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REZENSION: Dirty Great Love Story, Arts Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
alexaterry
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Felix Scott und Ayesha Antoine in Dirty Great Love Story Dirty Great Love Story
Arts Theatre London
25. Januar 2017
4 Sterne
Ich gehöre normalerweise zu den Menschen, die bei einem witzigen Buch, einer Komödie oder einem cleveren Spruch eher ein leises Kichern mit geschlossenem Mund von sich geben – doch Richard Marsh und Katie Bonnas herrlich erfrischendes „Dirty Great Love Story“ hat mich laut und herzlich „ha-ha“ lachen lassen. Was als zehnminütiger poetischer Dialog begann, ist inzwischen eine 75-minütige, zweihändig gespielte Reim-Romcom geworden – mit geschmeidig-fantasievoller Erzählkunst und vor allem innovativem, klugem Text.
Felix Scott und Ayesha Antoine in Dirty Great Story.
Richard und Katies Körper prallen eines Nachts aufeinander, nachdem sie sich in einem Club begegnen – er unterwegs mit einem Junggesellenabschied, sie mit einem Junggesellinnenabschied. Katie (Ayesha Antoine), eine festivalbegeisterte, weizenfrei essende Single-Frau, kuriert noch immer ihr gebrochenes Herz nach der Trennung von „Du-weißt-schon-wem“ und hält die unbeholfene Begegnung für nichts weiter als einen weiteren One-Night-Stand – während der nerdige Richard (Felix Scott), ein verzweifelter, speckliebender Romantiker, durch seine rosarote Brille bereits eine Zukunft mit Katie sieht. Mit schmutzigen Flüchen und noch schmutzigeren Versen wird uns eine Liebesgeschichte erzählt, die für das Ohr wirklich elektrisierend ist – von betrunkenen Tanzmomenten an der Bushaltestelle über geklaute Frühstücke bis hin zu mutigen Wagnissen.
Ayesha Antoine und Felix Scott in Dirty Great Love Story
Ayesha Antoine und Felix Scott sind überzeugende, dialogisch erzählende Storyteller – und wirken dabei sichtbar unbeeindruckt von der enormen Aufgabe, eine Geschichte fast vollständig in Reimen zu vermitteln, mit kaum Spielraum für Improvisation, falls einem einmal komplett der Faden reißt. Antoine wie Scott sind vielseitige Darsteller*innen: Wir erleben sie im Wechsel von den Protagonist*innen (benannt nach den beiden Autor*innen) hin zu Nebenfiguren wie Katies nasaler bester Freundin CC und Richards etwas begriffsstutzigem Kumpel Westy. Von Beginn an fühlt man sich als Teil ihrer Freundeskreise – denn sie durchbrechen immer wieder die vierte Wand und sprechen uns direkt an, als wären wir seit Jahren befreundet und würden uns auf einen Gin & Tonic treffen. Mit Unterstützung von Pia Furtados Regie bringen Antoine und Scott die Figuren und Situationen, die Marsh und Bonna in ihren Versen zeichnen, lebendig auf die Bühne – ganz ohne visuelle Hilfe durch ständige Kostüm- oder Bühnenbildwechsel. Camilla Clarkes Bühnenbild ist minimalistisch, aber wirkungsvoll: Lichterketten, ein Gartenschirm und zwei Hocker reichen aus und lassen uns auf das hervorstechendste Element konzentrieren – den Text.
Felix Scott und Ayesha Antoine in Dirty Great Story.
Richard Marsh und Katie Bonna sind zweifellos begabte Poet*innen, die ein unkonventionelles, angenehm schlankes Stück geschaffen haben, das mich gleichermaßen amüsiert und begeistert hat. „Dirty Great Love Story“ ist ein Wortauflauf, gewürzt mit Fantasie und nur mit einem Hauch Klischee beträufelt. Die Geschichte eines unbeholfenen One-Night-Stands, der in romantische Verwicklungen mündet, ist nicht das originellste Konzept, und das Ende lässt sich schon ab dem ersten Reimpaar erahnen – doch „Dirty Great Love Story“ ist warmherzig und so einfallsreich erzählt, dass es kaum überrascht, welchen Erfolg es hatte: mit einem Fringe First Award für neues Schreiben. Mit Bridget-Jones-Untertönen und dem quicklebendigen Spiel von Ayesha Antoine und Felix Scott kann man sich der poetischen Komik nur schwer entziehen. Und suchen wir nicht alle nach dieser einen Person – oder halten an ihr fest –, die uns für all unsere Eigenheiten und Vorzüge liebt?
Also: Stellt „Notting Hill“ wieder zurück ins Regal und markiert eure Shelley- und Keats-Ausgabe. Stattdessen: auf ins Arts Theatre , um „Dirty Great Love Story“ zu sehen – zu sehen bis zum 18. März 2017.
Fotos: Richard Davenport für The Other Richard
Felix Scott und Ayesha Antoine in Dirty Great Love Story
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