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REZENSION: Sie verkauft Muscheln, Edinburgh Fringe ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
15. August 2019
Von
markludmon
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Mark Ludmon bespricht She Sells Sea Shells, präsentiert von Scandal and Gallows im Underbelly Cowgate im Rahmen des Edinburgh Fringe.
Foto: EKpatured Photography She Sells Sea Shells Underbelly Cowgate, Edinburgh Fringe
Vier Sterne
Den Zungenbrecher „She sells sea shells on the sea shore“ kennt jede*r – aber nur wenige wissen, dass er von Mary Anning inspiriert wurde, einer der Pionierinnen der Paläontologie im 19. Jahrhundert. Tatsächlich ist ihre Bedeutung in der Fossilforschung heute kaum im Bewusstsein verankert – übertönt von Männern in einer Zeit, in der Berufsverbände und Universitäten Frauen ausschlossen. Die Theatercompany Scandal and Gallows will Anning nun mit ihrer einfallsreichen Inszenierung von Helen Eastmans neuem Stück She Sells Sea Shells zurück in die Geschichtsbücher holen.
In einem fesselnden Erzählstück führt uns das dreiköpfige Ensemble zurück in Annings Kindheit: mit ihrem Bruder Joe sucht sie an den Stränden und Klippen rund um Lyme Regis in Dorset nach Fossilien. Von ihrem Vater angeregt, entwickelt sie eine Leidenschaft für die Paläontologie und bildet sich selbst so weit, dass sie es mit den führenden Expert*innen ihrer Zeit aufnehmen kann – trotz ihrer Herkunft aus der Arbeiterklasse und eines Lebens in beinahe bitterer Armut. Neben dem Verkauf ihrer Ammoniten und anderer Fossilien am Strand für ein paar Pennies entdeckte sie 1811, im Alter von gerade einmal zwölf Jahren, die Überreste des weltweit ersten Ichthyosauriers – eines riesigen, krokodilähnlichen Meeresreptils. Als sie 30 war, machten ihre Funde einen beträchtlichen Teil der europäischen Fossiliensammlungen aus, doch ihr Name wurde von den männlichen Sammlern, die die Stücke der Öffentlichkeit und Fachwelt präsentierten, nie genannt.
Das Stück beginnt, als würde das Publikum eine heutige Vorlesung besuchen – doch unter der Regie von Madeleine Skipsey erweckt das Ensemble Annings Geschichte mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Figuren und viel theatralem Esprit zum Leben, inklusive einer geschmeidigen Körperlichkeit dank Bewegungsregisseur Samuel Rayner. Antonia Weir spielt Mary als direkte, pragmatische Frau ohne Umschweife, die nur dann weicher wird, wenn sie von der Schönheit der Fossilien spricht, die sie findet. Unterstützt wird sie in einer beeindruckenden Vielfalt an Rollen von Emma MacLennan und Charlie Merriman, die Historie mit Verspieltheit und Humor verbinden. Mehr als 170 Jahre nach Annings Tod im Alter von nur 47 Jahren erzählen sie nun ihre Geschichte – und die bleibt im Gedächtnis.
Spielzeit bis 25. August 2019
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