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KRITIK: Blond, Streaming über Derby Live ✭✭✭✭
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Von
pauldavies
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Paul T Davies rezensiert Howell und Hurts Marilyn-Monroe-Musical Blonde, das live per Stream über Derby LIVE zu sehen ist.
Blonde im Stream über Derby LIVE bis zum 16. Mai.
4 Sterne
Jetzt ansehen Zuletzt habe ich Howell und Hurts überschäumendes Marilyn-Monroe-Musical 2018 beim RADA Festival gesehen – gespielt auf einer winzigen Bühne, vollgepackt mit einem enorm talentierten Ensemble. Dieses Talent ist nach wie vor da, doch unsere Pandemiezeiten haben zu dieser Streaming-Produktion geführt, die gemeinsam mit der Kristian Thomas Company koproduziert wurde und unter strengen Covid-Sicherheitsvorgaben entstand. Das Ergebnis ist eine runde, geschmeidige Inszenierung, bei der für mich vor allem die Musik im Mittelpunkt stand – und der leere Zuschauerraum, der eine kühle, gespenstische Atmosphäre erzeugt, die durchaus zu dieser traumartigen Erzählung von Marilyns Leben und Tod passt. Das Ensemble muss mit zwei Metern Abstand tanzen, und durchgehend wird auf Distanz geachtet; auch wenn das anfangs ungewohnt wirkt, verstärkt es im Verlauf der Show Marilyns Isolation.
Das Buch von Paul Hurt beleuchtet Marilyn sowohl als Frau als auch als Ikone: wie Hollywood sie erschuf, wie ihr Bild und ihr Leben manipuliert wurden und wie die Männer und Lieben in ihrem Leben damit rangen, sich zur weltweiten Verehrung Monroes zu verhalten. Die Aufspaltung in Norma Jeane als die „echte“ Frau und Marilyn als die fiktionalisierte Sexbombe ist ein wirkungsvolles Mittel, das die Darstellung in einer greifbaren Realität verankert – ihre jugendlichen Träume, zerschlagen von der Hollywood-Maschinerie. Verity Power ist eine überzeugende Monroe, besonders als „off-screen“-Marilyn; ihre Bedürfnisse, Sehnsüchte und Verzweiflung werden sehr gut getroffen, wenngleich es der Darstellung von Monroes Leinwand-Charisma mitunter an Rundung fehlt. Anna Bond ist eine berührend verletzliche Norma Jeane, und gemeinsam singen sie ein großartiges Duett in einer der stärksten Nummern, Blonde, die den ersten Akt beschließt. Da fast alles durch den männlichen Blick erzählt wird, wirken die Männer in ihrem Leben stellenweise etwas zweidimensional. Georgie Gifford, der Fotograf, wird von Finlay Paul sensibel gespielt – als ihr echter Freund, der sie dennoch durch die Linse betrachtet, was seine Wahrnehmung von ihr prägt. Charlie Ellerton ist hervorragend sowohl als Joe DiMaggio als auch als Arthur Miller, und Louise Grantham ist eine wunderbare Paula Strasberg – für Monroe ebenso schädlich wie jeder der Männer. Die herrlich komische Nummer Alma Mater nimmt nicht nur „The Method“ aufs Korn, sondern zeigt zugleich ihren Glauben daran und den Einfluss auf das Kino des 20. Jahrhunderts.
Die Musik und Liedtexte von Adam Howell sind witzig, feinfühlig und fangen die Höhen und Tiefen ihrer Karriere eindrucksvoll ein – besonders in der bewegenden Schlussnummer Be Wonderful. Allerdings ist es der zweite, kurze Akt, der sich noch weiter ausbauen ließe, vor allem Monroes Beziehung zu Arthur Miller, dessen Erfahrungen mit ihr er in eigenen Memoiren und Stücken verarbeitet hat; auch ein kurzer Auftritt von Laurence Olivier bleibt ohne die nötige Nuancierung. Dennoch ist dies eine starke Darstellung des Spannungsfelds zwischen Realität und Image, zwischen Träumen und Ruhm – und einer Frau, die von der Welt geliebt wurde und sich doch einsam und unterschätzt fühlte.
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