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KRITIK: Anatevka, Broadway Cast-Aufnahme 2016 ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Anatevka
Broadway-Cast 2016
Broadway Records
Veröffentlichungsdatum: 18. März 2016
Ich bin sicher, ich bin nicht die einzige Person, die in einem Haushalt gross geworden ist, in dem das Originalalbum der Broadway-Besetzung (Vinyl) von Anatevka mit Zero Mostel neben My Fair Lady und Oklahoma! stand – und bei mir auch noch Brigadoon. Diese Cast-Alben auf Vinyl waren meine erste Begegnung mit dem Musical. Dort im K‑Tel-Select‑O‑Matic-Plattenständer war das Anatevka-Album mit der leuchtend orangefarbenen, Chagall-artigen Illustration auf dem Cover schon genug, um jedes neugierige Kind anzuziehen. Es rief förmlich danach, aufgelegt zu werden.
Die Musik von Anatevka mochte ich schon immer, aber erst in meinen späten Teenagerjahren begriff ich, wie unglaublich die Musik auf diesem Album eigentlich ist. Und wieder sollten Jahre vergehen, bis ich die Show tatsächlich einmal auf der Bühne sah – wenn auch in einer Produktion, an der ich selbst beteiligt war.
Jerry Bock, Sheldon Harnick und Joseph Stein nahmen die Werke von Scholem Alejchem und erschufen eine Welt im zaristischen Russland, in der Familie und Tradition alles bedeuten. Das Leben ist eine ständige Herausforderung für Tevje, den Milchmann. Er spricht mit Gott, ist Teil seiner Gemeinschaft und liebt seine Frau und seine Töchter so sehr, dass er mit Traditionen bricht, um ihr Glück zu sichern.
Ende letzten Jahres brachten Bartlett Sher und das Kreativteam, das South Pacific und The King And I zurück an den Broadway holte, auch eine neue Produktion von Anatevka zurück an den Great White Way.
In dieser neuen Anatevka-Produktion spielt der fünffach für den Tony nominierte Danny Burstein den Tevje, Jessica Hecht ist Golde.
Burstein klingt nach einem wunderbaren Tevje. Seine satten Bariton-Interpretationen des Klassikers If I Were A Rich Man wirken frisch und lebendig. Do You Love Me? mit Golde ist witzig und zugleich voller Verständnis – hier singt ein Paar, das einander in- und auswendig kennt, und genau das trägt diese Nummer. Anatevka lebt vom Humor und vom Drama rund um das Dorf Anatevka. Nummern wie The Rumour und To Life klingen grossartig; jede Szene wird farbenreich gemalt, und die Aufnahme beschwört sie mühelos im Kopf herauf. Zu meinen Lieblingsmomenten gehören die Passagen mit Tevje und seinen Töchtern – in dieser Aufnahme gesungen von Alexandra Silber, Samantha Massell, Melanie Moore, Jeny Rose Baker und Hayley Feinstein). Matchmaker, Far From The Home I Love und die Ballettsequenz Chavaleh sind auf dieser Aufnahme wunderschön eingefangen.
Musical Director Ted Sperling treibt sein Orchester mit 22 Musikerinnen und Musikern (JA, 22!) und das Ensemble durch Bocks Partitur und lässt sie nie durchhängen. Denn so wie Anatevka vom Leben erzählt, so lebt auch diese Cast-Aufnahme.
Ausserdem gibt es zwei Bonustracks. Der erste ist eine Variations- und Kadenz-Fassung mit Auszügen aus der Show von John Williams mit Itzhak Perlman. Der zweite ist der verworfene Song Dear Sweet Sewing Machine, gesungen von Motel.
Auch wenn ich klassische Broadway-Aufnahmen liebe, steht ausser Frage, dass moderne Aufnahmetechnik Broadway-Cast-Alben einen besonderen Kick verleiht. Mit einer starken Besetzung und einer guten Anlage springen die Figuren regelrecht aus den Lautsprechern. Wenn man halb um die Welt entfernt ist, ist das die nächstbeste Möglichkeit, dabei zu sein – und für den Broadway die perfekte Einladung, sich am Ende doch ein Ticket zu kaufen.
Diese Anatevka-Aufnahme wird so schnell nicht aus meiner Playlist verschwinden. Sie bleibt eine der grossartigsten Musical-Partituren, die je geschrieben wurden.
TICKETS FÜR ANATEVKA AM BROADWAY BUCHEN
https://youtu.be/kgt0tl3oExM
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