NACHRICHTEN
REZENSION: Taj Express, Peacock Theatre ✭✭✭
Veröffentlicht am
17. Juni 2017
Von
julianeaves
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Taj Express
Peacock Theatre,
14. Juni 2017
3 Sterne
Wenn Sie letztes Jahr das grandiose „Beyond Bollywood“ im Palladium verpasst haben, könnten Sie durchaus schlechter dran sein, als sich dieses einfachere, bescheidenere Angebot aus dem Hause Merchant anzusehen (Vaibhavi, Choreografie, und Shruti, Regie und Produktion, mit Pranav als Executive Producer, sowie Musik von Salim und Sulaiman Merchant) – tief unten am Kingsway. Nein, an den Branchenprimus reicht es in Sachen Drama, Musik, Choreografie oder Inszenierung nicht heran, aber Toby Goughs bodenständiges Buch serviert ein revueartiges Panorama populärer indischer Tanzstile – und bleibt dabei ganz in der Familie. Zusätzlich gibt es „Assistant Choreography“ von Rajitdev Easwardas, Deepak Singh, Tejaswi Shetty, Pratik Utekar und Rahul Shetty.
Es gibt einfache Projektionen und einige deutlich ausgefeiltere Lichtdesigns von Miguel Angel Fernandez, dazu sorgt Alessio Comuzzi für den Sound. Angesichts der offensichtlichen Nähe der Show zur indischen Filmindustrie überrascht es nicht, dass sehr viel Playback zum Einsatz kommt – Stimmen scheinen aus allen Richtungen zu kommen, nur nicht aus der Richtung der Person auf der Bühne, deren Lippen sich bewegen. Nun ja. Budget-Showbusiness, nehme ich an. Live-Improvisation gibt es von Prathamesh Kandalkar (Percussion) und Avadooth Phadke (Flöte) sowie vom angehenden Stand-up-Comedian Chandan Raina (E-Gitarre) – das hilft zumindest ein wenig, das Ungleichgewicht auszugleichen.
Allerdings sind die Parallelen in der Handlung zu „Beyond Bollywood“ mitunter auffällig: Auch hier gibt es eine Tournee, eine Reise durch den Subkontinent, auf der Suche nach der facettenreichen Welt von Tanz und Musik. Während das in der Argyll Street noch geschickt gelöst war – jede Station markierte einen sehr deutlich charakterisierten Wechsel des Bühnenbilds –, wirkt hier jede neue Musiknummer zunehmend wie die vorherige und entfernt uns immer weiter von einem echten Verständnis für den Geist, der die Show antreibt. Möglicherweise ist das Fehlen einer zentralen emotionalen Beziehung das grösste Hindernis auf dieser Reise. Die Dialoge kommentieren die Situation, schaffen es jedoch nicht, sie wirklich lebendig werden zu lassen; auch strukturell läuft es nicht besser, denn Gough profilierte sich hier nicht als Meister der theatralen Konstruktion.
In den Hauptrollen strahlen Mikhail Sen, Hiten Shah, Tanvi Patil und Denzil Smith Vitalität und den Wunsch zu gefallen aus – doch ihre Bedürfnisse sind so weit von Alltagserfahrungen entfernt, dass es schwerfällt, grosse Begeisterung für ihre privilegierten Leben und abgehobenen Anliegen aufzubringen. Das Ensemble setzt seine Moves stets sauber um und ist schick, wenn auch nicht üppig, gekleidet.
Die fehlenden spektakulären Momente und eine zugänglich einfache menschliche Geschichte im Kern stehen der Show dabei im Weg, mit jemandem ausser eingefleischten Fans des Genres wirklich zu verbinden. Am Premierenabend der Presse waren genügend von ihnen da, um für eine ordentliche Stimmung zu sorgen – ob sich diese Atmosphäre durch den restlichen Spielzeitraum trägt, bleibt abzuwarten.
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