NACHRICHTEN
KRITIK: Peter Pan, Nationaltheater ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
2. Dezember 2016
Von
douglasmayo
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Paul Hilton (Peter Pan), Madeleine Worrall (Wendy) in Peter Pan
National Theatre
2. Dezember 2016
4 Sterne
Peter Pan, J. M. Barries zeitlose Geschichte vom Jungen, der niemals erwachsen werden wollte, ist in einer neuen Koproduktion mit dem Bristol Old Vic ans National Theatre gekommen. Das ist keine traditionelle Nacherzählung – vielmehr eine freche, urbane Neuinterpretation mit handfestem Storytelling, aufregender Inszenierung und einer ausgesprochen finsteren Captain Hook (und dazu noch weiblich!).
Mit diesem Peter Pan haben Regisseurin Sally Cookson, Bühnenbildner Michael Vale und Kostümbildnerin Katie Sykes einen riesigen Abenteuerspielplatz geschaffen, auf dem ausrangierte Bauschuttcontainer, alte Reifen, Milchkästen und allerlei Fundstücke zu Nimmerland werden – rau, kantig und zugleich ziemlich magisch.
Saikat Ahamed (Tinker Bell) und die Lost Boys in Peter Pan.
Und was das Fliegen angeht: Unsichtbare Drähte gibt es hier nicht. Der spielerische Geist der Produktion setzt sich in einem System aus Seilen und Klettergurten fort, bei dem Teile des Ensembles als Gegengewichte dienen, während andere durch die Luft sausen. Zu beobachten, wie diese menschlichen Gegengewichte am gewaltigen Gerüst der Bühne auf und ab hüpfen, kann ebenso zauberhaft sein wie die Hauptfiguren selbst beim Fliegen. Tinks Feenstaub ist passé – stattdessen gibt’s Feenschnur. Ballettös ist das nun wirklich nicht, aber Spass macht es ganz sicher.
Anna Francolini übernimmt die Doppelrolle von Mrs Darling und Captain Hook. Als Mrs Darling ist sie hinreissend; als Captain Hook ist sie unheimlich und mehr als nur ein bisschen beängstigend. Sie hat einige grossartige komische Momente, doch mein prägendstes Bild bleibt ihre Kostüm-Szene zu Beginn des zweiten Akts, in der sie – Haar, Haken und alles – von Smee wieder zusammengesetzt wird. Eine spannende Idee, und das Rollendoubling soll angeblich auf Barrie selbst zurückgehen. Meistens funktioniert es, aber ganz überzeugt bin ich noch nicht.
Anna Francolini als Captain Hook und die Piraten in Peter Pan.
Als Peter Pan ist Paul Hilton frech, selbstsicher und ein nahezu idealer Pan. Im Kontrast zu Madeleine Worralls fast schon klassischer Wendy wird die Dynamik ihrer Beziehung ein gutes Stück gefährlicher. Ihr Lufttanz im zweiten Akt zu The Carpenters’ „Close To You“ war einfach grossartig.
Saikat Ahameds Tink war schlichtweg wahnsinnig – er erinnerte mich einerseits an Lee Bowery mit seinen stacheligen Flügeln und dem mit Lichterketten behängten Sturzhelm, andererseits an die wunderbare körperliche Komik von Andrew Sachs’ Manuel.
Saikat Ahamed (Tinker Bell) und die Lost Boys in Peter Pan.
Felix Hayes als Smee, Mr Darling und einer der Lost Boys ist passend finster, grossspurig und schlicht perfekt. Er und Laura Cubitts Zwillinge mit Fahrradpumpe waren eine Freude. Ekow Quartey war eine spektakuläre Nana – und ein noch liebenswerterer Tootles, als man ihn sich wünschen könnte. Mit Wassernixen im MGM-Stil, gruseligen Wölfen und einem gigantischen Krokodil hatte dieser Peter Pan wirklich alles, was man sich nur wünschen kann.
Mit zweieinhalb Stunden inklusive Pause hatte ich Sorge, das könnte für jüngere Kinder etwas lang werden – doch völlig unbegründet: Sie kreischten vor Lachen und genossen jede Minute dieser fantastischen Geschichte. Eine wunderbare Produktion, die Publikum jeden Alters begeistert – und uns am Ende alle klatschen liess, um zu zeigen, dass wir wirklich an Feen glauben.
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