NACHRICHTEN
KRITIK: Thebes Land, Arcola Theatre ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Thebes Land
Arcola Theatre
5. Dezember 2016
Fünf Sterne
Auf den ersten Seiten des Programmhefts und des Textes zu Thebes Land gibt es eine Warnung an das Publikum, man solle „dieses Buch jetzt schließen und es erst wieder öffnen, nachdem Sie die Vorstellung gesehen haben“. Diesem Rat zu folgen lohnt sich, um die verspielten Wendungen voll auszukosten, die dieses wunderbar desorientierende Theatererlebnis ausmachen.
Es ist schwierig, über das Stück im Detail zu sprechen, ohne das Erlebnis zu verderben. Auf einer Ebene untersucht es das Thema Vatermord: Der Autor „T“ recherchiert über Martin, der im Belmarsh-Gefängnis im Südosten Londons eine Haftstrafe verbüßt, weil er seinen gewalttätigen Vater brutal ermordet hat. Der unmittelbare Schrecken seiner Geschichte steht im Kontrast zur überintellektualisierenden Suche des Autors auf der Bühne nach tieferem Sinn – mit Anspielungen etwa auf Dostojewskis Die Brüder Karamasow und den berühmtesten Vatermörder, Ödipus, dessen griechische Heimat dem Stück den Titel gibt.
Doch Thebes Land ist auch eine Auseinandersetzung damit, wie reale Leben für Kunst und Unterhaltung adaptiert werden. Auf kluge Weise verwischt es die Grenze zwischen Wirklichkeit und dem, was wir auf der Bühne sehen – beunruhigend und so, dass man am Ende das Theatererlebnis selbst hinterfragt.
Trevor White als „T“ und der bemerkenswerte Alex Austin sind faszinierend und ziehen das Publikum in die wechselnden Realitäten des Dramas hinein. Das eindrucksvolle Bühnenbild von Jemima Robinson ist ein Basketballfeld in einem „großen Schutzkäfig“, darüber Bildschirme mit CCTV-Aufnahmen der Bühne – angeblich aus der Notwendigkeit heraus, den Vorgaben des Home Office zu entsprechen, wenn der echte Martin anwesend ist.
Daniel Goodman führt präzise Regie; er hat die Inszenierung nach Tebas Land des franco-uruguayischen Dramatikers Sergio Blanco adaptiert. Das Stück lief bereits in acht weiteren Ländern weltweit vor ausverkauftem Haus und bringt diesen aufregenden Autor durch eine Kooperation mit dem CASA Latin American Theatre Festival ins Vereinigte Königreich. Am Premierenabend schloss sich jemand, der als Sergio Blanco vorgestellt wurde, dem Schlussapplaus an – doch da waren unsere Köpfe schon so sehr verdreht, dass wir nicht mehr sicher waren, was wir glauben sollten.
Zu sehen bis 23. Dezember
Fotos: Alex Brenner
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