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KRITIK: The Events, Mercury Theatre Colchester ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
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Die Besetzung von The Events. Foto: Robert Day
Mercury Theatre, Colchester.
6. Juni 2017
5 Sterne
The Events ist die Antwort des Dramatikers David Greig auf den Terroranschlag in Norwegen 2011, als ein rechtsextremer Attentäter auf einer Insel neunundsechzig Menschen ermordete, viele von ihnen junge Leute. In der Fiktion verarbeitet, ist das Stück erschreckend relevant – und da die Pressenacht nur wenige Tage nach den London-Bridge-Anschlägen stattfand, dürfte es noch viele Jahre aktuell bleiben. Nach dem One-Love-Konzert in Manchester untersucht das Stück jedoch auch die Heilung durch Musik.
Anna O'Grady und die Besetzung von The Events. Foto: Robert Day
Claire leitete einen Chor – ein multikulturelles, offenes und diverses, diskriminierungsfreies Zusammenkommen von Menschen, die gern singen und sich austauschen. Der Junge greift sie an und tötet viele von ihnen. In ihrer Genesung versucht Claire, eine Antwort auf die einzige Frage zu finden, die zählt: Warum? Die Wahrheit ist: Vielleicht werden wir es nie erfahren – wie der Junge sagt: „Scheiß passiert eben.“ Diese beispielhafte, herausragende Inszenierung führt das Publikum durch alle Facetten der Auseinandersetzung mit dem Grauen und schenkt am Ende eine wunderschöne Hoffnung.
Dan Sherers einfühlsame, ermutigende Regie hat dem Text viele originelle Akzente hinzugefügt, und ein wunderbarer Community-Chor unter der Leitung von Scott Gray liefert eine vokale Klangspur, die die Geschichte brillant trägt. Das ist keine reduzierte, probenhafte Präsentation wie am Young Vic: Nancy Kettles’ hervorragende Bewegungsarbeit hat dem Text zusätzliche Ebenen gegeben – besonders in einem Solo von Claire, das das Rennen sowie die Angst und das Entsetzen jenes Tages symbolisiert. Dass die Chormitglieder namentlich benannt werden und dem Publikum so nah sind, macht das Ganze noch eindringlicher.
Anna O'Grady und Josh Collins in The Events
Und dann sind da die zentralen Darstellungen – zwei der besten, die ich je am Mercury gesehen habe. Anna O’Grady gibt in der Rolle der Claire alles, führt uns durch jedes Gefühl, lebt jede Zeile – leidenschaftlich und vollkommen engagiert. Und Josh Collins ist schlicht außergewöhnlich: nicht nur als der Junge, sondern auch mit subtilen Rollenwechseln als rechtsextremer Politiker, als Vater des Jungen, als Priester und sogar als Claires Freundin. Die Intimität des Studio-Raums ist perfekt für dieses Stück: Der Junge geht durch die Reihen, und beide Schauspielenden sprechen und schauen uns direkt an. Es läuft einem eiskalt den Rücken hinunter – Schauspielkunst von allerfeinster Qualität.
Die Inszenierung ist von Matt Leventhall wunderschön ausgeleuchtet, dazu kommt eine unheimliche Klanglandschaft von Tom Wilson. Zunächst fragte ich mich, ob James Cotterills Bühnenbild für den Raum nicht etwas überwältigend sei – doch natürlich wird es im Verlauf des Stücks zum perfekten Symbol für Claires erstarrte Seele, von der sie glaubt, dass sie sie zum Zeitpunkt des Anschlags verlassen habe, bis der neue Chor im bewegenden Finale eintritt. Trotz des Stoffes betont diese schöne Produktion Zärtlichkeit und Heilung; tatsächlich ist Blurs „Tender“ einer der Schlüsselsongs. Perfektes Theater.
Bis 17. Juni 2017
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