NACHRICHTEN
REZENSION: Sweeney Todd, Mercury Theatre Colchester ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
Share
Hugh Maynard und Sophie Louise-Dann in Sweeney Todd. Foto: Robert Day Sweeney Todd
Mercury Theatre, Colchester
27. Oktober 2016
5 Sterne
Einst als „schwieriges Meisterwerk“ gehandelt, scheinen Sweeney Todd (und Into the Woods) inzwischen die Sondheim-Musicals zu sein, zu denen sowohl Amateur- als auch Profi-Compagnien am liebsten greifen. Ich bin mittlerweile bei einer zweistelligen Zahl an Inszenierungen dieses Stücks, die ich gesehen habe – und für mich stand die Frage im Raum: „Muss ich mir noch einen Sweeney Todd ansehen?“ Nach dieser wunderbaren Produktion lautet die Antwort ein unmissverständliches JA!
Die Geschichte ist inzwischen weithin bekannt, und das hervorragende Ensemble erweckt sie mit genau der richtigen Mischung aus Humor und Horror zum Leben. Hugh Maynard ist der erste schwarze Schauspieler, der die Rolle des Sweeney in einer professionellen UK-Theaterproduktion spielt – und was für eine inspirierte Besetzung das ist. Seine Herkunft fügte für mich eine zusätzliche Ebene hinzu: Sweeney als Außenseiter, von der Gesellschaft mit Misstrauen betrachtet, als bedrohlicher „Anderer“ wahrgenommen. Besetzt wurde er aber vor allem, weil er ein großartiger Sweeney ist – mit einer prächtigen Stimme. Gelegentlich beeinträchtigt Todds Wut in seiner Darstellung die Diktion, und manchmal hätte ich mir gewünscht, die Melancholie Sweeneys stünde stärker im Vordergrund; doch im Schlussbild ist er überwältigend verletzlich.
Julian Hoult und David Durham. Foto: Robert Day Ob zu Recht oder nicht – seit ich Julia MacKenzie vor Jahren am National Theatre in der Rolle gesehen habe, bin ich überzeugt: Der Erfolg dieser Show steht und fällt mit der Besetzung von Mrs. Lovett. Und hier landet das Mercury einen Volltreffer! Sophie-Louise Dann ist in der Rolle grandios: ihre diebische Freude beim Singen der Lyrics von A Little Priest, ihre Versuche, Todd zu verführen, ihr wachsendes kannibalistisches Imperium und ihre Einsamkeit werden brillant vermittelt – eine Leistung, die allein schon den Ticketpreis wert ist. Sie kostet die Rolle genüsslich aus, und das Publikum folgt ihr auf Schritt und Tritt durch die blutigen Gassen.
Simon Shorten und Hugh Maynard. Foto: Robert Day
Aus einem durchweg starken Ensemble ist Ryan Heenan ein wunderbar unschuldiger und verletzlicher Toby; David Durham ein souveräner (und, darf ich’s sagen: ziemlich sexy) Judge Turpin; Kara Lane die beste Bettlerfrau, die ich je in dieser Rolle gesehen habe; Julian Hoult ein schmieriger Beadle Bamford; und Jack Wilcox sowie Christina Bennington singen als die Liebenden Anthony und Johanna hinreißend. Die zweite Hälfte ist, ganz einfach, makellos – sie baut sich zu einem wirklich schaurig-schönen und bewegenden Finale auf.
Das Ensemble von Sweeney Todd. Foto: Robert Day Ein weiterer Star des Abends ist Sara Perks’ umwerfendes Kostüm- und Bühnenbild: Die Drehbühne funktioniert wie ein viktorianisches Bilderbuch und enthüllt fast bei jeder Umdrehung etwas Neues. Seit seinem Antritt am Mercury Theatre hat Regisseur Daniel Buckroyd eine besondere Affinität zu Musicals bewiesen – und auch hier gelingt ihm erneut die Alchemie, mit der er (neben The Hired Man und End of the Rainbow) eine seiner besten Produktionen vorlegt. Die Menschen in Colchester können sich glücklich schätzen, eine Inszenierung direkt vor der Haustür zu haben, die weit über ihr Regionaltheater-Gewicht hinaus punktet – und Musicalfans tun gut daran, die Reise auf sich zu nehmen und sie zu sehen. Ich kann euch allen nur ans Herz legen: Schaut euch diese Sweeney Todd-Geschichte an!
Bis 11. November 2016
TICKETS FÜR SWEENEY TODD IM MERCURY THEATRE BUCHEN
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie