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KRITIK: Natives, Southwark Playhouse ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Ella Purnell, Fionn Whitehead, Manish Gandhi. Foto: Richard Davenport Natives
Southwark Playhouse
13. April 2017
Vier Sterne
Dank Internet und Social Media ist der Druck auf Teenager heute größer denn je. In seinem neuen Stück Natives fängt Glenn Waldron die Ängste und Rätsel der Pubertät ein – in miteinander verflochtenen Monologen dreier 14-Jähriger. Obwohl sie in verschiedenen Ländern leben und einander nie begegnen, zeigen sich immer wieder Parallelen darin, wie sie auf das reagieren, was ihnen an einem ganz bestimmten Tag widerfährt.
Da ist zum einen ein hochbegabtes Mädchen aus wohlhabendem Elternhaus, das auf einer Insel im Indischen Ozean lebt und versucht, sich in einer gehässigen Welt zurechtzufinden – mit ständig wechselnden Hierarchien, die davon bestimmt werden, was man trägt und wie viele Follower man hat. Zum anderen ein britischer Junge, der mit Trauer kämpft und mit seinen erwachenden sexuellen Gefühlen – verzerrt durch die leichte Verfügbarkeit von Hardcore-Pornos im Internet. Und dann gibt es noch einen dritten Teenager, der sich durch Schule und Familienalltag in einer vom Krieg verwüsteten Stadt im Nahen Osten manövriert. Seine Leidenschaft für Videospiele und seine Angst vor Schulprüfungen verbinden ihn emotional mit den beiden anderen, auch wenn er zugleich damit leben muss, Tod und Zerstörung auf den Straßen zu sehen, in denen er wohnt.
Fionn Whitehead und Ella Purnell. Foto: Richard Davenport
Alle drei werden an den Rand einer Krise getrieben – von Eltern, die weit und breit nicht zu sehen sind, um irgendetwas wieder ins Lot zu bringen. „Wo sind die Erwachsenen, die etwas tun?“, rufen sie. Neben der Aussage, dass es Ähnlichkeiten darin gibt, Teenager zu sein – egal wo auf der Welt –, wird die Rebellion der Jugend durch eine Eröffnungsszene in einen zeitlosen, mythischen Kontext gestellt: Wir hören die Geschichte eines uralten Gottes, dessen verlassene Tochter sich gegen ihn wendet.
Dank starker Darstellungen wird man schnell in den beiläufig erschreckenden Alltag dieser jungen Menschen hineingezogen – oft witzig, aber stellenweise auch zutiefst bewegend und verstörend. Da die drei Rollen von etwas älteren Schauspieler*innen gespielt werden, stehen hier zwei aufstrebende Talente im Mittelpunkt: Ella Purnell überzeugt als Cliquen-Teenagerin, die durch Social Media bis an den Rand der Selbstzerstörung getrieben wird, während Fionn Whitehead kraftvoll einen Jungen zeichnet, dessen machohaftes Gehabe eine verwirrte Verletzlichkeit kaschiert.
Gemeinsam mit Manish Gandhi als dem kindlichsten der drei 14-Jährigen erzählen sie ihre herzzerreißenden Geschichten in Glenn Waldrons lyrischer Sprache – voller Alliterationen, Poesie und sprachlicher Spielfreude. Ihre Worte werden einfallsreich illustriert durch kühne, farbenfrohe Video-Grafiken von Cate Blanchard in Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Amelia Jane Hankin. Unter der Regie von Rob Drummer für Boundless Theatre ist Natives eine messerscharf geschriebene Chronik des Erwachsenwerdens – in einer Zeit, in der digitale Technologie jungen Menschen neue Herausforderungen stellt, ihnen aber zugleich auch Rettung bieten könnte.
Läuft bis zum 22. April 2017
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