NACHRICHTEN
KRITIK: The Toxic Avenger, Southwark Playhouse ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
1. Mai 2016
Von
douglasmayo
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Die Besetzung von The Toxic Avenger
Southwark Playhouse
26. April 2016
5 Sterne
Jetzt buchen „Es gibt einen Ort zwischen Himmel und Hölle, Du brauchst keine Karte, folge einfach dem Gestank, Ein Ort voller dreckiger Luft, Ein Ort voller finsterer Verzweiflung, Ein Ort, an dem du keine Chance hast, Ein Ort namens New Jersey“
So beginnen zwei Stunden Theaterbrillanz, bei denen ich durchgehend lachen musste.
Erdacht von Lloyd Kaufman war The Toxic Avenger die zentrale Figur einer Reihe von Kultfilmen – und dank Joe Di Pietro (Buch und Liedtexte) sowie David Bryan (Musik und Liedtexte) hat Toxie, wie er in der Show liebevoll genannt wird, nun im Southwark Playhouse angelegt.
Die Handlung kurz zusammengefasst: Tromaville leidet unter extremer Giftmüllbelastung, und Melvin Ferd der Dritte, ein angehender Wissenschaftler, ist entschlossen, das Problem zu lösen. Das einzige Problem: Er legt sich mit einer korrupten Bürgermeisterin an. Um Melvin zu stoppen, lassen ihre Schergen ihn in einen Bottich voller toxischem Schleim kippen – und er verwandelt sich in Toxie – The Toxic Avenger! Und nein, ich mache keine Witze!
Mark Anderson als Toxie
Alles an The Toxic Avenger riecht nach Erfolg – doch getragen wird dieser Abend vor allem von einer der besten Besetzungen, die ich je in einem Off-West-End-Musical gesehen habe. Die Partitur von The Toxic Avenger ist, wie man so schön sagt, ein echter Brocken. Komponist David Bryan, bekannt durch Bon Jovi, hat hier jede Menge Rock-Gespür in die Musik gepackt und den Bewohnern von Tromaville wirklich etwas zum Singen gegeben.
Als Melvin und Toxie ist Mark Anderson schlicht großartig. Die meiste Zeit singt er unter einer Prothesenmaske – das kann kein leichter Job sein –, doch Anderson lässt alles mühelos wirken. Vom Nerd zum Mutanten: Diese Verwandlung ist so überzeugend, dass einige in meiner Nähe bezweifelten, es sei derselbe Darsteller.
Mark Anderson (Melvin) und Hannah Grover (Sarah).
Hannah Grover spielt Sarah, eine blinde Bibliothekarin (ja, ich denke mir das wirklich nicht aus). Besessen von Oprah und mit einer ganzen Reihe physischer Comedy-Nummern arbeitet sich Grover durch die Szenen, ohne jemals in Sachen politische Korrektheit ganz über die Stränge zu schlagen – aber sie hat dabei einen Riesenspaß (und das Publikum ebenso), dieser beeindruckenden Leistung zuzusehen.
Als korrupte Bürgermeisterin ist Lizzii Hills unglaublich. Stellt euch Schulterpolster und eine Art Dynasty-Lookalike-Mode vor – dann seid ihr ungefähr dran. Sie spielt gleich zwei Rollen in der Show und bekommt am Ende des ersten Akts einen echten Showstopper: das Duett Bitch/Slut/Liar/Whore – mit sich selbst. Keine leichte Aufgabe, doch Hills brachte das Publikum vor Lachen zum Weinen.
Das wohl härteste arbeitende Duo des Abends sind Ashley Samuels und Marc Pickering. In mehreren Rollen – männlich wie weiblich – rennen die beiden ständig auf und von der Bühne und erschaffen eine ganze Parade schillernder Figuren, die entscheidend dazu beiträgt, dass diese Show so ein komischer Volltreffer ist.
Marc Pickering (White Dude)
Regisseur Benji Sperring hat dafür gesorgt, dass Bryans pulsierende Partitur von der durchgehend hektischen Bühnenaction dieses Pop-Musical-Meisterwerks gespiegelt wird. Musical Director Alex Beetschen, Bühnen- und Kostümbildner Mike Lees, Lichtdesigner Nic Farman und Choreografin Lucie Pankhurst haben als perfekt eingespieltes Team zusammengearbeitet, um die Welt von Tromaville zu erschaffen – und das Ergebnis ist absolut weltklasse.
Besonders hervorheben möchte ich die Arbeit des Sound Designers Andrew Johnson. So oft lässt bei Partituren wie dieser ein schwaches Sounddesign die ganze Show im Stich – doch The Toxic Avenger war mit einem der besten Sounddesigns gesegnet, das ich seit Langem gehört habe. Jedes Wort war zu verstehen, ohne dass die Wucht der Musik verloren ging. Bravo!
Wenn ich diese Kritik noch einmal lese, ist mir völlig klar, dass es eine uneingeschränkte Lobhudelei ist – aber sie ist verdient. Das ist eine dieser Produktionen, die Musicalfans gesehen haben sollten. Als Fan der Originalaufnahme kann ich ehrlich sagen: Die Southwark-Besetzung hat diese Aufnahme alt aussehen lassen. Ein Off-West-End-Castalbum wäre absolut angebracht.
Was mich frustriert: Das Southwark Playhouse bekommt zunehmend den Ruf, einige der großartigsten Musicals zu beherbergen. Würden sie Off-Broadway produziert, könnten sie ewig laufen – doch hier in London sind wir auf kurze Laufzeiten beschränkt, und das muss sich ändern. Die Besetzung und das Kreativteam hinter Shows wie The Toxic Avenger sollten die Möglichkeit haben, von ihrer harten Arbeit auch langfristig zu profitieren.
Auf ins Southwark Playhouse – holt euch eure Dosis Toxic. Ihr werdet froh sein, die Zehen in diesen Bottich voll toxischem Schleim getaucht zu haben! Großartig!!
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