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KRITIK: 46 Beacon, Trafalgar Studios 2 ✭✭✭
Veröffentlicht am
11. April 2017
Von
pauldavies
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Jay Taylor (Robert) und Olivier Coopersmith (Alan) in 46 Beacon
Trafalgar Studios
10. April 2017
3 Sterne
Bill Rosenfields Stück spielt 1970 in einem Zimmer in der Beacon Street, Boston (Massachusetts). Auf charmante Weise zeigt das Stück eine Begegnung zwischen Robert, einem selbstbewussten britischen Schauspieler, der für ein Engagement an einem örtlichen Theater in der Stadt ist, und Alan, einem jungen Mann, der kurz davorsteht, sich zu outen. Rosenfield hat das Stück auf seine eigene Erfahrung einer solchen Nacht gestützt – und die Zeit wird sowohl im Text als auch in Ruth Halls Bühnenbild perfekt eingefangen. Die Intimität des Trafalgar Studio Two verstärkt die Behaglichkeit des Abends; insgesamt ist es eine zarte Begegnung, die für beide Männer von enormer Bedeutung ist.
V. l. n. r.: Oliver Coopersmith und Jay Taylor in 46 Beacon.
Als Robert ist Jay Taylor wunderbar souverän – kein überheblicher Schauspieler, sondern jemand, der den Abend im Griff hat, Alan behutsam und liebevoll verführt und dabei nicht nur einen perfekten Körper zeigt, sondern auch Roberts unsichere Beziehung sowie seine Schutzmechanismen offenlegt. Ihm ebenbürtig ist Oliver Coopersmith als Alan: fein gezeichnet unsicher, schüchtern, in Verdrängung, unschuldig – und doch lässt er sich auf diese lebensverändernde Nacht mit dem älteren Mann ein. Beide Darbietungen sind herrlich nuanciert und holen mit einigen wirkungsvollen One-Linern, perfekt getimt, große Lacher heraus. Alexander Lass’ sensible Regie lässt die Nacht in ruhigem Tempo entfalten. Die Tonwechsel gelingen ausgezeichnet – und es gibt auch ein paar gelungene Theaterwitze, die das Insider-Publikum besonders freuen dürften!
Jay Taylor als Robert in 46 Beacon.
Im einleitenden Monolog spricht Robert aus der Gegenwart zum Publikum und verortet das Stück im Jahr 1970, mit Verweisen unter anderem auf Sondheims Company und The Boys in the Band sowie weitere kulturelle Schlaglichter. Das Stück wirkt wie ein süßer Gegenpol zu The Boys in the Band – ohne den Selbsthass und die Boshaftigkeit, die dort so deutlich zutage treten. 46 Beacon ist ein zartes, liebevolles Stück über eine Begegnung, die einen an das eigene „erste Mal“ denken lassen kann; genau darin liegt aber auch die Schwäche des Textes. Es gibt wenig Drama, und es werden kaum dramatische Einsätze aufgebaut – weshalb es sich schwer tun könnte, im Kanon des queeren Dramas dauerhaft in Erinnerung zu bleiben. Gleichzeitig ist genau das auch seine Stärke: die schönen schauspielerischen Leistungen und die selbstreflexive Haltung.
Bis 29. April 2017
Fotos: Pete Le May
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