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KRITIK: Gorgon - Eine Horrorgeschichte, Vault Festival 2020✭✭✭✭
Veröffentlicht am
6. Februar 2020
Von
markludmon
Mark Ludmon rezensiert Gorgon - A Horror Story, derzeit im Rahmen des Vault Festival 2020 in The Vaults, London.
Gorgon: A Horror Story Cavern, Vault Festival, London Vier Sterne Website des Vault Festival
Grand-Guignol trifft auf Hammer House of Horror – mit einem Hauch This Life – in Elf Lyons’ neuer Show Gorgon: A Horror Story. In der perfekten Kulisse eines der Gewölbe des Vault Festival entfaltet sie eine wahrhaft schaurige Geschichte und greift dabei auf ein ganzes Arsenal an Mitteln zurück: von Licht- und Soundeffekten bis hin zu unmittelbar packendem Erzählen. Das Ergebnis ist krank, abstoßend und so rabenschwarz komisch, wie es nur geht – und wird Fans des klassischen Horrors garantiert begeistern.
Geschickt gebaut, wird die Story in einzelnen, scheinbar losen Fragmenten erzählt, die am Ende raffiniert zusammengeführt werden. Ein Polizeibeamter schüttet einem Therapeuten sein Herz aus, eine Podcast-Moderatorin berichtet von ihrer neuesten True-Crime-Recherche, eine Forensikerin rekonstruiert einen blutigen Mehrfachmord. Und dazwischen springen wir immer wieder zu einer jungen Frau, Diana, die freundlich über ihr Leben plaudert – und über ihren beschissenen Tag, der sie richtig wütend gemacht hat. Trotz einer schwierigen Kindheit und dem mysteriösen Verschwinden ihrer Eltern setzt sie eine heitere Fassade auf, während sie sich mit einem kontrollierenden Freund, einer spießigen Mitbewohnerin und der Sorge um ihre vermisste Schwester Freya herumschlägt. In einer seltsamen Aufmachung aus braunen Fetzen und Maske gespielt, verleiht Lyons ihr eine mitfühlende Wärme und einen Charme, die selbst dann nicht bröckeln, wenn Diana von ihrer Liebe zur Präparation und ihren verschiedenen Techniken erzählt. Eine ganze Reihe weiterer Figuren wird von Natalie Williams und David Houston mit beeindruckender Wandlungsfähigkeit dargestellt (darunter Dianas toxischer Freund, der beunruhigenderweise nach einem Kritiker benannt ist: Tristram Saunders vom Telegraph).
Mit dem ausgefeilten Lichtdesign von Lesley Talbot und einer Klanglandschaft von Molly Isaac ist die verstörende Atmosphäre von Beginn an gesetzt. Dank des Bühnenbilds von Sophia Pardon wird das Publikum in diese Albtraumvision hineingezogen, umgeben von abgetrennten Köpfen und seltsam anmutenden Schaufensterpuppen. Zu den finsteren Freuden der Show gehören zudem live auf der Bühne erzeugte Foley-Effekte: Die Darsteller*innen recreieren Alltagsgeräusche – von Ausweiden bis Häuten.
Mit Erinnerungen an manche Exzesse der blutgetränkten Melodramen des berüchtigten Pariser Théâtre du Grand-Guignol ist diese Horrorgeschichte nichts für Zartbesaitete – wobei unklar blieb, ob das der Grund war, warum an dem Abend, als ich sie sah, ein Zuschauer in Ohnmacht fiel. Tatsächlich gibt es nur wenig echtes Blut und Gemetzel – das meiste Grauen entsteht in unserer Fantasie, heraufbeschworen durch Worte und Klang.
Im Vault Festival bis zum 9. Februar 2020.
WEBSITE DES VAULT FESTIVAL Siehe kommende Vault-Festival-Highlights
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