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REZENSION: Whistleblower, Waterloo East Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

13. Februar 2016

Von

danielcolemancooke

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Die Besetzung von Whistleblower. Foto: Miles Elliot

Waterloo East Theatre

10. Februar

3 Sterne

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Nur wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens polarisieren so sehr wie der ehemalige NSA-Whistleblower Edward Snowden. Für die einen ist er ein ethisch motivierter Held, der sein komfortables Leben aufgab, um für das Richtige einzustehen. Für die anderen ist er ein Verräter, der Staatsgeheimnisse preisgab und damit die nationale Sicherheit gefährdete.

Als jemand, der bis vor Kurzem noch unentschlossen war, habe ich die Gelegenheit sofort ergriffen, Whistleblower zu sehen – ein Stück, das Leben und Karriere des Mannes nachzeichnet, der 2013 weltweit für Aufruhr sorgte.

Das Stück beleuchtet seine Zeit beim Militär, als er sich meldete, um am Irakkrieg teilzunehmen, ebenso wie seine verschiedenen Stationen weltweit bei CIA und NSA. Es widmet sich den Tagen vor den Enthüllungen sehr ausführlich und zeigt die Rolle von Journalist*innen, Politiker*innen, Tech-Unternehmen und Sicherheitsverantwortlichen, die hektisch versuchten, die Wahrheit aufzudecken – oder zu verbergen.

Christopher Wharton, Ruari Cannon und Matthew McFetridge in Whistleblower. Foto: Miles Elliot

Die wahre Geschichte ist derart fesselnd, dass es nicht überrascht, wie packend und gnadenlos temporeich das Skript ist. Es springt rasant zwischen Schauplätzen, führt neue Figuren ein und schafft es dennoch, einige knifflige Konzepte ganz selbstverständlich zu erklären.

Allerdings gibt es Momente, in denen die Inszenierung so stark ins Surreale abdriftet, dass es sich wie ein völlig anderes Stück anfühlt. Ob ein unnötiger Song (Somewhere Over the Rainbow wurde zweimal gesungen), das Durchbrechen der vierten Wand oder eine ausgesprochen verwirrende Szene im Flugzeug – all das nahm der Geschichte ihre natürliche Intensität und ließ die Produktion stellenweise zerrissen wirken.

Das Stück ist wirkungsvoll darin, Snowdens inneren Konflikt und die erschreckende Ausweitung von Befugnissen zu zeigen, die in so vielen NSA-Programmen steckte. Dennoch bleiben einige Themen frustrierend unerforscht. Wie fühlte sich Snowden, der gegen staatliche Willkür argumentierte, während er in dem illiberalen Russland festsaß? Und welche Manöver standen hinter den verschiedenen Asylanträgen, die am Ende abgelehnt wurden?

Die Besetzung von Whistleblower. Foto: Miles Elliot

Whistleblower gelingt es insgesamt, ein ausgewogenes Bild von Snowden zu zeichnen – es zeigt seine unbeholfenen Eigenheiten und das angespannte Verhältnis zu seinen Angehörigen. Bis etwa zehn Minuten vor Schluss, als sich der Ton verschob und das Stück geradezu predigend wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar längst entschieden, dass ich nicht zum „Snowden-Bashing“-Lager gehöre, doch es war schade, ein Stück über persönliche Freiheiten mit einer so belehrenden Note zu beenden.

Ruari Cannon, der die Hauptrolle spielt, sah Snowden verblüffend ähnlich – als wäre er geradewegs in den Raum gekommen. Das war eine solide, vielschichtige Darstellung einer ebenso komplexen Figur: unbeholfen und nervös, zugleich aber mit jener Härte und Tapferkeit, die Snowden zeigte, wenn es darauf ankam.

Alessandro Babalola, Delianne Forget, Cordelia O'Neill, Philip Scott-Wallace in Whistleblower. Foto: Miles Elliot

Das Ensemble wechselte so häufig und übernahm so viele Rollen, dass es schwerfällt, Einzelne hervorzuheben. Doch Matthew McFetridge als Snowdens NSA-Vorgesetzter und Ella Road als seine langmütige Freundin überzeugten beide. Ebenfalls stark: Cory Peterson als Snowdens Vater (trotz eines zum Fremdschämen schlechten schottischen Akzents in seiner letzten Rolle als Journalist Evan MacAskill).

Die Regie von Eloise Lally setzte auf eine clevere, fiebrige Bühnensprache: Wenn die Darsteller*innen nicht gerade spielten, saßen sie an Schreibtischen und riefen Anweisungen in ihre Telefone. Das daraus entstehende Grundrauschen hielt die Energie hoch und verstärkte das Gefühl von Paranoia, das die Produktion durchzieht. Für die NSA-„Trainingssessions“ setzte sich die Besetzung außerdem ins Publikum – ein kluger Kniff, der einigen der stärksten Szenen eine Secret-Cinema-artige Immersion verlieh.

Whistleblower ist oft eine fehlerhafte Produktion, bietet aber einen lehrreichen und spannenden Blick auf das Leben einer der umstrittensten Figuren des 21. Jahrhunderts. Das größte Kompliment, das ich machen kann: Das Stück hat mich danach noch stundenlang zum Nachdenken, Diskutieren und Recherchieren gebracht – und genau darum geht es im Theater, oder? Whistleblower läuft im Waterloo East Theatre bis zum 6. März 2016. Jetzt buchen!

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