NACHRICHTEN
BEWERTUNG: Untreu, Found111 ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
sophieadnitt
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Sean Campion, Niamh Cusack, Ruta Gedmintas und Matthew Lewis in Unfaithful. Foto: Marc Brenner Unfaithful Found111
31. August 2016
Drei Sterne
Tickets buchen Wir steigen in einen Streit zwischen Joan (Niamh Cusack) und ihrem Ehemann Tom (Sean Campion) ein. Nach drei Jahrzehnten Ehe ist Tom nach Hause zurückgekehrt und gesteht, dass er mit einer anderen Frau geschlafen hat. Zunächst will Joan wissen, warum. Dann beschliesst sie, Rache zu nehmen. Derweil ringt der männliche Escort Pete (Matthew Lewis) damit, sich seiner Freundin Tara (Ruta Gedmintas) zu öffnen. Im Verlauf der Zeit legt Unfaithful in diesem rabenschwarzen, komischen Drama die Verbindungen zwischen den beiden Paaren offen.
Owen McCaffertys desorientierendes Vier-Personen-Stück wirkt oft, als würde es sich im Kreis drehen und unnötigerweise bereits Gesagtes wiederkäuen. McCaffertys offensichtlicher Wille, sein Publikum zu schockieren, ermüdet schnell; die mit Kraftausdrücken durchsetzten Dialogpassagen sind am Ende kaum eindringlicher als Hintergrundrauschen. In den leiseren Momenten jedoch glänzt der Text: Hier zeigt sich eine rohe, menschliche Ehrlichkeit. Das Stück streift – wenn auch nur ganz kurz – die Frage, was es heisst, lebendig zu sein, doch auch dieses Gefühl bleibt letztlich unerfüllt. Vielleicht soll das den Mangel an Erfüllung in Joans und Toms Ehe spiegeln, am Ende führt es jedoch zu einer frustrierenden Dramaturgie.
Sean Campion und Niamh Cusack in Unfaithful. Foto: Marc Brenner
Da die Bühne in der Mitte des Raums liegt, stehen die vier Figuren – die scheinbar ihren Kick daraus ziehen, einander komplett schrecklich zu behandeln – unter unmittelbarer Beobachtung des Publikums, das auf beiden Seiten sitzt. Die Enge und klaustrophobische Atmosphäre des Found111 verwandeln den Spielort in einen Schnellkochtopf, wobei die Augusthitze die Spannungen zusätzlich anheizt. Karges Licht und ein schlichtes Bühnenbild – ein Doppelbett und eine Spiegelwand, an der Joan sich insbesondere still selbst zu stellen scheint – sorgen dafür, dass die schauspielerischen Leistungen im Mittelpunkt stehen. Hier liegen die grössten Stärken dieser Produktion.
Niamh Cusack packt das Stück mit festem Griff am Nacken und lässt bis zum Schluss nicht locker. Ihr Text ist ein regelrechter Tsunami aus Worten, der aus ihr herausbricht, als könne sie ihn nicht kontrollieren; ihr scharfes, säurehaltiges Spiel fesselt so sehr, dass man an jedem Satz hängt. Sean Campion hält als Bühnen-Ehemann Tom mühelos dagegen – überzeugend und beinahe bemitleidenswert. Gemeinsam liefern die beiden eine echte Meisterklasse in kraftvollem, unbequemen Spiel und zeigen die hässliche, verstörende Seite einer Beziehung, die gekippt ist.
Matthew Lewis und Niamh Cusack in Unfaithful. Foto: Marc Brenner
Ruta Gedmintas gibt als launische, unsichere Tara eine vielschichtige Darstellung, doch ihre Beziehung zu Matthew Lewis als Pete bekommt nie genug Zeit, um sich vollständig zu entfalten. Diese Handlungslinie wirkt unvollendet – obwohl beide Darsteller ihre Rollen vollständig ausfüllen.
Lob gebührt Adam Penford, der dieses kurze Stück mutig und mit grosser Souveränität inszeniert und alle Beteiligten bis in die letzten Momente hinein unter Hochspannung hält. Der Abend rast ohne Atempause durch die 70 Minuten Spielzeit und entlässt das Publikum an seinem abrupten Ende leicht benommen.
Nach einem derart explosiven Auftakt hinterlässt das überraschend gedämpfte Ende von Unfaithful sein Publikum unbefriedigt und mit vielen Fragen. So sehr Cusacks und Campions Leistungen auch zu würdigen sind – das Stück selbst wirkt unausgereift und betritt erzählerisch kein Neuland. Obwohl es erst vor ein paar Jahren uraufgeführt wurde, fühlt sich Unfaithful schon jetzt etwas aus der Zeit gefallen an.
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