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REZENSION: The Wedding Singer, Sunderland Empire ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Jon Robyns (Robbie) und Cassie Compton (Julia) in The Wedding Singer. The Wedding Singer
Sunderland Empire (UK-Tournee)
25. Februar 2017
5 Sterne
Tourneedaten und Informationen
Sobald man den Zuschauerraum für Nick Winstons Tourneeproduktion von The Wedding Singer betritt, wird man von wunderbar retrohaften Filmtrailern zu Achtziger-Hits wie Rambo, The Goonies, Weird Science und Back To The Future begrüßt. Diese Clips zu sehen, erinnert an die Zeiten, als man vor vielen Monden im Autokino saß. Der Unterschied hier: Winston sorgt dafür, dass wir quasi in einem DeLorean Platz nehmen – für einen Abend, der sich als herrlich ausgelassenes Retro-Spektakel im Theater entpuppt.
Basierend auf dem Film The Wedding Singer aus dem Jahr 1998 (Drehbuch: Tim Herlihy; mit Herlihys College-Kumpel Adam Sandler und Drew Barrymore in den Hauptrollen) haben Matthew Sklar (Musik) und Chad Beguelin (Songtexte) – mit einem Buch von Herlihy und Beguelin – ein Musical zusammengestellt, das vor Comedy nur so strotzt und mit unverschämt eingängigen Ohrwürmern punktet.
Jon Robyns als Robbie in The Wedding Singer.
Winston hat ein echtes Schmankerl für alle geschaffen, die – so wie ich – in den Achtzigern groß geworden sind. Schaut man genau hin, ziehen Achtziger-Popkultur und Jugend-Erinnerungen in einer Parade aus unverhohlenem Achtziger-Kitsch vorbei. Von grotesk veralteter Technik (ja, dich meine ich, Motorola) bis hin zu spritziger Choreografie, direkt aus Michael Jacksons Thriller-Video gerissen. Nichts ist heilig, wenn Winston und das großartige Ensemble diese wunderbare Geschichte zum Leben erwecken.
Als der Wedding Singer selbst ist Jon Robyns ein perfekter Robbie Hart. Er kann singen, er kann tanzen, er spielt auch noch verdammt gut Gitarre – und wenn sein Leben im Müllcontainer landet, hat er einen ganzen Zuschauerraum, der ihm die Daumen drückt. Mit siebzehn Musicalnummern auf der Bühne ist das eine Marathonleistung, die Robyns’ Musical-Theatre-Können eindrucksvoll zur Geltung bringt!
Cassie Compton (Julia Sullivan) ist als Gegenpart zu Robyns schlicht perfekt. Die Chemie zwischen beiden stimmt, und ihre Stimme passt ideal zu dem eingängigen Popsong Someday ebenso wie zur komischen Nummer Come Out Of The Dumpster. Zusammen haben sie Bühnenmagie!
Jon Robyns, Ray Quinn und Company der The Wedding Singer UK-Tournee
Als geldbesessener, frauenverschleißender Widerling des Abends tanzt Ray Quinn wie entfesselt – und trieft dabei vor Machismo, sodass die eine Hälfte der Frauen im Publikum ihn hasst und die andere Hälfte ihn anhimmelt (ihr kennt ja den Spruch: „Treat ’em mean – keep ’em keen!“). In seinem Showstopper im zweiten Akt haut Quinn alle um; wenn jemand jemals Wall Street – das Musical besetzen will, muss er nicht weiter suchen.
Robbies Grandma Rosie wird von Ruth Madoc mit Stil gespielt. Mit deutlich spürbarer Ironie und einem wissenden Augenzwinkern Richtung Publikum sorgt Madoc für pointierte Lacher, rappt sich durch ihre Momente – und zeigt, dass man den jungen Leuten auf der Bühne durchaus noch das eine oder andere beibringen kann.
Samuel Holmes (George) und Ruth Madoc (Grandma Rosie) in The Wedding Singer
Was The Wedding Singer so gut funktionieren lässt, ist das fantastische Figurenkabinett in Robbies Welt. Ashley Emersons kerniger Sammy ist so ein typischer Achtziger-Typ: ein bisschen begriffsstutzig, versteht vieles nicht, bemüht sich aber wahnsinnig, sensibel zu sein und ein „neuer Mann“ – scheitert dabei jedoch grandios. Samuel Holmes’ George ist eine nahezu perfekte Rückblende in eine stilbesessene Kultur; einziges Problem: Der Stil gehört einem gewissen Boy George! Holmes verleiht George einen subtilen, trockenen Humor, der das Publikum kreischen ließ.
Roxanne Pallett bringt Holly, Julias Freundin, die wirklich nur ein ganz klein wenig männerverrückt ist, mit knallpinken Haaren und allem Drum und Dran auf die Bühne. Sie lässt keinen verfügbaren Mann in Ruhe und wirkt dabei deutlich sympathischer als Tara Verloops Linda. Von Grandma Rosie als „skanky whore“ beschrieben, ist Verloop ein Genuss – sie legt in Let Me Come Home eine Nummer hin, die einer Stringfellow’s-Lapdancerin alle Ehre machen würde.
Das Ensemble von The Wedding Singer.
Winstons Wedding Singer hat außerdem ein echtes Ass im Ärmel: eines der derzeit härtest arbeitenden Tournee-Ensembles. Als Gäste bei zahllosen Hochzeiten und einer Bar Mitzwah tanzt sich diese großartig talentierte Truppe durch einige der kitschigsten Tanzroutinen, die man vermutlich zu sehen bekommt – und das mit jeder Menge Stil!
George Dyers großartige Band im Orchestergraben hält die Musik durchgehend auf Betriebstemperatur. Das ist ein poptastischer Sound, der die Füße die ganze Zeit mitwippen lässt – und dank Ben Harrisons präzisem, klarem Sounddesign kommt er auch perfekt beim Publikum an. Dyers Orchestrierungen und Keyboards lassen einen sehr spezifischen Klang lebendig werden, so dermaßen Achtziger-Pop, dass man fast glaubt, dieser junge Maestro habe schon früh am Altar des Synth-Pop der Achtziger angebetet.
Francis O’Connor liefert reichlich Schulterpolster, schmale Krawatten und Kummerbunde – und ein Bühnenbild, das mit seinem reduzierten Achtziger-Feeling einen unweigerlich in der Zeit zurückversetzt.
Wenn The Wedding Singer in die Stadt kommt, kramt eure besten Achtziger-Reste raus und macht euch bereit für einen großartigen Abend. Und wenn ihr die Achtziger nicht miterlebt habt: Geht hin – und seid darauf gefasst, euch köstlich darüber lustig zu machen, wie wir damals drauf waren, während ihr ein wirklich urkomisches Musical genießt.
Fotos: Darren Bell
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