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KRITIK: Er schießt, er trifft, Above The Stag Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
8. Juli 2017
Von
julianeaves
Er schießt! Er trifft!
Above The Stag
7. Juli 2017
4 Sterne
Wenn es eine Sache gibt, auf die wir uns bei Above The Stag verlassen können, dann sind es hochwertige homoerotische Neckereien mit einem moralischen Wohlfühl-Nachklang – und diese Show ist keine Ausnahme. Das eingespielte hauseigene Panto-Autorenduo Jon Bradfield und Martin Hooper wurde hier gewonnen, eine passend sommerlich-festive Unterhaltung zu entwickeln – angesiedelt in der faszinierenden Welt des schwulen – und heterosexuellen – Amateurfußballs. Ein treffendes Umfeld, um heutige Vorstellungen rund um männliche Sexualität zu beleuchten, gerade einmal 50 Jahre nach der teilweisen Entkriminalisierung von Homosexualität unter Männern in Großbritannien.
Dieses Haus hat ein fähiges „Team“ zusammengestellt, um Bradfields und Hoopers wunderbar beschwingtes und angenehm freches Buch auf die Bühne zu bringen. Bradfield steuert außerdem eine Reihe gut gebauter Songs bei, die die Geschichte kommentieren und ihr mit dem Untertitel „Ein Musical mit Eiern“ zusätzlichen Nachdruck verleihen … verstanden? … ausreichend „boom-boom!“, um diese Komödie mitten im Mainstream des britischen Humors zu verorten. Unter der Regie des stets frischen, quasi hausansässigen Gurus Robert McWhir – flüssig und mit feinem Gespür – und choreografiert von seiner langjährigen Mitstreiterin, der Branchenveteranin Carole Todd, freut sich die Produktion über ein Ensemble, das einige ziemlich pfiffige Moves mühelos umsetzt. Dieses Pfund wird weidlich genutzt: Gemeinsam lassen sie die Bühne förmlich vor Aktivität sprudeln, wodurch die seltenen Momente der ruhigen Reflexion umso stärker wirken. Vor allem aber ist es eine liebenswerte Plattform für eine Reihe gutaussehender Nachwuchstalente, die hier selbstbewusst auftrumpfen dürfen.
Unter ihnen gibt Jamie Barwood einen sympathischen Joe, den Mittelstürmer dieser Geschichte, der aus der Provinz in die Hauptstadt zieht, um einen neuen Job anzutreten – während sein Ex und ebenfalls fußballbegeisterter Richard Watkins auf dem Land auf der Bank bleibt … bis er in einer der vielen glücklichen Wendungen des Buchs wieder auftaucht. In London wirkt im Mittelfeld die Queen der neuen Mannschaft: Duncan Burts Tayzr, der alles ist, was man camp nennt – nur eben ohne in High Heels zu spielen. Harry Cooper-Millars Pete, Danny Coutos Will und Tom Manns Liam komplettieren die Fünfertruppe: ganz in bester Fringe-Tradition kommt das Team ohne Zweitbesetzungen aus, wodurch Joey Goodwin und Andrew Cannon gleich eine Handvoll ebenso pointiert gezeichneter Nebenrollen übernehmen können. Das versorgt die Handlung konstant mit Komplikationen und unvorhergesehenen Entwicklungen.
Für die Umsetzung liefert David Shields ein schlichtes, aber wirkungsvolles Bühnenbild – das in seiner Reduktion vielleicht an „Kick it like Beckham“ erinnert – sowie Kostüme, die die (größtenteils) beeindruckenden Körper auf der Bühne bestens zur Geltung bringen. Jamie Platt setzt das Ganze ins vorteilhafteste Licht, und Haus-Schützling/MD Simon David hält die Musik sprudelnd am Laufen – von einem gelegentlich mit Playback unterstützten Tasten-Setup in den Seiten. Bradfields Songs haben einen angenehm „poppigen“ Sound, sind im Szenario klug platziert und werden durch geschickte Reprisen und Untermalungen zusammengehalten, die der Reise zusätzliche Kohärenz geben. Auch wenn sie einem nach dem Hören nicht unbedingt lange im Ohr bleiben, leisten sie Großes, um Hoopers Buch, während es vorüberzieht, emotional zu vertiefen.
Am stärksten nachhallt jedoch der helle, heitere, optimistische Humor des Textes – als Echo dieser Geschichte über ganz normale schwule (und nicht schwule) Fußballkerle. Dazu kommt die vergnügliche Atmosphäre des eigentümlich geschnittenen Theaters – das derzeit einen Umzug in deutlich größere Räumlichkeiten gegenüber von MI6 plant – und schon hat man ein äußerst attraktives Gesamtpaket. Also: Nicht nur starren … geh rüber und sag Hallo. Man weiß nie, wohin das führen kann.
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