NACHRICHTEN
KRITIK: Home, I'm Darling, National Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
Share
Paul T Davies bespricht Laura Wades Stück Home, I’m Darling, derzeit im National Theatre zu sehen.
Katherine Parkinson (Judy) und Richard Harrington (Johnny) in Home, I’m Darling. Foto: Manuel Harlan Home, I’m Darling.
Das Dorfman Theatre, National Theatre.
31. Juli 2018
4 Sterne
Willkommen in den 1950ern – einem goldenen Zeitalter, als alles, ganz einfach, besser war und die Menschen freundlicher. Judy ist so glücklich, stolz auf ihr makelloses Zuhause, backt und kocht alles von Grund auf und organisiert ihren Tag so, dass ihr Mann Johnny von der Arbeit heimkommt und sich zu einer anständigen Mahlzeit setzen kann. Er ist unverschämt glücklich. Er geht zur Arbeit – und dann entdecken wir in einer schlichten, wunderbaren Enthüllung, dass dieses Haus über eBay zusammengetragen wurde und der Look aus Vintage-Läden stammt: Judy hat sich diese Welt selbst geschaffen. Mit Abfindung und Erbe hat sie sich dieses Leben aufgebaut und sich so weit wie möglich von der Realität da draussen abgeschottet. Doch die moderne Gegenwart droht diese Existenz ständig zu untergraben: Hypothekenraten bleiben aus, Technik drängt hinein, und der Druck, diese fragile Fantasie festzuhalten, wächst.
Kathryn Drysdale (Fran) und Barnaby Kay (Marcus) in Home, I’m Darling. Foto: Manuel Harlan
Laura Wades Stück ist wie ein perfekt gebackener Kuchen: Schicht um Schicht wird im Verlauf des Abends freigelegt, und indem es eine 1950er-Jahre-Blase erschafft, sagt es enorm viel über unsere Gegenwart. Gespielt wird in einem wunderbaren Puppenhaus-Bühnenbild, liebevoll entworfen von Anna Fleischle, und diese Koproduktion von National Theatre und Theatr Clwyd ist von Tamara Harvey sehr präzise inszeniert: Sie lässt jede Ebene ohne Melodramatik sichtbar werden. Katherine Parkinson ist als Judy perfekt – von Beginn an fragil, die Maske der Verdrängung rutscht, die Anspannung, dieses „perfekte“ Bild aufrechtzuerhalten, wächst; und mit exzellentem komödiantischem Timing sticht sie Judys Welt wirkungsvoll an. Eine durch und durch fesselnde Leistung. Ihr ebenbürtig ist Richard Harringtons Johnny: ein Mann, der zwar sein Bestes gibt, um die 1950er mitzuspielen, aber merkt, dass er die Lüge nicht länger spielen kann. Sie sind ein ungemein sympathisches Paar – und gerade dadurch gewinnt das Stück. Johnny will seine „alte“, unabhängige Frau zurück, und man ertappt sich dabei, wie man für beide die Daumen drückt.
Sian Thomas als Sylvia in Home, I’m Darling. Foto: Manuel Harlan
Ständig wird daran erinnert, dass die 1950er keineswegs das goldene Zeitalter waren, als das Judy sie gern erscheinen lässt. Ihre Mutter Sylvia (hervorragend: Sian Thomas) – eine Feministin, die Judy in einer Kommune grossgezogen hat – zerlegt das idyllische Bild in einer brillanten Rede darüber, wie die Gesellschaft gegen alle aufgebaut war, die nicht weiss, männlich und mittelschichtig waren. Zusammen mit Freundin Fran, deren eigene bröckelnde Welt Kathryn Drysdale perfekt einfängt, wird die brexitgetränkte Sehnsucht nach einer „goldenen Vergangenheit“ zerstört – und entlarvt sich als ebenso falsche Fassade wie Judys Haus. Als Frans Mann Marcus am Arbeitsplatz sexueller Belästigung beschuldigt wird, wird Barnaby Kays nuancierte Darstellung schmieriger und bedrohlicher, während Judy am verletzlichsten ist; und Sara Gregory ist das perfekte Abbild einer modernen Karrierefrau – genau die Art Mensch, die Judy früher selbst war.
Der hervorragende Soundtrack und die Choreografie sorgen dafür, dass die Übergänge zwischen den Szenen geschmeidig und unterhaltsam sind, und Wades Beobachtungen unserer Gegenwart treffen ins Schwarze. Wenn das Stück stellenweise ein wenig behäbig wirkt, dann, weil die Positionen mitunter zu diametral und zu schlicht gezeichnet sind – und weil das Paar einen Weg findet, weiterzumachen; vielleicht werden die dramatischen Einsätze nicht hoch genug geschraubt. Aber trotzdem: Es ist witzig, klug und ein mitreissendes Stück – ein Fest für Augen und Geist.
JETZT BUCHEN: HOME, I’M DARLING IM NATIONAL THEATRE
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie