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REZENSION: Strolling Player von Gabriel Hershman, History Press ✭✭✭
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Von
pauldavies
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Strolling Player: Das Leben und die Karriere von Albert Finney.
The History Press.
Gabriel Hershman
3 Sterne
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Ohne Finneys Mitwirkung entstanden, ist diese Biografie als Würdigung seiner Schauspielkunst und Karriere geschrieben – wie Hershman in seiner Einleitung deutlich macht. Er schreibt als Fan, und ein grosser Teil des Buches widmet sich einer eingehenden Analyse jeder einzelnen Filmrolle Finneys, ergänzt durch zahlreiche Beiträge von Freunden, Kolleginnen und Kollegen sowie Kritikern. Heraus kommt das Porträt eines ausserordentlich sympathischen Mannes: eines „strolling player“, der den Reichtümern, die Hollywood ihm bot, den Rücken kehrte, um Arbeiten nachzugehen, die ihn wirklich interessierten – und eines Schauspielers, für den die Liebe zum Spiel über allem stand.
Finney wollte ganz offensichtlich kein konventioneller Filmstar oder Sexsymbol irgendeiner Art sein; er sah vieles in Hollywood als Fabrik, die Produkte statt Menschen hervorbringt. Umso passender, dass seine herausragende Darstellung des Arthur Seaton in Saturday Night Sunday Morning gegen die Ödnis des Fabrikalltags anrennt. Da das Buch ohne Finneys Mitwirkung geschrieben wurde, kann Hershman uns im Wesentlichen nur durch die wichtigsten Stationen von Leben und Karriere des Schauspielers führen. Das verleiht dem Ganzen einen soliden, fast etwas pflichtmässigen Ton: gut gemacht, aber ohne wirklich überraschende neue Einsichten oder Enthüllungen. Finney war ein Frauenheld, ein Überlebender jenes Typus der „Angry Young Men“ der Sechziger – doch Kritik an ihm findet sich hauptsächlich in Zitaten von Peter Hall und Lindsay Anderson, der nach dem Zerwürfnis mit Finney in seiner bitteren Bilanz von dessen Karriere ausgesprochen bissig wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass Finney ein wunderbarer Kollege gewesen sein muss: Er kannte die Namen der Crew ebenso wie die der Mitwirkenden, war grosszügig mit seiner Zeit und unterstützte andere sowie jüngere Schauspielerinnen und Schauspieler. Dennoch werden die überschwänglichen Lobeshymnen im Verlauf des Buches ein wenig ermüdend und lassen Finney ironischerweise etwas zweidimensionaler erscheinen, als er im wirklichen Leben vermutlich war. Stark ist das Buch hingegen in seiner Einordnung von Finneys aussergewöhnlicher Karriere – als Einstieg in sein Werk ist es von unschätzbarem Wert. Die Analyse jeder einzelnen Leistung ist gelungen, und das Beste daran: Sie hat mich dazu gebracht, meine DVDs hervorzukramen und einige dieser Klassiker wieder anzusehen. Für mich ist Finney in Saturday Night Sunday Morning, The Dresser und A Man of No Importance am besten. Dieses typische Finney-„Swagger“ ist da – als maskuliner, wütender, gelangweilter Seaton; als „Sir“, der alternde Schauspieler, der einen Zug allein mit der Kraft seiner Stimme anhalten kann; und als schwuler Jungmann im Dublin des Jahres 1963 – doch er bewohnt jede Rolle vollkommen, und die Filme sind kaum gealtert. Die grosse Freude an diesem Buch ist, dass es einen zu Finney zurückführt: möglicherweise zu einem der am meisten unterschätzten (und ganz sicher zu selten ausgezeichneten) Schauspieler seiner Generation.
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