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REZENSION: Die Jagd, Almeida Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

pauldavies

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Paul T Davies rezensiert The Hunt, inszeniert von Rupert Goold, derzeit im Almeida Theatre zu sehen.

Tobias Menzies und Michele Austin in The Hunt. Foto: Marc Brenner The Hunt Almeida Theatre

26. Juni 2019

4 Sterne

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„Wir sind eine kleine Gemeinschaft. Das Glück unserer Kinder ist alles. Unsere Hoffnungen und Träume ruhen in ihren winzigen Seelen.“ So sagt die Schulleiterin, als sie uns zum Erntedankfest der Schule begrüßt. Es ist eine kleine, auf Vertrauen gegründete Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt. Der freundliche, fürsorgliche Lehrer Lucas vermisst seinen Teenagersohn Marcus, der nach einer erbitterten Scheidung von seiner Mutter in die Stadt gebracht wurde. In der Bühnenfassung von David Farr nach dem Drehbuch von Thomas Vinterberg und Tobias Lindholm zeichnet das Stück einen modernen Albtraum nach, als Lucas von der sechsjährigen Clara des Missbrauchs beschuldigt wird. Wir sehen genau, was passiert ist, wir wissen, dass Lucas unschuldig ist, und das sich entfaltende Drama ist straff, packend und fesselnd.

George Nearn und Tobias Menzies in The Hunt. Foto: Marc Brenner

Im Zentrum steht Es Devlins hervorragendes Bühnenbild: ein Wendy House aus Plexiglas, das zum Kristallisationspunkt der Fundamente dieser Gemeinschaft wird – Schule, Loge, Zuhause, Kirche – und am Ende ist es doch ein Schnellkochtopf. Zunächst sehen wir die Männer in Badehosen in ihrer Loge, bei männlichen Ritualen und Initiationsriten: jagen, angeln, schießen und vor allem trinken. Frauen sind weiterhin von der Loge ausgeschlossen, doch hier schließen die Männer Freundschaft und knüpfen Bindungen fürs Leben. All das wird durch die Anschuldigung unterminiert, als Lucas ausgegrenzt und bedroht wird.

In Rupert Goolds perfekt austarierter Inszenierung wird das ausgezeichnete Ensemble von Tobias Menzies als Lucas angeführt. Zunächst mag seine Darstellung beinahe zu zurückgenommen wirken, doch er trifft die freundliche, fürsorgliche Art von Lucas genau – und in der zweiten Hälfte lässt er seinen Schmerz und seine Wut darüber frei, was ihm angetan und über ihn gesagt wird. Als Claras Eltern ist Poppy Miller großartig als Mikala, Justin Salingers Theo steht ihr in nichts nach – beide zerbrochen vor Verzweiflung bei dem Gedanken, ihr bester Freund könne zu so etwas fähig sein. Ich muss sagen: Am Premierenabend war Taya Towers Darstellung der Clara bemerkenswert souverän, in ihrer Vielschichtigkeit geradezu unheimlich – und dennoch verstehen wir, warum sie es tat. George Nearn Stuart war zudem wunderbar als frecher Peter, dessen Inhalte auf dem Handy zur Anschuldigung führen.

Die Besetzung von The Hunt. Foto: Marc Brenner

Der Schatten von John Proctor liegt über dem Stück, und Lucas wird sogar die Chance auf eine Art Erlösung in Aussicht gestellt, wenn er einige der Vergehen zugibt. Doch wie Millers Held hält er an der Wahrheit fest, auch wenn sie ihn buchstäblich das Leben kosten könnte, und ist ehrlich über die Komplexität dessen, was wirklich geschah und warum. Die Spannung in der zweiten Hälfte ist greifbar, und die Präsenz der Natur wird stets betont. Allerdings wirkten einige der rituellen Elemente für mich ein wenig zu „sauber“: Der Gesang ist durchgehend tonal perfekt, selbst bei den Trinkliedern, und manche Bewegungen sind etwas zu stark choreografiert – es fehlt eine wilde, rohe, gewalttätige Atmosphäre, die Lucas tatsächlich auf den Fersen ist.  Das ist jedoch nur ein kleiner Einwand, denn insgesamt ist es ein mitreißender Theaterabend: unangenehm und zugleich fesselnd, ein Kessel aus Anschuldigungen und Ambivalenzen.

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