NACHRICHTEN
REZENSION: [title of show], Waterloo East Theatre ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
9. September 2016
Von
sophieadnitt
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Waterloo East Theatre
8. September 2016
Fünf Sterne
Jeff und Hunter sind zwei Typen, die ein Musical über zwei Typen schreiben, die ein Musical schreiben. Sie beschliessen, dass alles, was sie sagen – jedes beiläufige Gespräch, jede Popkultur-Anspielung, jeder schräge Gedanke, der ihnen durch den Kopf schiesst – in ihr Skript kommt.
Das Ergebnis steht ganz in der grossen Tradition von Noises Off und The Play That Goes Wrong: ein leicht chaotischer Liebesbrief an die Bühne und all ihre Hürden – kreative Kämpfe, Streit hinter den Kulissen und alles, was dazugehört. Es ist zudem herrlich meta und selbstbewusst, mit ständigen Erinnerungen daran, dass dies eine Show ist, die Figuren in einer Show sind – und wer um alles in der Welt schaut sich so etwas an? Ein trockener, wissender Seitenblick ins Publikum. Kaum hat es sich in der auf der Bühne erschaffenen Welt zu gemütlich gemacht, verkündet Hunter, die Szene, die wir gerade sehen, werde zu lang, und katapultiert die Show in die nächste. Maximale Selbstreferenzialität – und es funktioniert wunderbar.
Es gibt immer die Sorge, dass solche „Behind-the-Scenes“-Shows ausschliesslich für Theater-„Liebhaber*innen“ sind – und das Premierenpublikum schien tatsächlich auffällig performerlastig, mit mitfühlenden Seufzern und Lachern, wenn sie den Frust wiedererkannten, zum Beispiel eine Rolle an das Mädchen zu verlieren, das nasal singt, aber eben besser ins Kostüm passt.
Aber das ist keineswegs nur Stoff für Theaterkinder: Hunter Bells Buch steckt voller Wortwitz und feiner Gags, die jedem Publikum ein Lächeln entlocken – alles mit Esprit und grenzenloser Energie serviert von der beherzten Viererbesetzung (fünf, wenn wir Keyboarder Larry mitzählen, gespielt vom Musical Director Oliver Rew, der die Musiknummern mit Leichtigkeit und grossem Können trägt).
Von Wicked bis Avenue Q ist kein Element des Broadway des 21. Jahrhunderts sicher. Popkultur-Referenzen pflastern das Skript, verankern es fest in den frühen Nullerjahren und lassen zugleich erkennen, dass es eher charmant retro wirken wird, statt veraltet zu klingen. Die Besetzung gibt in der spritzigen zweistündigen Show durchgehend Vollgas und häuft Musical-Hommagen en masse an – es gibt Jazz Hands, ausgestreckte Diva-Arme, Traumsequenzen mit interpretativem Tanz und sogar einen Les Mis-artigen Marsch in der Eröffnungsnummer.
Louie Westwood als Hunter glänzt in dieser Performance wirklich. Camp und überschäumend, wird jede Aussage von einer theatralischen Geste begleitet – jederzeit kurz davor, in Gesang auszubrechen. Westwood erschafft eine urkomische, herrlich überzeichnete Figur, ohne je ins Nervige abzurutschen. Daniel Mack Shand als Jeff ist dazu das perfekte Gegenstück: zurückhaltend, wissend und selbstironisch. Er spielt mit beruhigender Sicherheit und behauptet sich mühelos gegen die überlebensgrossen Persönlichkeiten seiner Freunde.
Malindi Freeman ist als schrullige Susan ein unerwartetes Highlight – wunderbar trocken in ihrer grossen Nummer „Die Vampire Die“. Susan ist zudem hyperbewusst, dass sie eine Figur in einem Musical ist, und treibt das auf herrlich komische Spitzen. Chloe Hawkins als ewiges Chorusgirl Heidi zeigt eine starke, süsse Stimme und ein feines komödiantisches Timing.
Ein schlichtes Bühnenbild – darunter die erwähnten vier Stühle und ein Keyboard – lässt das Geschehen mühelos von Szene zu Szene fliessen. Auch das wird von den Figuren kommentiert, wenn sie staunen, wie sie mit nichts weiter als Zwischenmusik von Ort zu Ort springen können. Die ganze Show ist ein Wirbel aus Lärm, Lachen und Energie – und am besten ist, dass alle Beteiligten wirken, als hätten sie einen völlig absurd grossartigen Spass. Das steckt an, und bis zum überraschend rührenden Finale fiebert das Publikum voll mit diesem schrägen Quartett mit.
Alles in allem ist schlichte, geradlinige Unterhaltung und ein liebevoller Blick auf den Prozess des einfachen „Auf-die-Bühne-Bringens“. Wie die Figuren selbst anmerken: Wer sagt, dass man mit vier Stühlen und einem Keyboard kein Musical machen kann?
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