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KRITIK: Machtspiel: Der leere Stuhl, Pleasance Pop Up, Edinburgh Fringe ✭✭
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markludmon
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Mark Ludmon rezensiert Power Play: The Empty Chair im Pleasance Pop-Up – präsentiert im Rahmen des Edinburgh Fringe
Power Play: The Empty Chair The Pleasance Pop-Up, 21 Broughton Street, beim Edinburgh Fringe
Zwei Sterne
Von Harvey Weinstein bis Kevin Spacey: Die Debatte über Macht in Hollywood und der gesamten Unterhaltungsbranche bleibt ein Dauerbrenner. Da #MeToo weiterhin in den Schlagzeilen ist, war es nahezu unvermeidlich, dass das Thema beim diesjährigen Edinburgh Fringe aufgegriffen wird – und tatsächlich beschäftigen sich mehrere Stücke mit toxischer Männlichkeit und den Folgen sexueller Übergriffe. Im Mittelpunkt von Polly Creeds The Empty Chair steht genau diese große Frage. Das Stück ist Teil des Power-Play-Programms im Pleasance Pop-Up, das in einer Wohnung im zweiten Stock in der Broughton Street untergebracht ist.
Das Publikum sitzt auf Sofas; das Esszimmer wird zum Zuhause der Schauspielerin Grace in Beverly Hills, Los Angeles, wo sie für drei Freundinnen und Freunde Drinks nach der Oscarverleihung ausrichtet. An einem Esstisch mit fünf Stühlen sitzen die vier beisammen, tratschen und witzeln – doch die zunächst unbeschwerte Unterhaltung driftet zunehmend ins Persönliche, als drei von ihnen von traumatischen sexuellen Erlebnissen berichten, in die ein mächtiger Hollywood-Mogul, Martin Wheeler, verwickelt ist. Er ist abwesend – der fünfte Stuhl –, doch nach und nach entsteht das Bild eines Umfelds, in dem ältere Männer sich weiterhin im Recht fühlen, junge Frauen auszunutzen. Die vierte Person im Raum ist Martins Ehefrau, die mit den vertrauten Argumenten kommt, kreativen, talentierten Männern müsse man einen gewissen Spielraum zugestehen – doch das Stück macht klar, dass das nicht akzeptabel ist.
Die Berichte, die die drei Betroffenen offenlegen, klingen erschreckend real – und tatsächlich basieren sie auf Erfahrungen aus dem wirklichen Leben. Es ist wichtig, dass diese Geschichten gehört werden, doch The Empty Chair findet nur schwer eine emotionale Verbindung zu den Figuren, die distanziert und schematisch wirken. Abgesehen von den Schilderungen gibt es wenig Handlung oder Spannung, und so sehr der banale Small Talk das erlittene Trauma unterstreichen soll: Davon gibt es schlicht zu viel.
Die Aufführung ist mit einer neuen Kampagne des Power-Play-Kollektivs von Theatre-Aktivistinnen und -Aktivisten verknüpft, die Geschlechterungleichheit beim Edinburgh Fringe untersuchen will. Dazu gehört die „Power Stations“-Umfrage zu den Erfahrungen von Mitwirkenden, deren Ergebnisse in eine statistische Auswertung durch Ökonominnen und Ökonomen am University College London und am Institute of Fiscal Studies einfließen sollen. Da Power Play den Fokus auf Stücke legt, die von Frauen geschrieben wurden und überwiegend Frauen in den Mittelpunkt stellen, will die Kampagne auf Ungleichheiten im britischen Theaterbetrieb aufmerksam machen: 65% des Theaterpublikums sind weiblich, aber nur 28% der Dramatikerinnen und Dramatiker sind Frauen. Das Power-Play-Programm ist ein kleiner Baustein im Kampf gegen diese Ungleichheit – doch bis zur echten Gleichstellung ist es noch ein weiter Weg.
Läuft bis zum 25. August 2018
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