NACHRICHTEN
REZENSION: James Freedman - Mann der Diebe, Trafalgar Studios 1 ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
1. Juni 2015
Von
danielcolemancooke
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James Freedman. Foto: Jeremiah Jones James Freedman – Man Of Steal
Trafalgar Studios 1
29. Mai 2015
TICKETS KAUFEN Wer behauptet hat, unter Dieben gäbe es keine Ehre, hat James Freedman eindeutig noch nicht kennengelernt. Als einer der versiertesten Taschendiebe der Welt hat Freedman geschworen, seine Fähigkeiten zum Guten statt zum Bösen einzusetzen – indem er sein Publikum auf die hinterhältigen Tricks des Metiers aufmerksam macht. Er hat nicht nur dem Schatzkanzler (fügen Sie hier Ihren eigenen Steuerwitz ein) in die Tasche gegriffen, sondern auch bei einer Reihe grosser Filme als „Taschendieb-Berater“ gearbeitet. Die Show Man of Steal des Tricksters hat ihre Spielzeit in der Menier Chocolate Factory kürzlich beendet, erlebt nun aber in den Trafalgar Studios eine Frischzellenkur – mit einem atemberaubenden und lehrreichen Programm über die „Gabe des Zugriffs“.
Der Abend ist weit mehr als nur 90 Minuten lang dabei zuzuschauen, wie ein Mann Dinge stiehlt – es ist eine Meisterklasse in Memorieren, Ablenkung und erstklassigem Showmanship. Das Publikum war immer wieder hörbar beeindruckt und rätselte, wenn Freedman den nächsten Coup an einem ahnungslosen Zuschauer vollbrachte. Zunächst klang es etwas weit hergeholt, als Freedman von der „Kunst des Taschendiebstahls“ sprach (im Gegensatz zum Raub – „zu einfach“, sagt James). Doch vieles, was an diesem informationsreichen Abend enthüllt wurde, ist teuflisch clever und erschreckend augenöffnend. Offenbar treiben sich Taschendiebe gern in der Nähe von Schildern mit der Aufschrift „Vorsicht Taschendiebe“ herum – weil Menschen dann instinktiv nach ihren Wertsachen greifen und sie dabei erst recht preisgeben!
Eine One-Man-Show zu tragen, ist keine leichte Aufgabe – zumal Freedman nach eigener Aussage aussehe wie ein „Buchhalter an seinem freien Abend“ – die perfekte Eigenschaft für einen professionellen Taschendieb. Dennoch hatte er eine wunderbare Bühnenpräsenz und ein ausgezeichnetes Gespür für den Kontakt zum Publikum, egal ob er sich unter die Leute im Saal mischte oder sie auf die Bühne bat. Er schaffte es, dass sich die Zuschauer wohlfühlten und vor sich hin kicherten, selbst während er ihnen leise ihre Habseligkeiten, ihre Würde und sogar ein Kleidungsstück entwendete. Freedman verfügt über einen starken natürlichen Witz, mit einigen punktgenau platzierten Gags und scharfem Improvisieren (sein „Ihr wisst schon, dass heute Presseabend ist, oder?“ zu einem unbeholfenen freiwilligen Helfer aus dem Publikum war ein besonderes Highlight). Er steigert die Spannung im Verlauf der Show sehr geschickt; der dramaturgische Bogen führt zu einem Finale, das das Warten definitiv wert ist.
Die Show lässt sich nicht leicht einordnen. Freedman schien oft den Geist von Derren Brown (der offenbar ein grosser Fan ist) zu channeln, wenn er mit Fingerfertigkeit, Multitasking und einem unheimlich guten Gedächtnis beeindruckte. Gleichzeitig gibt es auch ein theatralisches Element: In einer Rückblende spricht er über einen prägenden und verstörenden Kindheitsmoment, der ihn auf den Weg zum „guten Dieb“ brachte. Eine der wenigen Sequenzen, die nicht ganz zündeten, war ausgerechnet beinahe ballettartig: Freedman wirbelte zur Musik umher und präsentierte dabei seine Diebeskünste. Ich hätte tatsächlich gern mehr über Freedmans Erwachsenenleben gehört; er hat offensichtlich eine faszinierende Laufbahn hinter sich und seine Taschendieb-Fähigkeiten mit Edward Norton, Sir Ian McKellen und Sir Ben Kingsley geteilt. Ein kurzer Abschnitt darüber, wie es ist, als „Dieb der Stars“ zu arbeiten, hätte dem Abend eine zusätzliche Facette geben können.
Die Herausforderung, eine One-Man-Show auf die Bühne zu bringen, hat Regisseur Edward Hilsum vermutlich nicht um den Schlaf gebracht; doch das schlichte Bühnenbild und die Spotbeleuchtung erfüllen ihren Zweck vollkommen. Die Musik, komponiert von Elliot Davis und Peter Weitz, trägt dazu bei, die Atmosphäre langsam aufzubauen, und der Aktenvernichter, der bedrohlich am hinteren Bühnenrand lauert, wird wirkungsvoll eingesetzt. Ein kleiner Punkt: Hinten auf der Bühne gibt es eine Leinwand, die man kreativer hätte nutzen können; richtig zur Geltung kommt sie eigentlich erst im brillanten Finale der Show.
Es ist immer grossartig, originelles Theater in London zu sehen, und Man of Steal betritt eindeutig Neuland, indem es einen Sicherheitsvortrag für die Öffentlichkeit auf ganz eigene Art auf die Bühne bringt. Freedman erhielt zu Recht einen warmen Empfang vom Publikum – aber vielleicht ist das grösste Kompliment die Anzahl der Menschen gewesen, die beim Verlassen der Trafalgar Studios ihre Taschen und Beutel überprüften und neu sortierten. Der Beweis, falls man ihn noch brauchte, dass er der Show tatsächlich die Schau gestohlen hat.
James Freedman – Man Of Steal läuft in den Trafalgar Studios bis zum 4. Juli 2015.
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