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REZENSION: Drachenläufer, Wyndhams Theatre ✭✭✭✭
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Von
pauldavies
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Ben Turner und die Besetzung von The Kite Runner
Wyndham’s Theatre
10. Januar 2017
4 Sterne
Khaled Hosseinis vielgeliebter Roman erhält in einer äußerst wirkungsvollen Bühnenfassung von Matthew Spangler eine werkgetreue und zutiefst berührende Inszenierung. Erzählt wird die Geschichte der Kindheitsfreunde Hassan und Amir: Sie beginnt in der relativen Ruhe Kabuls Mitte der 1970er-Jahre, noch vor der sowjetischen Invasion. Drachenflug-Wettbewerbe sind ein Großereignis – jeder Drachenkämpfer versucht, die anderen Drachen vom Himmel zu holen, bis nur noch einer übrig bleibt und zum Sieger ausgerufen wird. Kinder, die zu arm für einen eigenen Drachen sind, rennen durch Gassen und Höfe, um abgestürzte Drachen einzusammeln – sie sind die „kite runners“. Hassan und Amir stehen auf unterschiedlichen Seiten sozialer und religiöser Trennlinien: Amir ist ein belesener Paschtune, Hassan der Hazara-Sohn des treuen Familiendieners. Am Tag, an dem Amir den Drachenflug-Wettbewerb gewinnt, holt Hassan den besiegten Drachen für seinen Freund zurück – wird jedoch vom örtlichen Schläger und Psychopathen Assef überfallen und vergewaltigt. Dass Amir alles mit ansieht und nicht eingreift, und anschließend noch weitere feige Taten begeht, lässt seine Schuldgefühle so groß werden, dass Hassan und sein Vater fortgehen. Jahrzehnte später – Afghanistan inzwischen von aufeinanderfolgenden Invasionsmächten verwüstet – erhält Amir die Chance, in seine Heimat zurückzukehren und einen Akt der Versöhnung zu vollziehen: Er soll Sohrab, Hassans Sohn, vor den Taliban retten.
Ben Turner und Anrei Costin in The Kite Runner
Leserinnen und Leser des Romans wissen: Wie in den besten Kindheitsgeschichten ist dies keine behagliche Freundschaftserzählung – die Welt, in der die Jungen aufwachsen, zerschmettert ihre Unschuld. Emotional gleicht das Material einem Drachen: Es steigt in Höhen der Hoffnung, um dann in Verzweiflung und Horror abzustürzen. Unser persönlicher „kite runner“ ist Amir – Ben Turner liefert eine hervorragende, durchgehend tragende Leistung, wechselt mühelos zwischen Kind und Erwachsenem, Erzähler und Protagonist, ist praktisch ständig auf der Bühne und führt uns mit großer emotionaler Intensität durch die vielen Wendungen der Handlung. Als Hassan und später Sohrab ist Andrei Costin herausragend: ein glaubhafter Junge, der in unvorstellbaren Schrecken gerät. Nicholas Karimi ist als psychopathischer Assef erschreckend gut, und Emilio Doorgasingh wunderbar als Baba, Amirs Vater – bei dem wir entdecken, dass er viele Heldentaten mit stiller Würde und Leidenschaft vollbracht hat. Überhaupt überzeugt das gesamte Ensemble; im Mittelpunkt steht ein schlichtes, präzise gearbeitetes Erzählen. Mit Barney Georges Bühnenbild, das eine wirkungsvolle Leinwand für die Geschichte liefert, und einigen wunderschönen Tabla-Passagen von Hanif Khan lenkt wenig von der Wucht dieses epischen Stoffes ab.
Ben Turner und die Besetzung von The Kite Runner
Ich habe ein paar kleine Vorbehalte: Den Kampfszenen fehlt mitunter die Durchschlagskraft, und nach der Pause fällt das Tempo – wie auch die Geschichte – etwas ab. Doch alles baut sich zu einem enorm emotionalen Höhepunkt auf, und vermutlich brauchen Sie ein Taschentuch! In unseren angstvollen Zeiten reicht The Kite Runner eine offene Hand der Versöhnung und Hoffnung. Ich würde Ihnen raten, sie zu ergreifen.
TICKETS FÜR THE KITE RUNNER BUCHEN
Nicholas Karimi und Ben Turner in The Kite Runner.
Ben Turner und Andrei Costin in The Kite Runner
David Ahmad, Ben Turner und Bhavin Bhat in The Kite Runner
Ben Turner in The Kite Runner
Lisa Zahra und Antony Bunsee in The Kite Runner
Emilio Doorgasingh und Ben Turner in The Kite Runner
Ben Turner und die Besetzung von The Kite Runner
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