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REZENSION: Sinatra - Der Mann und seine Musik, London Palladium ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Sinatra im London Palladium. Foto: Nobby Clark Sinatra – The Man And His Music
London Palladium
20. Juli 2015
4 Sterne
Tickets buchen Sinatra – The Man And His Music im London Palladium ist kein gewöhnliches West-End-Musical. Es ist tatsächlich ein ganz anderes Kaliber. Am treffendsten lässt es sich wohl als Multimedia-Spektakel beschreiben: Es nutzt Filmmaterial von Sinatras Auftritten aus seiner gesamten Karriere, kombiniert es mit einem Live-Orchester und ergänzt das Ganze um zwanzig Tänzer*innen – und schafft damit etwas wirklich Besonderes.
Regisseur David Gilmour und sein talentiertes Kreativteam haben etwas geschaffen, das teils Tribut, teils musikalische Performance ist – vor allem aber von großem Respekt für den Mann und sein enormes musikalisches Vermächtnis geprägt.
Als Künstler zählt Sinatra bis heute zu den meistverkauften Recording-Artists aller Zeiten: Mit weltweit über 150 Millionen verkauften Tonträgern. Er wirkte an mehr als 1.400 Aufnahmen mit und erhielt 31 Goldene, neun Platin-, drei Doppelplatin- und ein Dreifachplatin-Album; außerdem spielte er in über 60 Filmen.
Die Show nimmt einige der Klassiker des Crooners und ermöglicht dem Publikum mithilfe modernster Technik ein posthumes Konzerterlebnis, das seinesgleichen sucht.
Mit einem biografischen Ansatz werden die Zuschauer*innen auf einen kompakten Sinatra-Zeitstrahl mitgenommen – von seiner Geburt bis in die späteren Jahre. Bette Midler sprach auf ihrer jüngsten Tournee darüber, wie Songs im Lauf einer Karriere mit einer Sängerin oder einem Sänger „mitwachsen“ – und es besteht kein Zweifel, dass viele der berühmten Sinatra-Klassiker auch von seinen Lebenserfahrungen hätten handeln können. Mit Songwriter*innen und Texter*innen wie Cole Porter, Irving Kahal, Sammy Fain, Duke Ellington, Harold Arlen, Johnny Mercer, Sammy Cahn, Richard Rodgers, Lorenz Hart, Jerome Kern und Oscar Hammerstein II (um nur einige zu nennen) war Frank Sinatra beim Material mit dem Goldstandard gesegnet. Die für die Show zusammengestellte Setlist feuert Hit auf Hit ins Parkett. Fly Me To The Moon, Pennies From Heaven, I’ll Be Seeing You, I Got You Under My Skin, I Get A Kick Out Of You, The Lady Is A Tramp, My Funny Valentine und New York New York sind alle vertreten – und klingen frisch und so lebendig wie eh und je.
Wenn man die Aufnahmen von Sinatras Auftritten sieht, entsteht – besonders in einigen der frühen Schwarzweiß-Sequenzen, die direkt in die Kamera gespielt sind – der Eindruck, als hätte der große Mann diese Szenen gerade erst für dieses Konzert aufgenommen und richte seine Performance gezielt an das kombinierte Palladium-Publikum.
Zu den Darbietungen des Künstlers selbst kommt ein großartiges Orchester unter der Leitung von Dirigent Richard John. Mit Orchestrierungen und Arrangements von Gareth Valentine, Don Sebesky, David Pierce und Colin Skinner füllte das Palladium sich mit dem Klang einiger der größten Standards des vergangenen Jahrhunderts – in voller Pracht, gespielt mit makelloser Musikalität.
Die letzte Komponente von Sinatra auf der Bühne sind die zwanzig jungen Tänzer*innen, die hart arbeiten und nahezu die gesamte Vorstellung hindurch tanzen – wohl kaum irgendwo wirkungsvoller als im Tommy-Dorsey-Teil des ersten Akts. Alistair Postlethwaite, Amy Hollins, Anabel Kutay , Ashley Nottingham, Aston Newman Hannington, Bryony Laura Whitfield, Charis O’Connor, Faye Best, Francis Haugen, Gemma Whitelam, James Revell, Jamie Firth, Liam Paul Jennings, Lucy Banfield, Matt Holland, Niall Swords, Nicola Coates, Rachel Ensor, Christopher Black und Aaron James. Diese hervorragenden Tänzer*innen aus dem gesamten Vereinigten Königreich verbanden – mit Choreografie von GJD Choreography – den Tanz nahtlos mit den Video-Passagen der Produktion. Der einzige Moment, der mich etwas ratlos zurückließ, war die Präsentation von New York, New York, die vielleicht besser in die Vegas-Sequenzen gepasst hätte.
Die von 59 Productions gestaltete Video-Ebene holt aus Sinatras altem Filmmaterial das Maximum heraus, und Familien- sowie Karrierefotos werden zum Leben erweckt. Das ist eine außergewöhnliche Leistung, die der Show durchgehend glaubwürdige emotionale Wucht verleiht.
Man kommt nicht umhin zu denken, dass diese Produktion perfekt in einen der Showrooms in Las Vegas passen würde. Da so viel seiner Karriere mit Vegas verbunden ist, wäre die Produktion dort ein absoluter Kassenschlager.
Ich hatte das Glück, Frank Sinatra live zu sehen, als er mit The Main Event durch Australien tourte und an der Seite von Liza Minnelli und Sammy Davis Jnr. auftrat. Das war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde – diese Meister verstanden es, Publikum jeden Alters zu begeistern. Heute Abend im Zuschauerraum des Palladium war ich zwar beeindruckt von der technischen Seite dieser Produktion, noch mehr jedoch von dem grenzenlosen Respekt, der Sinatra als Künstler entgegengebracht wird, und von den Maßstäben, die er zu Lebzeiten als Performer setzte.
Beim Schlussapplaus der heutigen Pressenacht sprach Nancy Sinatra über das Motto ihres Vaters, man müsse „sich Mühe geben“ („make an effort“). Keine Frage: Es wurde ein enormer Aufwand betrieben, um diese Sinatra-Produktion auf die Bühne zu bringen.
Spread the news: Sinatra ist zurück!
TICKETS BUCHEN FÜR SINATRA – THE MAN AND HIS MUSIC IM LONDON PALLADIUM
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