NACHRICHTEN
KRITIK: Ghost House, Pit, Vault Festival, London ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
Share
Mark Ludmon rezensiert Tristan Bernays’ zeitgenössische Geistergeschichte Ghost House beim VAULT Festival in London
Ghost House
Pit, VAULT Festival, London
Vier Sterne
Ein junger Mann stellt fest, dass sich die Vergangenheit nicht so leicht begraben lässt – in Tristan Bernays’ schaurigem neuen Stück Ghost House, das beim VAULT Festival seine Uraufführung erlebt. Er ist in ein atemberaubendes neues Apartment gezogen: ein Brutalismus-Kommunalbau der 1960er, der in Poplar im Osten Londons zu einem Luxus-Tower umgebaut wurde – mit spektakulärem Blick über die Stadt und LED-Lichtern in jedem Küchenschrank. Doch als in seinem scheinbar perfekten Leben erste Risse sichtbar werden, kriechen die Geister der Vergangenheit wieder hervor – trotz der aufpolierten, gentrifizierten Fassade aus Designer-Ausstattung und makellos cremeweissen Wänden.
Wie bei den besten Geistergeschichten ist nicht klar – und auch nicht entscheidend –, wie viel von dem Übernatürlichen real ist oder von einem beunruhigten Geist heraufbeschworen wird. In einer starken Solo-Performance von Victor Alli versucht der junge Mann, sich nach dem Tod seiner Mutter und einer schwierigen Trennung in ein neues Leben einzufinden. Es zeigt sich, dass er trotz eines steilen Jobs im Banking sozial unbeholfen ist und ihm enge Freunde fehlen – was ihn anfällig macht für alles, was unter der Oberfläche seines blitzsauberen neuen Zuhauses lauern könnte.
Sounddesigner David Gregory hat eine unheilvolle Klangkulisse aus knisterndem Rauschen und gedämpften Gesprächsfetzen geschaffen; Ryan Days flackerndes, pulsierendes Licht steigert auf Luke W Robsons Bühnenbild die unheimliche Atmosphäre. Doch Ghost House ist mehr als nur ein Gruselschocker – und ja, mir lief an einigen Stellen eindeutig ein Schauer über den Rücken. Das Stück fängt den Horror urbaner Isolation ein: von Millionen Menschen und Möglichkeiten umgeben zu sein und doch vollkommen allein. Es ist eine Welt, in der altes und neues London unbehaglich nebeneinander stehen; in der eng verbundene Communities durch Gentrifizierung zerstört werden und ehemalige Familienhäuser als Anlageobjekte leer stehen.
Unter der Regie von Andrew Twyman ist das ein straff getaktetes Stück, das sich langsam auf erschreckende Schrecken zubewegt – von Bernays’ Text messerscharf imaginiert. Stimmen, darunter die von Miriam Margolyes, übernehmen kleine, aber entscheidende Rollen; doch Allis souveränes Erzählen hält einen fest im Griff, während er uns in diese albtraumhafte Vision urbanen Lebens hineinzieht.
Läuft beim VAULT Festival bis 8. März 2020.
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie