NACHRICHTEN
REZENSION: Blutsbrüder 2017, New Victoria Theatre Woking (auf Tournee) ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
18. Januar 2017
Von
douglasmayo
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Die Besetzung von Blood Brothers (frühere Besetzung) Blood Brothers
New Victoria Theatre, Woking
Derzeit auf Tour
17. Januar 2017
4 Sterne
Tour-Infos – jetzt buchen Es gibt einen Grund, warum Blood Brothers zu den am drittlängsten laufenden Shows der West-End-Geschichte zählt – und warum die Tournee seit Jahren so erfolgreich ist (ich glaube, nur Bill Kenwright und Willy Russell wissen ganz genau, wie lange diese Tour schon unterwegs ist!). Und genau deshalb standen heute Abend in einem ausverkauften Haus in Woking am Ende wirklich alle auf: Das ist ein Musical ohne grossen Firlefanz, das einem direkt ins Herz geht.
Für mich war es spannend, diesen Dauerbrenner heute mit einer Blood-Brothers-Neulingin zu sehen. Manchmal muss man sich bewusst machen, dass es tatsächlich noch Leute gibt, die diese Show noch nicht gesehen haben – deshalb würde ein zu tiefer Einstieg in die Handlung zu viele Spoiler liefern. Also spreche ich lieber über die Leistungen und die Qualität der Inszenierung selbst.
Blood Brothers steht und fällt mit ein paar entscheidenden Dingen. Wenn man bei einem davon danebengreift, ist man schon verloren, bevor es richtig losgeht. Erstens: Da die meisten Darsteller*innen ein Spielalter von etwa 7 bis 28 haben, muss man ihnen die Kinder wirklich abnehmen. Zweitens: Wahrheit und Intensität des Bühnendramas dürfen nie nachlassen (immer eine Herausforderung bei lang laufenden Produktionen und auf Tour). Und drittens: Timing ist alles – diese Show hat ein Finale der Extraklasse, aber wenn es nicht sitzt, geht alles den Bach runter.
Diese Besetzung trifft die kindlichen Facetten, die die Rollen verlangen, punktgenau. Körperlichkeit, nuancierte Reaktionen und dieses vorsichtige Draufgängertum brachten das Publikum immer wieder zum Lachen. Wunderschön gemacht – und dank der sorgfältigen Personenführung ist die jugendliche Energie des ersten Akts ein echtes Vergnügen. Adam Search als Sammy, Alison Crawford als Linda, Joanne McShane als Brenda und Henry Regan als Perkins (aua!) waren einfach grossartig.
Frühere Besetzung: Sean Jones & Simon Willmont
Als Zwillinge waren Sean Jones (Mickey) und Mark Hutchinson (Eddie) absolut auf den Punkt – während sich das ganze „Nature vs. Nurture“-Szenario im Grossbritannien der Thatcher-Jahre entfaltet. Durchweg starke Leistungen, und eine echte Verbundenheit machte dieses Duo zu einer der besseren Kombinationen, die ich bisher gesehen habe.
Die Rolle des Erzählers, gespielt von Dean Chisnall, ist eine knifflige Angelegenheit. Der Erzähler in Blood Brothers ist die Verkörperung der Wahrheit. Immer da – trotz Verdrängung und Selbstbetrug – konfrontiert er die Hauptfiguren in ihren verletzlichsten Momenten und führt das Publikum durch diese raue Geschichte. Chisnall liefert das eindrucksvoll: kühl und elegant, zugleich bedrohlich und ständig präsent – eine frische Interpretation einer Figur, die sonst leicht im Schatten verschwinden kann.
Diese Blood-Brothers-Truppe kann sich glücklich schätzen: Tim Churchill als Mr Lyons, Graham Martin, dessen Verwandlung vom Public-School-Headmaster zum überarbeiteten Lehrer an einer Gesamtschule herausragend war, und Sarah Jane Buckley als Mrs Lyons, deren Paranoia in Hülle und Fülle da ist – nie überzeichnet, sondern unterschwellig brodelnd, bis sie ohne ein Wort überkocht und so das Ende der Geschichte vorbereitet. Ein starkes Ensemble aus hervorragenden Darsteller*innen.
Frühere Besetzung mit Lyn Paul als Mrs Johnstone
Und dann natürlich die grossartige Lyn Paul als Mrs Johnstone. Das ist eine Darstellung voller Wahrheit, Lebenserfahrung und schlichtem Können. Paul verströmt Eimer voller mütterlicher Liebe – so sehr, dass man sie bis in den letzten Winkel eines grossen Zuschauerraums spürt. Am Ende sieht man wirklich das blasse Gesicht einer verzweifelten Mutter. Perfekt.
Ich liebe es immer, Blood Brothers mit einem Publikum voller Teenager zu sehen. Die nehmen keinen Mist hin. Während der Vorstellung heute Abend waren sie still, dann wieder am Lachen, voll drin im Drama – und nach der Show jubelten sie, bevor sie sich in kleinen Grüppchen mit Tränen in den Augen zusammendrängten. So gross ist die Kraft ehrlichen Geschichtenerzählens. Bob Tomson und Bill Kenwright (Regie), Phil Gostelow (Musikalische Leitung) und Andy Walmsley (Bühnenbild), Nick Riching (Licht) und Dan Samson (Ton) verdienen Glückwünsche dafür, dass sie die Show frisch, lebendig und für junges Theaterpublikum relevant halten.
Zu meinen zwei Lieblingsmomenten heute Abend gehörten Miss Jones sowie die Nummern „Shoes Upon The Table“/„Madman“. Im Grossbritannien der Sparpolitik traf Miss Jones – inklusive der Schlange vorm Arbeitsamt – einen Nerv.
Und was die Präzision betrifft, die ich beim Schluss angesprochen habe: Die war punktgenau. Das nervöse Kichern eines schockierten Publikums war genau so zu hören, wie es sein muss.
Wenn du Blood Brothers noch nicht gesehen hast, solltest du dir diese Tour unbedingt vornehmen. Wobei – wenn die Show an einem Dienstagabend ein Theater füllt, musst du dich vermutlich beeilen!
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Wir bitten um Entschuldigung: Als diese Kritik online ging, waren noch keine aktuellen Cast-Fotos verfügbar.
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