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REZENSION: Twilight Song, Park Theatre ✭✭✭
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Von
markludmon
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Bryony Hannah, Philip Bretherton, Hugh Ross, Paul Higgins. Foto: Robert Workman Twilight Song
Park Theatre
Drei Sterne
Jetzt buchen Nach dem Erfolg der Wiederaufnahme von My Night With Reg im West End vor über zwei Jahren gilt dem Werk von Kevin Elyot, der 2014 im Alter von nur 62 Jahren starb, neue Aufmerksamkeit. Sein erstes Stück, Coming Clean, wird derzeit im King’s Head Theatre gespielt, während sein letztes Stück, Twilight Song, im Park Theatre seine Weltpremiere feiert. Dieses späte Werk teilt viel vom bissigen, mit Anspielungen gespickten Humor von My Night With Reg – durchzogen jedoch von einer Traurigkeit über vertane Leben. Es springt zwischen Gegenwart und den 1960er-Jahren hin und her und legt Schicht für Schicht das Elend einer Familie über ein halbes Jahrhundert in einem vorstädtischen Haus im Norden Londons frei.
Twilight Song beginnt in der Gegenwart mit dem alleinstehenden schwulen Barry, der – obwohl erst Mitte 50 – dem Glück und den Gefühlen abgeschworen hat und mit seiner Mutter Isabella ein freudloses Dasein führt. Offenbar zeigt er gerade einem Immobilienmakler das Haus; doch bald stellt sich heraus, dass er über eine ganz andere Art von „Geschäft“ verhandelt. Im weiteren Verlauf enthüllt das Stück eine verborgene Vergangenheit und führt uns zurück ins Jahr 1961, in die frühen Tage der Ehe seiner Eltern – kurz bevor Barry geboren wurde. Mit einem Abstecher ins Jahr 1967, zur Zeit der Entkriminalisierung der Homosexualität, entdecken wir schmerzliche Wahrheiten über die Familie sowie über den schwulen Onkel Charles und dessen nicht geouteten Freund Harry, die bis in die Gegenwart auf erschütternde Weise nachhallen.
Adam Garcia und Paul Higgins in Twilight Song
Unter der Regie von Anthony Banks schreitet die Geschichte in gleichmäßigem Tempo voran und steuert auf ein Ende zu, das trotz seiner zurückhaltenden Umsetzung nach Melodram riecht. Das 75-minütige Stück ist sauber gebaut, bleibt jedoch knapp davor stehen, dass uns die Figuren wirklich ans Herz wachsen – obwohl ihre Notlagen herzzerreißend sein müssten. Paul Higgins überzeugt sowohl als zugeknöpfter Barry als auch als dessen Vater Basil, an der Seite von Bryony Hannah als Mutter: in jungen Jahren verspannt und nach Leidenschaft sehnend, in ihren 70ern wütend und verbittert. Adam Garcia besitzt eine charmante Ausstrahlung als sexuell verfügbarer, zugleich manipulativer junger Mann, der in ihr Leben tritt. Hugh Ross ist berührend und komisch als der onkelhafte Charles, während Philip Bretherton die Qualen einfängt, schwul zu sein in einer Zeit gesetzlich verankerter Intoleranz.
Auch wenn Twilight Song nicht die Wucht von My Night With Reg erreicht, ist es ein unterhaltsames Drama, das messerscharf Menschen – schwule wie heterosexuelle – zeichnet, die sich von ihren Umständen gefangen fühlen und nach einem Ausweg suchen, der ihr Elend womöglich noch verschlimmert.
Spielzeit bis 12. August 2017
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