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KRITIK: Exposure, St James Theatre ✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Michael Greco (Miles Mason) und David Albury (Jimmy). Foto: Pamela Raith Photography Exposure
St James Theatre
29. Juli 2016
1 Stern
Nicht jeder kann ein Musical schreiben. Es mag einfach aussehen, ist es aber nicht. Exposure, ein neues Musical, das derzeit im St James Theatre läuft, ist dafür ein Paradebeispiel. Wie viel Arbeit muss geleistet werden, bevor eine Produktion kommerziell auf die Bühne kommt – mit zahlendem Publikum? Die Antwort: deutlich mehr als hier. Schicke Bühnen-Gimmicks machen noch lange kein Musical.
Exposure ist die Idee von Autor, Komponist und Texter Mike Dyer – und über einem Dutzend weiterer namentlich genannter Mitautor*innen. Als zentrales Fundament dient die Faust-Geschichte: Erzählt wird von Jimmy, einem Fotografen, dessen Fotografen-Vater am Tag seiner Geburt ums Leben kommt. Es gibt ein bisschen "Erwachsenwerden", einen Freund, der zu Pop-Ruhm gelangt, eine Beziehung zu einem obdachlosen Mädchen und einen Celebrity-Promoter/Fixer, der an den Teufel erinnern soll – am Ende bleibt das alles jedoch erschreckend kraftlos. Insgesamt ist es unglaublich blass und zusammenhanglos.
Das Ensemble von Exposure. Foto: Pamela Raith Photography
Unter der Regie von Phil Willmott und dann – während der Previews – erneut inszeniert von Dyer (laut einem Hinweis im Programm), hat man das Gefühl, dass diesem Schiff kein Kapitän mit ausreichend Autorität vorstand, um es rechtzeitig vor dem Eisberg zu bewahren. Wer mich kennt, weiß: Ich esse, atme und lebe Musicals. Es liegt in meiner Natur, immer etwas Rettendes zu finden – aber in diesem Fall ist das Material selbst das Problem. Da ist einfach nichts.
Das ist natürlich nicht die Schuld der Besetzung. Sie ist der Grund, weshalb diese Show überhaupt einen Stern verdient – ohne sie würde man sie gar nicht bewerten. Auf der Bühne steht hier durchaus beachtliches Talent. Natalie Anderson als Tara, Kurt Kansley als Father, David Albury als Jimmy und das starke Ensemble verdienen besseres Material.
David Albury (Jimmy) und Natalie Anderson (Tara). Foto: Pamela Raith Photography
Besonders erwähnenswert sind auch Bühnen- und Videodesigner Timothy Bird, der Video-Projektionen sehr wirkungsvoll einsetzt, sowie Mark Collins und seine Band, die aus sehr wenig das Beste machen.
Exposure ist so farblos, dass es am Ende nicht einmal in die Liste der großen Flops aufgenommen wird – dieser Shows, die zwischen Brillanz und völliger Misere hin- und herpendeln. Für diesen Versuch gibt es schlicht nichts, was man empfehlen könnte.
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