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KRITIK: Das Stück, das schiefgeht, Duchess Theatre ✭✭✭✭
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Von
douglasmayo
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The Play That Goes Wrong
Duchess Theatre
7. April 2015
4 Sterne
Ein Zuschauer wird auf die Bühne geholt, um zwei glücklosen Bühnentechnikern dabei zu helfen, die unmittelbar bevorstehende Aufführung der Cornley Polytechnic Drama Society von Murder At Haversham Manor vorzubereiten. Es ist zunächst eher harmloser Slapstick: Türen, die sich nicht öffnen lassen, Kaminsimse, die ständig herunterkrachen, und weitere leichte Albernheiten, die dem Publikum schon früh klarmachen, was es erwartet, sobald das Ganze richtig losgeht.
Das ist The Play That Goes Wrong, das seit letztem September im Duchess Theatre läuft. Rund acht Monate später wirkt es inzwischen fest etabliert – als langlebige Comedy-Sensation.
Ursprünglich als Einakter entwickelt – erdacht von Mitgliedern der Mischief Theatre Company – hat sich das Stück mittlerweile zu einem abendfüllenden Zweiteiler weiterentwickelt.
The Play That Goes Wrong wird von einer vielseitigen achtköpfigen Besetzung getragen, die alles gibt und genau die Energie auf die Bühne bringt, die es braucht, damit der Saal vor Lachen bebt.
Schon bei der Ansprache vor dem Vorhang durch den Regisseur der Show, gespielt von Leonard Cook, ist klar: Die Chancen, dass dies ein ganz gewöhnlicher Amateur-Krimi wird, stehen eher schlecht. Wir hören von Besetzungs-Pannen, die ihre Musical-Produktion von Cats aus der Bahn warfen, und von dem farbenblinden Designer, der ihre Aufführung von Joseph and the Amazing Technicolour Dreamcoat zum Entgleisen brachte – neben weiteren Beispielen.
Ab da geht es nur noch bergab. Das Drama beginnt – und schon nach kurzer Zeit läuft alles aus dem Ruder. Texte werden vergessen, das Spiel ist schrecklich, und die Bemühungen der Darsteller auf der Bühne gehen komplett aneinander vorbei, bis ein einziges katastrophales Durcheinander entsteht. Und doch: Es ist urkomisch.
Die Besetzung – Rob Falcolner, Greg Tannahill, Henry Lewis, Jonathan Sayer, Charlie Russell, Nancy Wallinger, Leonard Cook und Adam Byron – agiert als unglaublich geschlossenes Ensemble. Das ist rasante, kompromisslose Komik, und das Timing, das nötig ist, damit körperlicher Humor funktioniert, würde so manchen Profi-Comedian beschämen.
Wie bei The Mousetrap sind die Details des „Whodunit“ heilig – zum Glück könnte ich Ihnen ohnehin nicht verraten, wer’s war. Selbst wenn ich wollte: Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, über das brüllend komische Finale dieses herrlich unterhaltsamen Theaterabends zu lachen.
Abgesehen von der Besetzung gilt besondere Anerkennung dem Designer Nigel Hook. Hooks Bühnenbild muss im wahrsten Sinne als weiteres Ensemblemitglied gelten. Es wird zum Spielplatz für diese unglückselige Truppe – und seine Mechanik treibt einen Großteil des Abends an, während das Publikum vor Lachen beinahe zusammenbricht, wenn alles von schlimm zu schlimmer gerät. Schauen Sie genau hin: In diesem Set stecken unzählige Tricks, die Sie staunen lassen.
The Play That Goes Wrong überzieht den Witz an manchen Stellen ein wenig, aber ein grandioser zweiter Akt brachte bei unserer Vorstellung den voll besetzten Saal dazu, nach mehr zu johlen.
Es ist einfach schön, eine Produktion zu sehen, die schon eine Weile läuft – mit einem zahlenden Publikum statt der üblichen Premieren- und Pressenacht-Atmosphäre, in der wir Aufführungen sonst oft erleben. The Play That Goes Wrong wirkt frisch, lebendig, und das Publikum hat sichtlich genauso viel Freude daran, als hätte es erst letzte Woche Premiere gefeiert. Gerade wurde bekannt gegeben, dass die Spielzeit bis ins Jahr 2016 verlängert wird – es gibt also keine Ausrede, diese großartige Komödie zu verpassen. Manche von uns werden sogar mehrfach hingehen.
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