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REZENSION: Rent, Greenwich Theatre ✭✭✭✭
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Leitartikel
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(L–R) Benjamin Stratton als Mark & Edward Handoll als Roger. Foto: Claire Bilyard. Rent
Greenwich Theatre
4 Sterne
8. September 2012
Jonathan Larsons mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Rock-Musical Rent feierte 1996 am Broadway Premiere und lief über 5000 Vorstellungen; es gewann den Tony Award als Bestes Musical. Die ursprüngliche Londoner Produktion wurde mit drei Olivier Awards ausgezeichnet. Regisseur Paul Taylor-Mills hat nun eine neue Londoner Produktion geschaffen, die dem großen Hype standhalten soll. Und das gelingt ihm. Nach Puccinis La Bohème richtet Larsons Musical den Blick auf eine Gruppe mittelloser junger Künstler*innen, die im Schatten von HIV/AIDS leben. Die Themen der Show sind universell: Liebe, Verlust, Sehnsucht. Dennoch ist das Stück keineswegs makellos; mitunter wirkt es schwerfällig und etwas fragmentiert. Nichtsdestotrotz ist es ein kraftvolles und bewegendes Werk.
Taylor-Mills’ Inszenierung glättet die rauen Kanten des Materials so, dass man vergisst, dass sie je da waren. Ohne das Rad neu zu erfinden, kehrt Taylor-Mills zu den Broadway-Wurzeln der Show zurück. David Shields’ rau und gebrochen wirkendes Bühnenbild wird perfekt ergänzt durch Stuart Pardoes verführerisches Lichtdesign. Andrew Becketts Kostüme erinnern an die Originale, bringen aber einige schöne Details ein – besonders bei Angel, deren flamboyante Ausstrahlung durch die Armut geerdet wird.
Das Casting saß insgesamt. Stephanie Fearon als Mimi verlieh ihrer Stimme eine wunderbare Tiefe und zeigte in Out Tonight die Komplexität ihrer Figurenzeichnung, indem sie Lust und Schmerz nebeneinanderstehen ließ. Zoe Birkett lieferte als Maureen eine atemberaubende Leistung; ihr erster Auftritt in Over The Moon ist ein Höhepunkt – herrlich selbstverliebt und zugleich durch und durch komisch. Ihre unglaubliche Stimme wurde von ihrer Freundin, der im Power-Look auftretenden Jamie Birkett als Joanne, ebenbürtig erwidert. In ihrem Duett Take Me Or Leave Me fanden sie eine glühend erotische Spannung. Bei den Männern berührte Gary Wood als Angel stets, während Benjamin Stratton mit seiner jungenhaften, leicht einwärts gedrehten Darstellung von Mark die Rolle ganz zu seiner eigenen machte. Die größte Stärke der Produktion ist das dynamische Ensemble. Maeve Byrne überraschte in Seasons of Love. Mutig abweichend vom Original begann Byrne die Nummer als Solistin, und nach und nach scharte sich das Ensemble um sie – wodurch der Song eher feierlich als klagend wirkt. Weitere bemerkenswerte Leistungen kamen von Inez Mackenzie, Jamie Jukes, Michael Cortez und Richie Gooding. Die Musical Directors Huw Evans und Tom Turner, die keine Scheu haben, mit dem Material zu spielen, verleihen den vertrauten Songs eine scharfe, moderne Kante. Taylor-Mills’ präzise Regie schafft in Nummern wie La Vie Boheme ein starkes Fließgefühl, in denen Richard Jones’ rhythmische Choreografie besonders auffällt. In dieser Produktion haben Kreativteam und Besetzung Jonathan Larsons Botschaft geschärft. Indem sie zu den Broadway-Wurzeln zurückkehren, das Flair des bohèmehaften Alphabet City der Neunziger wiederaufleben lassen und den erzählerischen Drive der Show in den Fokus rücken, wird Rent wieder relevant. Das ist eine bewundernswerte Wiederaufnahme eines modernen Klassikers.
KRITIK: Edward Theakston
Läuft bis zum 16. September Mehr Infos
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