NACHRICHTEN
KRITIK: Blackout, Drayton Arms Theatre ✭✭
Veröffentlicht am
14. Oktober 2015
Von
danielcolemancooke
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Blackout
Drayton Arms Theatre
13. Oktober
2 Sterne
Der junge Dramatiker Tim Cook hat sich in der Fringe-Szene einen starken Ruf erarbeitet – sein Stück Crushed wurde beim diesjährigen Brighton Fringe mit dem Preis für das Beste neue Stück ausgezeichnet.
Eines seiner früheren Werke, Blackout, wird derzeit im Drayton Arms gespielt – ein fesselnder „postapokalyptischer Psychothriller“, angesiedelt während eines Blackouts in Swindon.
Der zynische Mark (Tim Cook) hat eine neue Nachbarin; die hyperaktive und überaus fantasievolle Tracy (Amani Zardoe). In der plötzlich hereingebrochenen Dunkelheit leisten sie einander Gesellschaft – doch sie erschrecken, als sie feststellen, dass sie auch am nächsten Morgen noch im Dunkeln sitzen, weil die Sonne nicht aufgeht.
Das ist eine interessante Ausgangslage, und das Stück ist gespickt mit einigen dramatischen Momenten und pointierten Dialogzeilen. Die grösste Hürde scheint zu sein, dass keine der Figuren besonders sympathisch ist. Mark ist derart misanthropisch, dass man kaum eine Bindung zu ihm aufbauen kann, und Tracy ist so nervig und hysterisch, dass man auch für sie nicht wirklich mitfiebert.
Zudem wird die Inszenierung von einigen musikalischen Einlagen ausgebremst, die nicht recht zur Tonalität des Stücks passen. Blackout ist insgesamt eine raue, düstere Angelegenheit – es in ein Quasi-Musical zu verwandeln wirkt daher unglücklich entschieden und ist auch ganz praktisch schwer nachvollziehbar (würde man bei einem kompletten Stromausfall wirklich Gitarre spielen wollen – oder überhaupt können?!).
Trotzdem verfügen Cook und Zardoe beide über angenehme Singstimmen, wodurch die Songs besser funktionieren, als sie es sonst vielleicht würden. Auch wenn sie frustrierende Figuren spielen, sind Cook und Zardoe nuancierte Darsteller*innen und gestalten ihre Rollen mit emotionaler Tiefe; besonders die Szene, in der sie über die letzten Stunden von Marks Freundin sprechen, ist sehr gut gespielt.
Allerdings geht das ständige Schlagfertigkeits-Feuerwerk bisweilen auf die Nerven, und das Stück wirkt stellenweise unausgewogen. Vor allem das Tempo des Endes ist fragwürdig; es wirkt etwas gehetzt, sodass das grosse Finale am Schluss sein Ziel verfehlt. Die Gesamtlaufzeit liegt bei etwas über einer Stunde; ein stärker ausgearbeitetes Ende wäre sehr willkommen und würde erlauben, viele offene Fragen zu klären (vor allem, warum überhaupt die Lichter ausgegangen sind).
Das Bühnenbild war schlicht, aber durchaus wirkungsvoll – allerdings war es für ein Stück mit dem Titel Blackout nicht besonders dunkel. Natürlich müssen die Darsteller*innen etwas sehen können, aber es war seltsam, die Figuren in relativ gutem Licht herumtasten zu sehen. Ein wenig mehr Dunkelheit hätte zudem den wenigen „Jump Scares“, die über die Produktion verteilt sind, mehr Wucht verleihen können.
Blackout ist ein Stück eines Autors, der eindeutig auf dem Sprung ist: mit einer starken Prämisse und gelegentlichen Lichtblicken. So grossartig es ist, junge Dramatiker*innen mit neuem Material auf der Bühne zu sehen – für eine mögliche Übernahme an ein anderes Haus bräuchte es vermutlich ein schärferes Skript.
Blackout läuft im Drayton Arms Theatre bis zum 17. Oktober 2015
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