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KRITIK: Tender Napalm, Southwark Playhouse ★★★★★

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Leitartikel

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Tender Napalm im Southwark Playhouse ist ein exquisiter Ridley-Leckerbissen, schreibt JBR.

Lara Rossi & Tom Byam-Shaw. Foto: Camilla Greenwell. Raum. Distanz. Zeit.  Die Mythologie der Liebe.  Die Gegenüberstellung von Lyrischem und Umgangssprache.  Die wohl exquisiteste Entfaltung gesprochener Sprache – und zwei der kompromisslosesten, riskantesten Darbietungen, die man in diesem Theaterjahr gesehen hat.  Philip Ridleys Tender Napalm ist nach einer UK-Tour ans Southwark Playhouse zurückgekehrt – und es ist so herzzerreissend schön und zugleich so schockierend, dass einem der Atem stockt, wie eh und je. Ridley webt eine straffe Geschichte – und trifft Intimität so treffsicher, dass man sich kaum dem unangenehmen Gefühl entziehen kann, privaten Momenten beizuwohnen.  Tender Napalm handelt von dem, was gesagt wird, und dem, was unausgesprochen bleibt – und Ridley trifft mit beunruhigender Genauigkeit die Klangfarben und Rhythmen, mit denen Liebende miteinander sprechen, und mit verheerender Präzision die Stille, die sich dazwischen senkt.  Als Autor kann Ridley einen Satz wie kein anderer in eine wunderschöne, humorvolle, melancholische Erkundung ausfächern.  Er ist zugleich lyrisch wortreich und beunruhigend knapp; jedes Wort schneidet durch die Luft und brennt der Atmosphäre seine besondere sprachliche Meisterschaft ein. Lara Rossi und Tom Byam-Shaw vollbringen olympische Leistungen körperlicher und sprachlicher Virtuosität – mit ausserordentlicher, intensiver Konzentration.  Das Stück wogt wie eine Opernpartitur: Arie folgt auf Arie, Refrains kehren immer wieder, hier pianissimo, dort con somma passione. Bei solcher Bravour kann das Publikum den Applaus kaum zurückhalten.  Und wie Virtuosen wissen Rossi und Byam-Shaw, wann sie voranstürmen und wann sie zurücknehmen müssen.  So folgt auf all die vokalen und verbalen Feuerwerke ein Frieden, der in seiner Stille und Ehrlichkeit herzzerreissend ist.

William Reynolds’ Bühne platziert die beiden in Traverse: ein karger, weisser Raum, der die Distanz zwischen ihnen betont und zugleich eine Arena für ihre Darbietungen schafft.  Worte schnellen in atemberaubendem Tempo hin und her.  Unter den harten Halogen-Leuchtstoffröhren erkunden sie die Mythologie der Liebe, die Geschichten, die wir uns erzählen, um es erträglicher zu machen, um den Schmerz zu nehmen, um das Thema zu umschiffen, über das wir niemals, niemals sprechen dürfen.  Zeit und Raum sind die stets präsenten zusätzlichen Figuren, die uns ruckartig vor und zurück schleudern – zwischen Gegenwart und Erinnerung, zwischen Realität und Fantasie.

David Mercatalis makellose Regie und Tom Godwins Bewegungsarbeit sind hier die Geniestreiche.  In einem Stück, das so sehr von der Schönheit des gesprochenen Wortes lebt und dessen widersprüchliche Themen so präzise strukturiert sind, dass sie die Wirkung steigern, lenkt Mercatalis körperliche, energiegeladene Regie das Publikum zugleich von der Sprache ab – und verstärkt genau dadurch ihre Wirkung.  Mercatali hat das feine Gleichgewicht der Gegensätze verstanden, das in vielem von Ridleys Arbeit steckt: seine eigenwillige Art, Zeit durch Sprache auszudehnen, und das Aufbrechen des Linearen. In Tender Napalm treibt er eine schlichte Theatralität bis an die Grenze.  Seine selbstbewusste, entschlossene Regieführung hat eine eigene Lebenskraft; sie pulsiert durch die Rhythmen von Ridelys hochfliegender Fantasie – mit verblüffender Energie und wilder Ausschweifung. Der Drive und die Grandezza von Mercatlis Arbeit werden durch Godwins kühne, mutige Bewegungsarbeit noch einmal überragend gesteigert. Tender Naplam ist ein Ridley-Leckerbissen: unheimlich, erschreckend und erhebend.  Sehr wahrscheinlich werden Sie in diesem Jahr kein exquisiteres Stück hören – und keine zwei fesselnderen Leistungen sehen. ***** (5 Sterne) Läuft bis zum 23. Juni Mehr Infos

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