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KRITIK: West End Heroes, Dominion Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
6. Oktober 2015
Von
danielcolemancooke
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Das Royal Marines Corps of Drums. Foto: Claire Bilyard West End Heroes
Dominion Theatre
4. Oktober
4 Sterne
Alle lieben eine West-End-Showmelodie. Alle lieben eine Militärkapelle. Und manche mögen Christopher Biggins (zum Glück gehöre ich dazu!). Also war West End Heroes von vornherein die perfekte Art, diese Sonntagsabend-Tristesse einfach wegzusingen und wegzumarschieren.
West End Heroes ist eine Varieté-Gala für einen guten Zweck, die die angesagtesten Talente aus dem West End mit einigen der renommiertesten Militärkapellen des Landes zusammenbringt. Auf dem Programm standen Songs aus Musicals von früher und heute, Magie (von Britain’s Got Talent-Zweitplatziertem Jamie Raven) und Tanz. Ergänzt wurde das durch einige berührende Filme über die Arbeit der Begünstigten des Abends, Help for Heroes.
Durch den Abend führte Christopher Biggins – so herrlich camp und energiegeladen wie eh und je – und hielt das Ganze mit einem amüsanten Dauerfeuer aus Pointen und Anzüglichkeiten zusammen. Für den guten Zweck scheute er sich nicht, sich auch mal zum Deppen zu machen: Er nahm an einem Drill-Marsch mit der Queen’s Colour Squadron teil und schlüpfte in die unterschiedlichsten skurrilen, wunderbaren Kostüme.
Das stimmliche Niveau war beeindruckend – mit einigen der Besten, die das West End zu bieten hat, und mehreren echten Showstoppern. Das klare Highlight: John Owen-Jones und Celinde Schoenmaker aus Das Phantom der Oper mit dem Titelsong, gefolgt von Owen-Jones’ Interpretation von Music of the Night. Owen-Jones verfügt über eine erstaunliche stimmliche Bandbreite und gibt einen dunklen, grüblerischen Phantom, während Schoenmaker mit einem opernhaften Höhenregister Gänsehaut auslöst.
Die Besetzung von Elf. Foto: Claire BilyaRD
Ebenfalls herausragend war Bradley Jaden, der Who I’d Be aus Shrek mitreißend und kraftvoll sang. Rachel John und Jon Robyns lieferten beide soulig gefärbte Nummern aus dem Musical Memphis, die völlig zu Recht ein großartiges Echo im Saal bekamen. Einige der Amateurchöre wirkten zwar weniger geschliffen, machten das aber mit Elan und Begeisterung mehr als wett.
Großartig war auch, dass jungen Nachwuchstalenten Raum gegeben wurde zu glänzen: Abigail Rose vom National Youth Theatre zeigte mit Nightporter aus der jüngsten NYT-Produktion von Romeo and Juliet eine atemberaubende Leistung – mit einer Sicherheit und Bühnenpräsenz, die weit über ihr Alter hinausgeht. Ebenso beeindruckte die neunzehnjährige Charlotte Jaconelli (ebenfalls BGT-Teilnehmerin) mit ihrer Version von Love Never Dies).
Für Musicalfans erwähnenswert war zudem die erste britische Präsentation von Elf the Musical, das später im Oktober eröffnen soll. Die Show hat im Vorfeld viel Hype erzeugt (auch wegen der hohen Ticketpreise), und obwohl nur eine Handvoll Nummern gezeigt wurde, ließ mich das Gesehene etwas unterwältigt zurück. Die beiden Hauptdarsteller (Ben Forster und Kimberley Walsh) sangen zwar sehr gut, doch die Songs waren festlich, aber nicht besonders einprägsam.
Moderator Christopher Biggins. Foto: Claire Bilyard
Das Bühnenbild war bemerkenswert gut, wenn man bedenkt, dass Cast und Crew dafür ihren einzigen Ruhetag der Woche opferten – entsprechend knapp war die Probenzeit. Das Lichtdesign war fantastisch, mit brillant eingesetzten Spots und Schatten, besonders im zweiten Teil. Die Royal Air Force Squadronaires lieferten den ganzen Abend über ein hervorragendes musikalisches Fundament und zeigten, warum sie als eine der stärksten Big Bands der Welt gelten.
Auch Matt Flints Choreografie war gleichermaßen komplex wie mitreißend (vor allem Tap Your Troubles Away aus Mack & Mabel), getragen von der wunderbaren Truppe der West End Heroes Dancers. Die Songauswahl funktionierte insgesamt gut, auch wenn es bei einem Militär-Benefizkonzert etwas befremdlich war, ausgerechnet mit Do You Hear People Sing? zu enden – einem Lied, das einen Volksaufstand gegen die Armee anfeuert!
West End Heroes vermied es klugerweise, das Konzert zu einer Gedenkveranstaltung zu machen; stattdessen war es eine Feier des großartigen Talents – sowohl innerhalb des Militärs als auch in der britischen Theaterszene. Regisseur Tim Marshall sagte, er wolle einen „richtig tollen Abend“ bieten; gemessen daran hat die Produktion mit Bravour bestanden – mit fliegenden (militärischen) Fahnen.
Barnaby Thompson und die West End Heroes Dancers. Foto: Claire Bilyard
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