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REZENSION: Die Frau in Schwarz, Fortune Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Die Frau in Schwarz
Fortune Theatre
21. Juli 2015
4 Sterne
Es gibt kaum etwas Besseres als eine richtig gute Geistergeschichte, um das Herz schneller schlagen zu lassen und für einen ordentlichen Schrecken zu sorgen. Genau das tut Die Frau in Schwarz nun schon seit achtundzwanzig Jahren – und dennoch gelingt es der Produktion Abend für Abend, den Nervenkitzel einer hervorragend erzählten Schauergeschichte zu liefern.
Nach Susan Hills gleichnamigem Roman erwies sich das Stück als Überraschungserfolg am Stephen Joseph Theatre in Scarborough, das für seine Weihnachtsspielzeit ein kostengünstiges Stück brauchte. Dass aus ihrem kleinen Stück einmal eine der am längsten laufenden Produktionen der West-End-Geschichte werden würde – mit über 10.000 Vorstellungen – konnten sie damals kaum ahnen.
Die Frau in Schwarz nimmt Susan Hills Roman und verlegt ihn in die Kulissen eines Theaters: Arthur Kipps sucht Hilfe dabei, seine Geschichte zu erzählen. Er engagiert einen jungen Schauspieler, der ihm bei der Ausarbeitung einer Präsentation helfen soll – in der Hoffnung, dass sich durch das Erzählen seine Dämonen verflüchtigen und eine schreckliche Last von seiner Seele fällt.
Es ist Stephen Mallatratts Verdienst, dass die Bühnenfassung zu einem wunderbar unterhaltsamen Abend wird – mit reichlich Schreckmomenten. Sie wiegt einen erst in Sicherheit, um einem dann eiskalt den Boden unter den Füssen wegzuziehen.
Als junger Schauspieler ist Anthony Eden vollkommen glaubwürdig. Seine Begeisterung für die Aufgabe, Kipps’ Text zu bearbeiten, ist spürbar, seine Energie scheinbar grenzenlos.
Julian Forsyth übernimmt die Rolle des Arthur Kipps. Es ist eine Partie, die erst etwa zur Mitte des ersten Aktes richtig aufblüht – wenn Kipps beginnt, gemeinsam mit dem Schauspieler in den Prozess der Bearbeitung einzusteigen.
Im zweiten Akt sind beide Darsteller ganz in ihrem Element: Sie wechseln sich im Erzählen ab und erwecken Eel Marsh House sowie die dortigen unheimlichen Vorgänge zum Leben. Mit schlichter Bühne, raffiniertem Licht und leicht verschleierten Szenen wird der geisterhafte Schatten von Alice Drablow heraufbeschworen – und ihr Auftritt sorgt für Schreie und Aufschreie im Publikum, das der wunderbaren Erzählkunst längst erlegen ist.
Mehr zu verraten, würde das Erlebnis Die Frau in Schwarz nur schmälern. Ich habe die Produktion in den letzten zehn Jahren nun schon viermal gesehen und bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt von der Qualität und den konstant hohen Standards, die Ensemble, Team und Produzenten halten. Robin Herefords Regie wirkt weiterhin frisch, und sein fortlaufendes Engagement für die Produktion trägt dazu bei, die hohe Qualität zu sichern, die das Publikum Abend für Abend begeistert. Es ist herrlich, in einem Theater zu sitzen, in dem in der Pause nervös getuschelt und staunend diskutiert wird – und am Ende alle von der Vorstellung schwärmen.
Nach inzwischen fast dreissig Jahren Laufzeit und einer in jüngerer Zeit erschienenen erfolgreichen Verfilmung mit Daniel Radcliffe gibt es ein ganz neues Publikum, das Die Frau in Schwarz nun auf der Bühne erlebt. An dem Abend, an dem wir vor Ort waren, reichte die Altersspanne im Saal von dreizehn bis achtzig Jahren – und alle reagierten voller Vergnügen, als sich die Geschichte entfaltete und die Schreckmomente einsetzten.
Es ist grossartig zu sehen, wie ein neues Publikum dieses Stück für sich entdeckt. Ein Besuch lohnt sich unbedingt – aber gehen Sie besser nicht allein!
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