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KRITIK: Der Buchklub, King's Head Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

alexaterry

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Der Buchclub

King’s Head Theatre, 13. Oktober 2016

3 Sterne

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Wohl nie wurde ein wahreres Wort gesprochen, als Ernest Hemingway sagte: „Es gibt keinen Freund, der so treu ist wie ein Buch.“ Wie so viele sieht Debra in Roger Halls „Der Buchclub“ ihr Bücherregal als Portal und verschlingt begierig die Seiten einer Geschichte – in der Hoffnung, durch Fiktion ein besseres Verständnis vom Leben zu gewinnen.

Als Debra, eine Hausfrau mittleren Alters, den Buchclub in dem Haus veranstaltet, das sie mit ihrem Mann Walter teilt, lädt sie den lokalen Autor Michael Gordon ein. Ganz buchclubtypisch – obwohl man durchaus vorhat, über den Roman zu sprechen – übernehmen zwischen süssen Häppchen und ein paar Schlucken Wein oder etwas Stärkerem schnell Alltagsklatsch und Sorgen der Gastgeberin. Nachdem ihre Tochter ihr an den Kopf wirft, sie „nippe“ nur am Leben, und Debra sich zunehmend einsam fühlt, während Walter die „Mannopause“ durchlebt, beginnt sie eine Affäre mit Michael – auch wenn sie bei ihren Zärtlichkeiten immer wieder von seinem schmutzigen Fussboden und seinen löchrigen Socken abgelenkt wird. Von Schuldgefühlen überschwemmt und zugleich verwirrend glücklich, ist Debra hin- und hergerissen zwischen einer sicheren, aber erstarrten Ehe und einem lustvollen, aber egoistischen Schriftsteller.

Auf dem Papier verspricht Halls Einpersonenstück schlagfertige, komische Unterhaltung – doch trotz der Bauchlacher und des „Ooohs“ aus dem Publikum wollte bei mir das Lächeln einfach nicht bis in die Magengrube rutschen. Für mich ist die Geschichte extrem vorhersehbar, und die Gags sind oft zu offensichtlich, sodass die Pointe selten wirklich sitzt. Trotzdem schreibt Roger Hall bildreich und detailverliebt und hat ein leicht anpassbares Skript geschaffen, das sich mit den jeweils populären Geschichten seiner Zeit weiterentwickeln lässt. Regisseurin Nadia Tass und Amanda Muggleton (Debra) haben ein immersives Theatererlebnis geschaffen, das die vierte Wand durchbricht – was Geschmackssache ist: Für alle, die im Schutz der Dunkelheit des Zuschauerraums lieber anonym bleiben, kann das aufdringlich wirken; für andere entsteht dadurch eine unmittelbare Nähe. Als Soloabend ist das für mich ein schöner Kniff, denn es fühlt sich an, als wären wir zu Debras Buchclub eingeladen und säs­sen in ihrem Wohnzimmer, während sie ihre 90-minütige Geschichte erzählt, mit dem Publikum spricht und einzelne Zuschauerinnen und Zuschauer sogar umarmt, als kenne man sich seit Jahren.

Wenn ich einen Hut aufgehabt hätte, hätte ich ihn vor Amanda Muggleton gezogen. Auch wenn ich die Figur nicht sonderlich sympathisch fand, ist Muggletons ausgedehnter Monolog lebendig und fantasievoll. Menschen, Orte und Ereignisse werden wirklich greifbar, wenn sie mit Akzenten und Körpersprache eine ganze Reihe von Figuren zeichnet, die in ihrer Erzählung auftauchen – darunter Meredith, die verschnupfte Lehrerin, die ihre Sätze regelrecht „schnieft“, und Milly: die walisische Frau, der sie alles anvertraut.

„Der Buchclub“ wirkt in seinem Humor etwas angestaubt und ist aus einem Klischee heraus gemeisselt, aber er fängt doch ein, warum Bücher nicht bloss ein Accessoire sind, sondern ein wesentlicher Teil des Lebens. Wie wahr es ist, dass wir uns manchmal mit den Menschen in den Büchern, die wir lesen, stärker verbunden fühlen als mit den Figuren in unserem eigenen Leben. Es hat mich nicht ganz so gekitzelt, wie ich erwartet hatte – aber warum nicht mit dem eigenen Buchclub einen Ausflug ins King’s Head Theatre planen? Ein Haus, das keinerlei öffentliche Förderung erhält, auf Ticketverkäufe und Spenden angewiesen ist und Künstlerinnen und Künstlern in einer so umkämpften Branche dennoch wichtige Chancen bietet.

Und – wer weiss – vielleicht kitzelt es euch ja mit einer deutlich grösseren Feder als mich.

„Der Buchclub“ läuft im King’s Head Theatre bis zum 5. November 2016.

TICKETS FÜR „DER BUCHCLUB“ IM KING’S HEAD THEATRE BUCHEN

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