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REZENSION: Elephant's Graveyard, Production Exchange online ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
18. September 2020
Von
pauldavies
Paul T Davies rezensiert Elephant's Graveyard, jetzt online im Stream über The Production Exchange.
Elephant’s Graveyard. Begrenzte Online-Vorstellung, präsentiert von The Production Exchange bis zum 19. September.
4 Sterne
Dies ist eine eindringliche Geschichte – die wahre Geschichte der einzigen bekannten Lynchung eines Elefanten. Ein Zirkus, der vom Ruhm träumt, kommt im September 1914 in eine Kleinstadt in Tennessee und bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern die Chance, der Eintönigkeit des Alltags für einen Moment zu entkommen. Während der Parade kommt es zur Tragödie, und der Elefant Mary tötet einen Mann. Das amerikanische Bedürfnis nach Rache – ebenso wie nach Spektakel – wird beleuchtet; erzählt wird die Geschichte vom Ensemble direkt in die Kamera, mit sehr wirkungsvollen Kostümen und Hintergründen.
Das ist die Art von Produktion, die ich sehr gern live sehen würde, weil sich die Möglichkeiten fürs Spektakel dann, glaube ich, besonders gut entfalten. So jedoch wird die gemeinsam getragene Erzählweise stellenweise etwas spröde, und obwohl das Stück gut gespielt ist, braucht die Geschichte einen Moment, bis sie ihren Rhythmus findet. Die Grenze zwischen den Einwohnern von Irwin und den Zirkusleuten ist klar gezogen, und der Text von George Brant enthält viel Humor – besonders, wenn es um den Platz der Clowns in der Nahrungskette geht – und führt uns sicher zu dem entsetzlichen, blutrünstigen Gejohle, das schließlich losbricht. Hier hebt sich das Stück über das Mittelmaß hinaus und wird zu wirklich packendem Theater. Und wie lyncht man überhaupt einen Elefanten?
Das Ensemble ist von Phil Sealy meisterhaft zusammengeschnitten, und die Regie von Colin Blumenau bleibt unbeirrbar fokussiert auf die Geschichte. Luke Potters Musik ist wirkungsvoll und stützend und schafft eine Atmosphäre, die einen in den Stoff hineinzieht. Phillipa Hogg ist hervorragend als Elefantentrainerin, spricht dabei fast stellvertretend für Mary und vermittelt uns ein Verständnis für das Tier; Esmee Cook ist eine großartige Clownin, und Shaun Bailey als Marshal lässt uns die Stadt und ihre Haltung begreifen. Patrick Marlowe als Ingenieur, der überzeugt ist, er wisse genau, wie man den Elefanten „richtig“ aufhängt, strahlt Ignoranz aus und trägt dazu bei, dass die Stadt das „Unmögliche möglich“ macht – und der erschreckende Satz „Das ist Amerika, und wir können tun, was wir wollen“ wirkt auch heute noch nach. Phil Sealy und Gareth Tempest sind in diesem starken Ensemble besonders hervorzuheben. Nehmen Sie sich Zeit dafür: Dies ist eine verstörende Geschichte, die – hoffentlich – in ihren tatsächlichen Umständen einzigartig bleibt.
Tickets können hier gekauft werden: https://tpetv.com/
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