übernimmt Jodie Prenger die Rolle der Emma und verleiht dem Material eine spürbare emotionale Tiefe. Ich habe mehrere Versionen von Tell Me On A Sunday gesehen, und für mich hängt alles von der Ehrlichkeit der Darstellung ab. Man wird Darsteller*innen immer vergleichen – aber kann Prenger einen ganzen Abend zusammenhalten?
Die Antwort ist ganz klar: JA!
In dieser Produktion bringt Prenger diese Ehrlichkeit in Hülle und Fülle auf die Bühne und verzichtet auf vokale Akrobatik und grosse Diva-Gesten zugunsten emotionaler Wahrhaftigkeit. Es ist eine einschüchternde Aufgabe für jede*n, allein auf die Bühne zu treten und gute 70 Minuten zu tragen. Heute Abend kam Prenger heraus und zeigte sehr deutlich, dass sie eine beeindruckende Kraft im Musical Theatre ist.
Don Blacks Liedtexte nehmen kein Blatt vor den Mund. Emmas Erlebnisse würden manche Menschen aus der Bahn werfen, doch Black sorgt dafür, dass ihre Geschichte nie klein geredet oder ins Belanglose gezogen wird. Getragen von Andrew Lloyd Webbers herrlichen Melodien bietet Tell Me On A Sunday grossartiges Material von zwei Künstlern in Bestform.
Das Kreativteam scheint zu einer nahezu ursprünglichen Songliste zurückgekehrt zu sein – ergänzt um Ready Made Life und Dreams Never Run On Time – und lässt viele der Stücke weg, die für die frühere Inszenierung mit Denise Van Outen geschrieben wurden. Ein wenig schade ist, dass Unexpected Song an den Rand gedrängt wurde und erst in der zweiten Hälfte zu hören ist. Dennoch ist die aktuelle Zusammenstellung – mit ein paar kleinen Textanpassungen von Black – weiterhin in bestechender Form.
Das kleine musikalische Ensemble unter der Leitung von Peter McCarthy ist bestens aufgelegt. Es präsentiert Lloyd Webbers berauschende Partitur mit grosser Souveränität.
Für die meisten Darsteller*innen wäre das mehr als genug – doch Prenger kehrt im zweiten Akt zurück mit einer wunderbaren Interpretation von Secret Love, einem Duett mit ihrer Zweitbesetzung (Jodie Beth Meyer), die grossartig ist, sowie einer kurzen Frage-und-Antwort-Runde mit dem Publikum.
Alles in allem ist Tell Me On A Sunday eine wunderbare Art, einen Sonntagabend zu verbringen. Eine unprätentiöse, low-tech, hervorragend gespielte Unterhaltung, die über die Jahre nichts von ihrer Wirkung verloren hat.
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