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KRITIK: Big Fish, The Other Palace ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
8. November 2017
Von
douglasmayo
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Kelsey Grammer und Ensemble in Big Fish
The Other Palace
7. November 2017
5 Sterne
Jetzt buchen Es scheint, als hätte Grossbritannien eine regelrechte Liebelei mit Andrew Lippa begonnen. Kaum ist seine Musicalfassung von The Addams Family durch die UK-Tour gegangen, werden wir schon mit einem weiteren seiner Stücke beschenkt: Big Fish, derzeit im Londoner The Other Palace zu sehen – mit Frasiers Kelsey Grammer in der Hauptrolle. Basierend auf dem Roman Big Fish von Daniel Wallace sowie dem Drehbuch zu Tim Burtons Verfilmung (geschrieben von John August) passt diese Produktion wie gemacht zum Profil der Lloyd-Webber-Spielstätte und ihrem Anspruch, neue Musicals zu entwickeln. Ursprünglich am Broadway als grosses, opulentes Spektakel auf die Bühne gebracht, hat sich Regisseur Nigel Harman entschieden, diese Inszenierung auf ganz andere Weise zu erzählen.
Diese kleinere, intimere Fassung von Big Fish spielt innerhalb der Mauern eines Krankenhauses. Harmans Clou bei der Regie: Edward Blooms Geschichten werden von Personal und Patient*innen mit allerlei medizinischem Gerät als Requisiten und Kostümen zum Leben erweckt. Tom Rogers verdient grosses Lob für Bühne und Kostüme, die Blooms Erzählungen aufblühen lassen, dabei aber stets diesen Hauch von Versponnenheit bewahren – genau so, wie es die Art des Erzählens verlangt. Es erinnert an das kreative Zweckentfremden aus einer Kinder-Verkleidungskiste. Und mit Duncan McLeans wunderbaren Projektionen dazu bekommt das Ganze eine geradezu magische Qualität.
Matthew Seadon Young und Kelsey Grammer in Big Fish
Big Fish erzählt die Geschichte von Edward Bloom – eine überlebensgrosse Figur, ein unermüdlicher Geschichtenerzähler, Ehemann und Vater. Als er sich dem Ende seines Lebens nähert, versucht sein Sohn, die Erzählungen des Vaters mit der Wahrheit in Einklang zu bringen – und entdeckt dabei, dass sein Vater noch so viel mehr ist als die Geschichten, die er spinnt.
Kelsey Grammer lässt Edward Blooms überlebensgrosses Wesen in einer der bewegendsten Musical-Performances lebendig werden, die ich seit Langem gesehen habe. Bombastisch, charmant, sensibel und unwiderstehlich erzählt er eine fesselnde Geschichte. Man müsste schon ein steinhartes Herz haben, um am Ende keine Träne zu verdrücken (so wie ich).
Matthew Seadon Young bringt Wills Frustration klar auf den Punkt. Eine beeindruckende Leistung, wunderbar ausbalanciert von Clare Burt als Sandra Bloom (Edwards Ehefrau). Die Familien-Dynamik der Blooms entfaltet sich grossartig. In diesem Trio steckt so viel Wahrheit – ich hätte mir gewünscht, es gäbe noch mehr davon zu geniessen.
Kelsey Grammer, Jamie Muscato und Colby Mulgrew in Big Fish
Während Edward Blooms Geschichten von Krankenschwestern, Ärzten, Patient*innen und einem bunt zusammengewürfelten, nicht ganz stabilen Haufen zum Leben erweckt werden, lässt Jamie Muscato als Story Edward die vielen Erzählungen (in unterschiedlichen Varianten) aufblitzen – wild unwahrscheinlich und doch geradezu süchtig machend. Muscatos überlebensgrosser, typisch amerikanischer Junge mit dem Funkeln in den Augen ist als jüngere Version von Grammer absolut glaubwürdig. Die Liebesgeschichte mit Story Sandra (Laura Baldwin) ist zauberhaft. Mit starken Beiträgen von Forbes Mason, Dean Nolan, Tamisha Spring, Frances McNamee und Landi Oshinowo entsteht ein komplexes, vielschichtiges und mehr als nur ein bisschen emotionales Gesamtbild.
Lippas grossartige Partitur wird von Alan Berry und seiner fröhlichen Sechser-Band mit Leben gefüllt. Üppig und beschwingt – und dabei die emotionalen Themen der Songtexte perfekt ergänzend –, besonders im hinreissenden Time Stops.
Andrew Lippa und John August zeigen, wie flexibel ihr Material ist – und wie gut es eine grosse glitzernde Produktion abstreifen kann zugunsten von Harmans ehrlichem, geradlinigem Storytelling. Mit schlanken zwei Stunden wollte ich am Ende eigentlich noch mehr – und ich freue mich darauf, den Film vor einem erneuten Besuch dieses magischen Musicals noch einmal anzusehen.
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