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REZENSION: Eine Handvoll Lügen, Menier Chocolate Factory ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

markreed

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Mark Reed bespricht Hugh Whitmores Stück „Pack Of Lies“, das derzeit in der Menier Chocolate Factory zu sehen ist.

Jasper Britton (Stewart), Chris Larkin (Bob Jackson), Macy Nyman (Julie Jackson) und Finty Williams (Barbara Jackson) in „Pack Of Lies“. Foto: Nobby Clark Pack Of Lies

Menier Chocolate Factory

2. Oktober 2018

Jetzt buchen „Pack Of Lies“ wurde vom Dramatiker und Drehbuchautor Hugh Whitmore bereits 1983 geschrieben. Basierend auf einer wahren Begebenheit aus den 1960er-Jahren folgt das Stück dem Leben von Barbara und Bob Jackson – einem ganz normalen, aber rundum zufriedenen Paar, das in Ruislip einen beschaulichen Alltag führt. Doch als ein Ermittler von Scotland Yard fragt, ob er Agenten in ihrem Haus unterbringen darf, um in der Gegend einen sowjetischen Spionagering aufzudecken, wird ihr Leben schlagartig auf den Kopf gestellt. Und als wäre das nicht genug, fürchten sie, der Ermittler könnte es auf ihre Nachbarn und guten Freunde Helen und Peter Kroger abgesehen haben. Daraus entspinnt sich das Drama, das sich über zweieinhalb Stunden in der Menier Chocolate Factory entfaltet.

Tracey-Ann Oberman (Helen Kroger) und Finty Williams (Barbara Jackson) in „Pack Of Lies“. Foto: Nobby Clark

Regisseurin Hannah Chissick hat eine starke Inszenierung geschaffen. Beziehungen und Figuren sind fein gezeichnet, und die Eigenheiten der Familie Jackson werden hervorragend charakterisiert. Tochter Julie jagt dem ungeeigneten Bad Boy hinterher und behauptet zugleich, dass chronisches Zuspätkommen in der Schule einfach in ihrer Biologie liege.  Wenn Barbara sich nicht gerade um ihre Tochter sorgt, bietet sie allen und jedem eine Tasse Tee an und richtet Kissen auf. Bob bekommt von allem, was in seinem Haus vor sich geht, kaum etwas mit und ist vor allem damit beschäftigt, dass Besucher nicht in seinem Sessel Platz nehmen. Alle drei Darsteller liefern charmante Leistungen ab, und in ihren Begegnungen steckt viel Humor.

Finty Williams (Barbara) und Macy Nyman (Julie) in „Pack Of Lies“. Foto: Nobby Clark

In regelmäßigen Abständen schaut die faszinierende Helen Kroger vorbei – ihren Mann im Schlepptau. Sie wirbelt durch das Haus der Jacksons, zieht alle in ihren Bann, bevor sie sich aufs Sofa wirft und sich eine Zigarette anzündet. Sie ist laut, forsch und maßlos – und doch von allen geliebt. Gleichzeitig ist sie warmherzig und hängt sehr an Barbara und Julie.

Jasper Britton (Stewart) und Finty Williams (Barbara) in „Pack Of Lies“. Foto: Nobby Clark

Das Bühnenbild ist wunderschön detailliert, und mein Blick blieb sofort an den zeittypischen Möbeln und all den Retro-Objekten hängen. Paul Farnsworth hat hier großartige Arbeit geleistet; es gibt unzählige kleine Zusätze, die helfen, die Epoche lebendig werden zu lassen.

Sobald alle Hauptfiguren etabliert sind, nimmt die Inszenierung kurz den Fuß vom Gas. Man spürt, dass etwas passieren wird – aber es dauert einen Tick zu lange, bis es so weit ist. Zum Glück schaltet das Stück gegen Ende der ersten Hälfte einen Gang höher, wenn wir sehen, wie Barbara damit ringt, ihre Freundin zu belügen, und ihr zugleich zu misstrauen beginnt.

Sowohl Tracey-Ann Oberman als auch Finty Williams liefern außergewöhnliche Leistungen. Oberman besitzt eine betörende Bühnenpräsenz – man kann den Blick kaum von ihr abwenden, wenn sie auf der Bühne steht. Finty Williams spielt Barbara mit gewaltiger emotionaler Wucht, zerrissen zwischen Verrat, Lügen und einer unerschütterlichen Loyalität gegenüber ihrer Freundin.

Jasper Britton als Stewart in „Pack Of Lies“. Foto: Nobby Clark

In der zweiten Hälfte hebt diese Produktion richtig ab. Das Stück lässt uns fragen, ob wir die Menschen um uns herum jemals wirklich kennen – und, noch wichtiger, ihnen vertrauen – können. Sind unsere Cousins, Kolleginnen, Freunde und Nachbarn wirklich die, für die sie sich ausgeben? Und ist es wichtiger, das Richtige zu tun, oder unseren Freunden gegenüber das Richtige zu tun? Oberman und Williams halten diese Fragen präsent, während die Spannung bis zum Schluss stetig steigt. Ihre letzte gemeinsame Szene ist wunderschön intim, unheimlich nachhallend und völlig verheerend.

Auch der Rest des Ensembles überzeugt mit feinem Spiel. Chris Larkins Darstellung von Bob ist erstklassig – mit komischer Körperlichkeit und berührenden direkten Ansprachen ans Publikum. Macy Nyman zeichnet ein genau beobachtetes Porträt der Teenagerin Julie, die verzweifelt daran glaubt, erwachsen zu sein, aber in vielerlei Hinsicht noch ein Kind ist. Jasper Britton trifft Stewart genau richtig und beschwört perfekt diesen vollendeten Spionagejäger herauf, der – wie er selbst sagt – sehr gut in seinem Job ist.

Am Ende des Stücks fragte ich mich auf dem Heimweg, was wohl aus den Krogers und den Jacksons geworden ist. Für mich ist das das Kennzeichen eines großartigen Theaterabends: eines, der einen rätseln lässt, der Gedanken nachklingen lässt und der einen dazu bringt, noch ein kleines bisschen mehr über das Leben der Menschen wissen zu wollen, die man gerade auf der Bühne erlebt hat.

JETZT BUCHEN: PACK OF LIES

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