NACHRICHTEN
REZENSION: Daddy Langbein, Off-Broadway-Castaufnahme ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Daddy Long Legs
Off-Broadway-Castaufnahme
Ghostlight Records
4 Sterne
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Daddy Long Legs ist eine neue, mit nur zwei Darsteller*innen besetzte Musical-Adaption des gleichnamigen Romans von Jean Webster. Die Musik und die Liedtexte stammen von Paul Gordon, das Buch von John Caird.
Viele dürften den gleichnamigen Film von 1955 kennen, mit Fred Astaire und Leslie Caron in den Hauptrollen. Falls das auf Sie zutrifft: Streichen Sie alle Vorannahmen aus dem Kopf und hören Sie dieses Castalbum mit frischen Ohren – denn es orientiert sich sehr deutlich am Originalroman.
Daddy Long Legs erzählt die Geschichte von Jerusha Abbott, „dem ältesten Waisenkind im John Grier Home“. Jerusha erlebt eine glückliche Fügung, als ein geheimnisvoller Gönner sie aufs College schickt, damit sie zur Schriftstellerin ausgebildet wird. Die Vereinbarung: Sie schreibt ihrem Förderer jeden Monat einen Brief – obwohl klar ist, dass er sie womöglich nie liest. Da Jerusha annimmt, es handele sich um einen älteren Herrn, gibt sie ihm eine Identität: Daddy Long Legs.
Natürlich liest ihr Gönner (für das Publikum als Jervis Pendleton erkennbar) die Briefe – und um die Sache zu verkomplizieren, stellt er sich Jerusha anonym vor, woraufhin sich zwischen beiden eine Beziehung entwickelt. Völlig ahnungslos über seine wahre Identität beginnt sie, in ihren Briefen an den Wohltäter auch Details über ihre Begegnungen und die wachsende Nähe zu erzählen. Das erinnert an die Brontës und Austen in Bestform.
Jerusha wird von Megan McGinnis gespielt, Jervis von Paul Alexander Nolan. McGinnis ist eine wunderbare Jerusha – ein Mädchen, das sich fragt, ob sie „Alice im Wunderland, gestrandet in Vanity Fair“ sei. Diese junge Frau hat Biss, und das kommt auf der Aufnahme deutlich rüber. Alexander Nolan klingt ganz und gar wie der romantische Gegenpart, und die stimmliche Mischung der beiden macht die Partitur ungemein angenehm zu hören. Während ich diese Kritik schreibe, habe ich die Aufnahme bereits viermal gehört – und entdecke in dieser romantischen Komödie mit jedem Durchlauf mehr. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass sich das Musical auch für Zuschauer*innen frisch anfühlen dürfte, die ein zweites oder drittes Mal hingehen – und das ist definitiv etwas Gutes.
Die Musik von Daddy Long Legs fühlt sich ganz nach Musical an – mit Orchestrierungen, die stellenweise an Jason Robert Browns The Last Five Years erinnern, und dann wieder mit gitarrengetragenen Nummern aufblitzen, die einen Pop-/Folk-Touch haben. Offensichtlich haben Caird und Gordon viel Arbeit investiert, um ein kluges Kammermusical zu schaffen – und meiner Meinung nach ist ihnen das gelungen.
Jeder Song treibt die Handlung voran, und es gibt Melodien en masse. Während sich die Beziehung dieser beiden Figuren über ihre Briefe entwickelt, springen Gordons gehaltvolle Texte besonders ins Ohr. In der heutigen Zeit muss das Publikum allerdings etwaige anrüchige Gedanken darüber, was Jervis antreibt, beiseiteschieben und an einfachere Zeiten und Umstände denken. Tauchen Sie ein in eine Welt, in der Gesellschaftskommentare à la Austen oder Brontë allgegenwärtig waren – dann sind Sie bei Daddy Long Legs genau richtig.
Bei einer so reichen Partitur ist es schwer, einzelne Glanzmomente herauszupicken, aber Like Other Girls, Things I Didn’t Know, das beschwingte I’m a Beast, The Colour Of Your Eyes, The Secret Of Happiness, Charity und All This Time waren für mich Highlights.
Ich habe Daddy Long Legs leider während der Londoner Spielzeit im St James Theatre verpasst – ebenso wie den jüngsten Livestream aus seiner aktuellen Off-Broadway-Heimat, dem Davenport Theatre. Aber für meinen nächsten New-York-Besuch steht es nun ganz oben auf der Liste.
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