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KRITIK: Freundinnen, Bishopsgate Institute ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Julian Eaves rezensiert Howard Goodalls Musical Girlfriends, aufgeführt vom London Musical Theatre Orchestra im Bishopsgate Institute.

Die Besetzung von Girlfriends. Foto: Nick Rutter Girlfriends

London Musical Theatre Orchestra

Bishopsgate Institute

2. November 2018

4 Sterne

Es war ein grosses Vergnügen, dieses wenig bekannte Musical eines der interessantesten zeitgenössischen britischen Vertreter des Genres, Howard Goodall, in der prachtvollen Umgebung der Great Hall dieses ehrwürdigen Hauses zu hören – gewissermassen ein „Gemeindezentrum für die City“ –, mit einer Starbesetzung und dem grossartigen LMTO, das in Simon Nathans neuen Orchestrierungen (auf Basis der ursprünglichen Partitur des Komponisten) üppige Begleitung lieferte.  Goodall zeichnet hier für Musik und Liedtexte verantwortlich, doch das Kleingedruckte auf der Vorderseite des Programmhefts erinnert uns daran, dass sie „Aus dem Buch von Howard Goodall, Richard Curtis und John Retallack“ stammen – und darin liegt vielleicht der Schlüssel zu dem Rätsel, das dieses Werk aufwirft: Wie kann eine Partitur von solcher Feinheit, solcher Qualität, es nicht geschafft haben, die Vorstellungskraft des Publikums zu packen?  Nachdem ich diese Show nun zweimal unter völlig unterschiedlichen Umständen gesehen habe, glaube ich, dass die Antwort in der vielsträngigen Handlung liegen könnte, die nie ganz ein Zentrum oder einen klaren Fokus findet.  Als Komponist – und auch als Texter – scheint Goodall stets auf einen solchen Punkt zuzusteuern, immer weiter voranzutreiben mit seiner rastlosen musikalischen Fantasie und dabei einige geradezu verblüffende, köstliche Momente zu schaffen; doch sein Libretto scheint ihm letztlich nie zu erlauben, wirklich „anzukommen“ – so, dass er das Werk in seinem (und unserem) Herzen verankern könnte.

Foto: Nick Rutter

Die Dialogszenen wurden hier weitgehend gestrichen – in Bronagh Lagans kühler, disziplinierter Führung der Interaktionen auf der Plattform –, stattdessen gab es eine hilfreiche und oft berührende verbindende Erzählung durch die würdige Präsenz von Group Captain Victoria Gosling.  Damit wurde uns ein grosser Teil der dramatischen Wucht des Werks, die im zweiten Akt liegt, genommen.  Dafür erhielten wir jedoch ein wunderbar subtiles, geschmeidiges Ein- und Ausblenden zwischen den Musiknummern, meisterhaft und brillant ausgeleuchtet von Mike Robertson, sowie nahezu fehlerfrei übertragen (ein oder zwei Mikros wollten nicht so recht mitspielen – was die beträchtliche Kraft und Autorität der Stimmen auf dem Podium jedoch keineswegs bremste) in Avgoustos Psillas’ Sounddesign.  Das Orchester war jederzeit tadellos abgenommen – zum Glück, denn die Vorstellung, die ich besuchte, wurde mitgeschnitten: Tragen Sie sich über die Website des LMTO für eine CD ein; Sie werden dieses Werk immer wieder hören wollen, das versichere ich Ihnen.

Unter den WRAAFs, die ihren Beitrag zum Kriegseinsatz gegen die Nazi-Aggression leisten, war es eine Freude, Lucie Jones als Lou in hervorragender stimmlicher Form zu hören: Sie reift grossartig, mit meisterhaft klarer Artikulation und einer scheinbar mühelosen, gesprächsnahen Leichtigkeit im Ausdruck, die stets fesselt.  Lauren Samuels gefiel als die im Kontrast leidenschaftliche und verzweifelte Amy und machte viel aus ihren Passagen in der Tiefe, die es einem hoch emotiven Alt erlaubten, jedes Herz im Saal zu durchdringen.  Bronte Barbe war als Jane ähnlich willensstark und stimmlich präzise.  Natasha Barnes bewies ihren Wert mit herrlich beweglichem, glockenhellem Gesang in der Höhe, und Vikki Stone zog als Jasmine alle emotionalen Register.  Als Stimme der karrierebewussten Fliegerin, NCO Woods, erinnerte Lizzie Woffords strenge, entschlossene Darstellung an all die Dinge, die eine gewisse Frau in der Number 10 Downing Street jüngst einer erwartungsvollen Nation versprochen hat.  Und als die Kerle, die die Flugzeuge fliegen (und ihnen laut Geschichte mehr lieben als alles oder jeden sonst), war Rob Houchen als Guy ein echter Matinee-Idol, mit einem strahlenden Tenor, der scheinbar direkt vom Himmel geschickt wurde, und Chris McGuigan ein erdigerer, robuster Gareth: Da unsere Aufmerksamkeit ganz auf ihrer musikalischen Aktivität lag, erinnerten mich ihre Rollen stark an Ferrando und Guglielmo in „Cosi“.  Lisa Bridge, Charlotte Clitherow und Tara Divina verliehen ihren Ensembleparts das Gewicht eines ganzen Chors.

Foto: Nick Rutter

Eine der grossen Stärken des LMTO ist die Art, wie es weiterhin mit einem Pool von Künstlerinnen und Künstlern arbeitet und ihnen ermöglicht, in dieser Präsentationsform eine beachtliche Bandbreite und Expertise zu entwickeln.  Wohin das Freddie Tapners hervorragendes Ensemble letztlich führen mag, ist schwer zu sagen – aber er hat hier etwas in der Hand, das immer weiter wächst.  Ebenso wie seine Kunst.  An diesem Abend holte er als Dirigent aus dem Orchester einige der erstaunlichsten, packendsten Klänge heraus, die ich je in einem Musicaltheater – oder überhaupt von irgendeinem Orchester – gehört habe: Es gab viele Momente, in denen die Zeit stillstand; wir waren im Griff von etwas Magischem und Wunderbarem und spürten ganz intensiv die Kraft der Kunst, die uns in einen völlig anderen Seinszustand versetzt.  Zugleich beeindruckten seine Führung des Ensembles, sein Gespür für den epischen Atem dieser Kriegserzählung, sein Timing des Abends und seine Fähigkeit, immer wieder die Momente gesteigerter Empfindung in dieser treffend austarierten Mischung aus persönlicher Schlichtheit und wunderbarer Komplexität zu finden – wodurch er für jede einzelne Stimme, die zu hören war, eine Empathie und Verbundenheit aufbrachte, die uns die Menschlichkeit selbst in ihrer glorreichsten Gestalt zeigte.

WEBSITE DES LONDON MUSICAL THEATRE ORCHESTRA

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