NACHRICHTEN
REZENSION: The Woods, Royal Court Theatre ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
Share
Mark Ludmon rezensiert Robert Alan Evans’ Stück The Woods mit Lesley Sharp am Royal Court Theatre.
Lesley Sharp in The Woods. Foto: Manuel Harlan The Woods Jerwood Theatre Upstairs, Royal Court, London
Drei Sterne
Mit seinen Düften nach Holz und Rauch zieht dich Robert Alan Evans’ neues Stück The Woods hinein in die verstörende Welt einer Frau, die sich einem unbekannten Schrecken aus ihrer Vergangenheit stellen muss. Vorab gab es kaum Informationen zur Produktion – ausser, dass es um eine Hütte im Wald mit einem Jungen, einer Frau und „ihrem Wolf“ geht – und über weite Strecken seiner 85 Minuten ist das eine verwirrende, beunruhigende Fahrt, bei der man sicher sein kann: Nichts ist, wie es scheint.
Lesley Sharp und Finn Bennett in The Woods. Foto: Manuel Harlan
Unter der Regie von Lucy Morrison und mit dem Bühnenbild von Naomi Dawson wurde der Raum im Jerwood Theatre Upstairs in einen Wald verwandelt – Baumstämme ragen bis unter die Decke, Rinde splittert unter den Füssen. Da ist tatsächlich eine heruntergekommene Hütte, in der eine Frau, nur in einem schmutzigen geblümten Nachthemd, versucht, sich um einen Teenager zu kümmern, den sie im Schnee gefunden hat. Doch hoch oben an einer Seite erscheint kurz eine weitere Szene – eine schicke moderne Küche mit einem Babyphone auf der Arbeitsfläche – und deutet die Wahrheit hinter dieser wilden Frau im Wald und dem rätselhaften, wolfsähnlichen Mann an, der immer wieder auftaucht, um sie zu verhöhnen und hinters Licht zu führen.
Tom Mothersdale und Lesley Sharp in The Woods. Foto: Manuel Harlan
Es wirkt postapokalyptisch – doch die Apokalypse ist eine ganz persönliche für die Frau, deren Namen wir nie erfahren. In einer faszinierenden Darstellung spielt Lesley Sharp sie mit gequälter Körperlichkeit: Sie heult, windet sich und ist ständig in Bewegung, um den Schmerz spürbar zu machen, der sie an diesen dunklen Ort getrieben hat. So intensiv und fesselnd Sharps Spiel auch ist, fällt es schwer, eine Verbindung zur emotionalen Wahrheit dieses Schmerzes aufzubauen. So wie die Frau in den Wald geflohen ist, um dem Geschehenen auszuweichen, werden auch wir auf Abstand gehalten – selbst dann, wenn sie den Schrecken am Ende endlich ausspricht und sich ihm stellt. Wie ein Märchenwolf ist Tom Mothersdale unheimlich und zugleich charmant als ihr häufiger Besucher; in einer Reihe von Rollen setzt er willkommene Humor-Tupfer, die das Unbehagen nur noch verstärken. Im Theater darf – und soll – man sich oft verunsichert und aus dem Gleichgewicht gebracht fühlen, und The Woods treibt das auf die Spitze: Es testet die Geduld des Publikums mit einem Stück, das sich so weit von naturalistischer Wirklichkeit entfernt.
Spielzeit bis 20. Oktober 2018
JETZT TICKETS FÜR THE WOODS BUCHEN
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie