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REZENSION: Humble Boy, Orange Tree Theatre ✭✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon bespricht die Wiederaufnahme von Charlotte Jones’ Humble Boy am Orange Tree Theatre
Belinda Lang, Selina Cadell, Jonathan Broadbent, Rebekah Hinds und Paul Bradley in Humble Boy. Foto: Manuel Harlan
Humble Boy
Orange Tree Theatre
12. März 2018
Vier Sterne
Mit seiner Mischung aus Familiendrama, Astrophysik und Imkerei war Charlotte Jones’ Komödie Humble Boy nach der Uraufführung 2001 sowohl in London als auch in New York ein Erfolg und wurde mit Ayckbourn und Stoppard verglichen. Mit einer erstklassigen Riege an komödiantischem Schauspiel talent wurde das Stück nun in einer bezaubernden neuen Inszenierung von Regisseur Paul Miller wiederaufgenommen – eine Produktion, die Tod und Dysfunktion mit Witz und viel Herzenswärme verhandelt.
Die kleine Bühne des Orange Tree Theatre hat Bühnenbildner Simon Daw in den üppigen, blumenreichen Garten eines Hauses in den Cotswolds verwandelt, wohin Felix Humble nach dem plötzlichen Tod seines Vaters von seiner Arbeit an der Stringtheorie zurückkehrt. Während er versucht, sich vor der Außenwelt zu verkriechen, muss er sich der angespannten Beziehung zu seiner stacheligen Mutter Flora stellen – und weiteren Familiengeheimnissen, die in seiner Abwesenheit vor sich hingebrodelt haben. Der befreundete George Pye steht Flora auffällig nahe, während seine Tochter einst von Felix auf grausame Weise abserviert wurde – ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr das Stück dem ultimativen Familiendrama Hamlet verpflichtet ist.
Paul Bradley und Belinda Lang in Humble Boy. Foto: Manuel Harlan
Jones greift die Astrophysik locker als Metapher für die Suche nach Verbindungen und Sinn auf und vermeidet dabei jene komplizierteren Vorstöße in Wissenschaft und Philosophie, die manche Stoppard-Stücke zu einer solchen intellektuellen Herausforderung machen. Im Stück liegt buchstäblich ein Summen in der Luft: Felix’ Verlustgefühl richtet sich auf die verschwundenen Bienen, um die sich sein Vater geradezu obsessiv gekümmert hat. Bienen-Anspielungen ziehen sich durch den ganzen Abend, manchmal bis zur Überfülle – Flora beherrscht das Haus als bissige Königin, vor einem schwärmenden Klangteppich aus Musik und Geräuschen, den Max Pappenheim geschaffen hat.
Belinda Lang in Humble Boy am Orange Tree Theatre. Foto: Manuel Harlan
Belinda Lang ist als Flora hervorragend besetzt: Ihr bissiger, leicht gehässiger Hochmut sorgt für viele Lacher, verbirgt aber zugleich einen tiefen Zug von Unglück. Selina Cadell glänzt als ihre bedürftige, gutmeinende Freundin Mercy, besonders in einer brillanten Szene, in der ein Essen im Freien mit Gazpacho in pures Chaos kippt. Jonathan Broadbent ist als Felix exzellent und balanciert souverän zwischen Komik und emotionalem Zusammenbruch. Komplettiert wird das Ensemble durch starke Leistungen von Christopher Ravenscroft sowie Paul Bradley und Rebekah Hinds als George und Rosie.
Selina Cadell und Christopher Ravenscroft in Humble Boy. Foto: Manuel Harlan
Trotz großer Themen und vieler Anspielungen wird Humble Boy nicht von zu viel Intellektualismus beschwert: Das Stück ist voller pointierten Humors und spürbarer Freude an Sprache und Wortspiel. Noch immer in den späten 1990ern angesiedelt (wenn meine Rechnung stimmt), wirkt es so frisch wie bei seinem preisgekrönten Debüt vor 17 Jahren – und wechselt mit Geschick und Klugheit von breiter Komik zu berührendem Pathos.
Läuft bis 14. April 2018
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